40 - Aufrüken . Äufſäße |
Vertrauen belohne, Nächſtdem vermeide der Erzieher alle despotiſchen Erziehungsmaßregeln,
die den Zögling zu keiner rechten Annäherung und Vertraulichkeit kommen laſſen, erleichtere
durch liebevolle Behandlung die Offenheit, führe nicht in Verſuchung, umſtrie nicht durch
künſtliche und verfängliche JInquiſitionsfragen, geſtatte keinerlei dichteriſche Ausſchmückungen
bei Erzählung erlebter Ereigniſſe, ſtelle ſich nicht unwiſſend , wenn er ein Geſtändniß ex-
langen will, quäle aber auch nicht mit jol daß das Herz dabei viel zu leiden hat, wenn dieſelben für ihn nicht von der allergrößten
Wichtigkeit ſind. Nur die zarteſte Behandlung und weiſeſte Vorſicht wirkt fördernd auf
die Tugend der Aufrichtigkeit. Mit der wirklichen, edlen Aufrichtigkeit darf jedoch diejenige -
nicht verwechſelt werden, welche nur eine ſcheinbare iſt und darin beſteht, daß die Kinder
Alles wiederſagen und zutragen , was ſie ſehen und hören. Dieſe Offenheit iſt entweder
Geſchwäßigkeit und Waſchhaftigkeit, ein Zeichen ſeichter Köpfe oder eitler Selbſtverliebtheit
poder ſie dient dem fleinlichſten Egoi8mus und ſoll ein Mittel ſein, um bei Anderen wohl=
feilen Kaufs beliebt zu werden. In beiden Fällen erſcheint ſie als nichts Löbliches. Sehr
verwerflich wird ſie aber, wenn ſie in Klatſchhaftigkeit und Angeberei übergeht, da fie ſich
im dieſem Falle noc obendrein mit Liebloſigkeit und Schadenfreude verbindet, So ſehr
Lehrer und Erzieher verlangen müſſen, daß Unrecht, durch welches Andere gedrückt und be=
jchädig! werden, am rechten Orte und auf rechte Weiſe zur Anzeige gelangt, damit Ver-
heimlichung oder Seibſthülfe nicht zur Herrſchaft kommen, ſo wenig dürfen ſie der gemeinen
Klatſherei Raum geſtatten. Zur rechten Unterſcheidung des Erlaubten vom Verwerflichen
und zur Veranſchaulichung der richtigen Handlungsweiſe vor den Augen der Zöglinge gehört
freilich große Weisheit und feiner Tact (vergl. Niemeyer, „Grundſäße der Erziehung“).
Aufrüren, |]. Verſeßung. Dm
Aufſaße, Der deutſche Aufſaß iſt mit Recht ein Prüfſtein deſſen, was in einex
Schule geleiſtet wird, genannt worden, er iſt ein Maß für die geiſtige Selbſtändigkeit, die
der Schüler erreicht hat. Wenn man ihn aber zugleich ein Kreuz de8 Volksſchullehrers
genannt hat, jo kann das feinen Grund nur haben: entweder in der Bequemlichkeit , die
vor der allerdings läſtigen Correctur (ſ. d.) ſich ſcheut oder in dem verkehrten Wege, ven
man zur Erlangung der Gewandtheit im ſchriftlichen Gedankenausdrucke eingeſchlagen hal.
Die Vorbedingung dieſer Gewandtheit iſt die Gewandtheit im mündlichen Ausdrucke und
der Weg zu beiden einzig und allein fleißige Uebung. Drei Stufen jind bei diejer Uebung
zu unterſcheiden, doch treten ſie durchaus nach den Schuljahren getrennt nach einander auf.
Zunächſt diejenige, wo die vorgelegten Muſter nicht nur dem Stoffe, ſondern auch der Form
nah von den Schülern treu wiederholt werden, die zweite, wo nur der Stoff treu wieder-
holt, die Form aber von den Schülern ſelbſt gefunden wird, endlich die, wo Stoff und
Form von den Schülern gefunden werden. Die wichtigſte, bis jeht aber am Meiſten ver=
nachläjſſigte Uebung iſt die erſte, die nach Stoff und Form vollſiändig treue Wiedergabe
eines vorgelegten Muſters. Man kann richtig gewählte Ausdrücke , richtig gebaute Säue
nicht eher von den Schülern verlängen , als bis ſie in den Beſiß derſelben gelangt ſind,
ebenjo wenig wie man eine ſchön geſchriebene Arbeit verlangen kann, bevor ſchöne Formen
der einzelnen Buchſtaben und die Art ihrer Verbindung von den Schülern eingeübt ſind.
Natürlich müſſen zum Auswendiglernen und ſpäteren Aufſchreiben aus dem Gedächtniſſe
vorzugsweije proſaiſc jalten, deren der Schüler der Volksſchule für ſeine ſchriftlichen Darſtellungen bedarf. Iſt
der Schüler nach und nach in den Beſiß einer ziemlichen Anzahl von Ausdruck3weiſen ge-
langt, jo fann man auch von ihm verlangen, daß er eine leichte Beſchreibung oder Crzäh-
lung nachbilde , ohne fich vorher eine beſtimmte Form derſelben gedächtnißmäßig zu eigen
gemacht zu haben ; immer vorausgeſeßt, daß der ſchriftlichen Darſtellung die mündliche unter
Auſſicht und Correctur des Lehrers vorangeht. Das Answendiglernen proſaijher Stücke
wird aber bis auf die oberſte Stufe des Unterrichtes ſortgeſeßt werden müſſen, damit wie
vorher die findliche und volksthümliche Ausdrucksweiſe, einfache Säße u. j. w. jo auch ſpäter
gewähltere Ausdrücke und ſchwierigere Sakconſtructionen in die Gewalt der Schüler gebracht .
werdeit. Nur wird man ſich dabei vor dem Zuweitgehen hüten müſſen ; die einfacheren
Ausdrucksweijen, die kürzeren Säße werden immer der Volksſchule am Entſprechendſten bleiben,

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