190 Fortbildung des Fehrers = - Fortbildungsſchulen
Gebrauche des Leitfadens für Lehrer", wieder auf die rechte-Bahn gebracht, aber der Geiſt der
folgenden Zeit war ihrer allgemeinen Einführung nicht günſtig. Die Gegenwart mit ihrem
- realiſtij Vernachläſſigung der formalen Bildung allzuſehr die Erwerbung von Kenntniſſen an. Dieſes
Streben jeheint auf die Formenlehre nicht ohne Einfluß geweſen zu ſein. Die Schriften der
Gegenwart auf dieſem Gebiete (ſ. Geometrie) bieten Gelegenheit zur Erwerbung geometriſcher
Kenntniſſe, aber es iſt die Anregung zur Selbſtthätigkeit, die Weckung der Geſtaltungs-
Conſtructions8kraſt zu vermiſſen. Wer ſich über das Weſen der Formenlehre gründlich un-
terrichten will, muß zu den oben angeführten älteren Werken, namentlich zu den angeführten
Schriften Dieſterweg's zurückkehren.
Die Forthildung des Lehrers iſt theils eine abſichtliche, theils eine abſichtsloſe. Die -
Lehtere iſt ein Ergebniß ſeiner Amtsthätigkeit, die ihn an Exfahrungen, namentlich an pſy-
hologijhen, reicher macht und die Lehrgewandtheit durch die ſtete Uebung ſteigert, Freilich
nur unter der Vorausſehung, daß die Vorbildung des Lehrer8 ſo weit gediehen, daß von
ihm nicht faljche Berfahrungsweiſen für richtig angeſehen werden, daß eine wiſſenſchaftliche
Grundlage geſchaffen iſt, auf welcher Erfahrungen ſich aufbauen können. Wie man die
Wirkung einer Majc fann, wenn man ihre Conſtruction und die Bedingungen ihrer Wirkſamkeit genau kennt,
jo fann man auch Zuſtände und Aeußerungen einer Menſchenſeele nur verſtehen, wenn man
ihr Wejen, die Bedingungen ihrer Entwickelung und Bekhätigung kennt. Unter den abſicht-
lichen Veranſtaltungen zur Fortbildung des Lehrer8 werden immer Lectüre und Umgang mit
Berufsgenoſſen die vornehmſten jein. Nur darf die Leetüre nicht ausarten in ein Verſchlingen
ohne Berdauen (man ſollte jedes Buch mit der Feder in der Hand leſen), nur darf ſie
nicht lediglich auf Unterhaltung gerichtet ſein. Zur Erhaltung und Förderung geiſtiger
Friſche bedarf es, daß der Lehrer ſich ein vielſeitiges Intereſſe bewahre, daß er fich mit
ernſter , ſtrenger Wiſſenſchaft =- neben der Wiſſenſchaft der Pädagogik -- beſchäftige , mit
einer aber vorzugsweije gründlich. Ein wiſſenſchaftliches Steckenpferd ſollte jeder Lehrer haben.
Er wird oſt genug ſich mit der Aneignung wiſſenſchaftlicher Reſultate begnügen müſſen,
umjomehr joll er wenigſtens an einer Wiſſenſchaft auch in ſtrenger, wiſſenſchaftlicher Arbeit
jich üben. Bezüglich des Umganges darf der Lehrer den Umgang mit Fachgenoſſen nicht
für allein bildend halten. Auch hier iſt Vielſeitigkeit vonnöthen. Wenn der Umgang mit
Berufsgenoſſen auch von ganz directem Nußen für die berufliche Fortbildung ſein kann, ſo
muß doch auch zugegeben werden, daß gerade der Lehrer , der ja ſo vielſeitig ſein muß,
auch aus anderem Umgange lernen könne und daß ſolcher Verkehr, inſofern er Welt- und
Menj erziehung zum Zwecte hat.
Foribildungsſchulen. Forbildungsſchulen nennt man diejenige Art von Schulen, welche
von bereit3 aus der Bolksjchule entlaſſenen Schülern, die zum Zwecke weiterer Ausbildung
feine höhere Bildungsanſtalt benußen können, beſucht werden und den Zweck haben, die in der
Elementarſchule erworbenen Kenntniſſe und Fertigkeiten zu erhalten und zu vervollſtändigen,
ſowie den Schüler zur Anwendung derſelben im praktiſchen Leben geſchi>t zu machen. Von
der Nothwendigkeit ſolcher Fortbildungsſchulen wird man bald überzeugt ſein, wenn man
bedenkt, wie wenig die Bolksſchule den immer wachſenden Bildung3anſprüchen der Gegen-
wart gerecht werden kann, und wie das oft mühſam Erlernte in wenigen Jahren zum
größeren Theile wieder verloren geht. Dieſen Uebelſtänden vermag die Volksſchule aud)
bei noch jo trefſlicher Organiſation nicht ganz abzuhelfen, da ſie ihre Schüler gewöhnlich in
einem Alter entlaſſen muß, in welchem ſie für manche von der Zeit lebhaf) geforderten
Unterrichtsgegenſtände kaum reif genug ſind und in welchem der ſittliche Charakter noch
keine8wegs jo gefeſtigt iſt, daß er den ſo mannigfachen Verſuchungen ausreichenden Wider=-
ſtand entgegenſehen könnte. Daß dieſe Nothwendigkeit auch immer allgemeiner anerkannt
wird , geht aus den überall ſich zeigenden Beſtrebungen hervor , dergleichen Anſtalten in's
Leben zu ruſen, jowie aus den Verſuchen der Geſeßgebung , ſie obligatoriſch einzuführen.
Die Gegner derſelben mindern ſich fortwährend, und während man früher aus verſchiedenen
Gründen, hinter denen ſich aber meiſt die Furcht vor größerer Bildung der unteren Volks-

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