Dieſterweg m ZEREEE “Dinter 29
ſpäter als zweiter Rector an der lateiniſchen Schule zu Elberfeld gewirkt-hatte, wurde ex 1820
Seminardirectox zu Mörs. Von hier aus datirt! ſein pädagogiſcher Ruſs; denn .wie er in
dem ihm zunächſt liegenden Kreiſe ſeiner amtlichen Thätigkeit mit heller Einſicht und kräſ-
tiger Hand als Feind jeglichen Schlendrian8 auftrat, ſuchte er durch zahlreiche pädagogiſche
Schriften die wiſſenſchaftliche und ſpeciell methodiſche Tüchtigkeit des deutſchen Lehrerſtandes
zu heben und das Auge desſelben in den „Rheiniſchen Blättern für Erziehung und Un=-
terricht" auf die bedeutendſten pädagogiſchen Zeitfragen der Gegenwart zu lenken. Dieſter-
weg's Bedeutung ward gewürdigt durch ſeine Berufung zum Director des Seminare3 für
Stadtſchulen in Berlin 1833, und wie nachhaltig fein Einfluß auf die deutſche Lehrer-
jhaſt geweſen , dafür legt die Liebe, die ihm dieſe bewahrt, ein beredtes Zeugniß ab.
Dieſterweg's Thätigkeit in Berlin war eine ſehr ſegenöreiche. Die Berbeſſerung de8 dor-
tigen Stadtſchulweſens, die Ausbildung tüchtiger Lehrer, da8 waren die Ziele, die er mit
freimüthigem Geiſte verfolgte und erreichte. Mit ſeinen freiſinnigen Anſichten mußte er mit
dem inzwiſchen zur Herrſchaft gelangten Miniſterium Cichhorn in Conflict gerathen. Er
wurde 1847 außer Activität geſjeßt und 1850 völlig quiescirt. Damit war ſein Einfluß
auf die Lehrerwelt Deutſchland38 keine8wegs gebrochen. Vorübergehend widmete er ſeine
Thätigkeit der Schule der freireligidſen Gemeinde zu Hamburg, dann nahm er ſeinen Auſ-
enthalt wieder in Berlin und fuhr bis zu ſeinem Tode, den 7. Juli 1866, fort, in Wort -
11d Schrift ein Vorkämpfer für die Freiheit der Schule zu ſein. Beſonder3 waren es die
drei preußiſchen Regulative, die er als Mitglied des preußiſchen Abgeordnetenhauſe8 (von
der Bürgerſchaft Berlins gewählt) und in ſeinem trefflichen Jahrbuche für Lehrer 1851 ff.
befämpfte. C38 fonnte ihm nicht gelingen, jene den Stempel der Reaction tragenden Ver-
ordnungen zu beſeitigen , aber ihren verderblichen Cinfluſß vermochte der Geiſt männlichen
Freimuthes, den Dieſterweg in der deutſchen Lehrerſchaft erſtarkt hatte, abzuſchwächen =,
Ueber Dieſterweg |. Ad. Dieſterweg, ſein Leben und ſeine Schriften , von Langenberg,
Frankfurt a. M. Von Dieſterweg*s Schriften ſeien außer den genannten erwähnt: „Weg-
weiſer zur Bildung für deutſche Lehrer", „Leitfaden für den Unterricht in der deutſchen
Sprache“, „Leitfaden für den Unterricht in der Formenlehre“, „Leitfaden ſür den Geſammts-
unterricht im Rechnen“, „ScÜullejebuch“, „Lehr= und Sprachbuch“, „Praktiſcher Lehrgang
der deutſchen Sprache", „Da8 pädagogiſche Deutſchland", „Pädagogiſche Reiſe nach den
däniſchen Staaten", „Streitfragen auf dem Gebiete der Pädagogik“, „Ueber das Verderben
auf deutſchen Univerſitäten" (Abhandlung), „Geometriſche Combinations8lehre", „Praktiſches
Rechenbuch“ (in Verbindung mit Häuſer), Methodiſches Handbuch für Geſammtunterricht
im Rechnen“ (in Verbindung mit Häuſer), „Lehrbuch der mathematijchen Geographie und
Himmels8kunde.“
Dinter, Guſt. Friedr., einer der bedeutendſten deutſc 1760 zu Borna in Sachſen geboren, beſuchte die Fürſtenſchule zu Grimma , ſtudirte zu
Leipzig Theologie und wurde, nach einer Zwiſchenwirkjamkeit als Hauslehrer, Pfarrer zu
Kitſcher bei Borna. Neben ſeiner Thätigkeit als Seelſorger im vollſten Sinne de8 Wortes
ſand er doh noch Zeit, ſeiner Liebling8neigung ſolgend , ſich dem Schulweſen zu widmen.
Er übernahm nicht nur den Neligion8= und Rechenunterricht in der Dorfſchule ſelbſt, ſon-
dern bildete auch künftige Lehrer aus. Hierdurch gewann er bald ſolchen Ruf, daß er 1797
von Reinhard zum Director des Schullehrerſeminars zu Dre3den-Friedrichſtadt berufen wurde.
Hier wirkte er mit großem Segen; ſein Grundſaß war, daß Jünglinge, die nach wenig
Jahren ſelbſt Lehrer ſein ſollen, durch Freiheit, Arbeit, Liebe, Religioſität erzogen werden
müſſen. Nachdem er Beſtalozzi's Geiſt erkannt, ergriff er ihn eigenartig. Als praktiſcher
Sculmann konnte Dinter ſeinen Schülern in hohem Grade al8 Muſter gelten. Beſonders
war die Katecheſe, die er in ſokratiſcher Weiſe behandelte, ſein Hauptfac ſeiner theologiſchen Nichtung müſſen die meiſterhafte Form feiner katechetiſc anerkennen. Ziel der religiöſen Bildung war Dinter die freie ſittliche Selbſtbeſtimmung, der
Weg: „Durch den Kopf zum Herzen.“ Sein Geſundheitszuſtand nöthigte ihn, 1807 ſeine
Stellung niederzulegen und wieder eine Landpfarre (Görniß bei Borna) anzunehmen. Hier
gründete er bald, da er ohne erziehliche Thätigkeit nicht leben wollte, ein Progymnaſium.
Handwörterbuch f. d. Volköſchyllehrer 1. Bd.

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