16 .. Rangordnung a
im Anſchauumgsunterrichte der Unterſtufe eine paſſende Stelle finden können, die Kunſträth-
ſel, inöbeſondere die von Schiller und Hebel. Schriftliche und ausführliche Löſungen (Er=
Härungen) ſolcher Räthſel könnten ſehr angemeſſene Aufgaben für den hänslichen Fleiß
bilden. Ein Muſterſtük einer ſolchen Erklärung [. bei Kahle, Claudius und Hebel (Berlin
1864) S. 202 f. Eine „Geſchichte des Räthſel3" (Dre8den 1860) ſchrieb Friedrich.
Empfehlen8werthe Räthſelſammlungen für Kinder ſind: Scherer, „Näthſelbüchlein“, Stuttgart
1862); Brüſſow und Schäfer, „Räthſelſchaß", Berlin 1863 ; Ens3iin, „Großes Räthſelbuch
für die reifere Jugend“, Stuttgart 1872. Bgl. auch das unter „Charade“ Geſagte.
Rangorduung. Unter Rangordnung verſtehen wir die Beſtimmung der Reihenfolge
der Schüſer in der Weiſe, daß mit derſelben eine Werthſchäßung für den Schüler ver-
bunden iſt. Sie gehört zu den Erziehung3mitteln, welche auf Anregung des Ehrtriebes
baſiren und daher mit Vorſicht anzuwenden ſind, damit die Chrliebe nicht in Ehrgeiz aus-
arte oder auch das Ehrgefühl geſchwächt oder gar erſtit werde. Es kann dieſelbe ihren
Ansdrucf finden in den Pläßen der Schüler, ſo daß entweder Siße und Bänke der Reihe
nach gezählt werden oder die erſten Siße der Bänke al8 Ehrenpläße gelten, denen dann
erſt die übrigen nachſolgen, wobei dann entweder die dem Lehrer nächſtſtehende, oder auch
die vom Katheder entfernteſte Bank als exſte angeſehen wird ; oder ſie kann auch durc
bejondere, im Schulzimmer ausgehängte Tafeln, auf denen die Schüler nach dem Range
verzeichnet ſtehen, beſtimmt werden ; endlich findet man ſie auch nur in den bei den öffent-
lichen Prüfungen ausliegenden Cenſurtabellen angegeben. Dieſe leßztere Art der Nangordnung
iſt zwar offenbar die unſchädlichſte , aber auch in erziehlicher Hinſicht am Wenigſten wirk=
jame. Die zweite ſeht wiederum ein ſchon ziemlich ausgebildete8 Ehrgefühl voraus, was
bei den Kindern der gewöhnlichen Volk3ſchule ſelten gefunden wird und gehört ſonach mehr
in eine höhere Schule oder eine Anſtalt für Erziehung der Kinder aus gebildeten Ständen.
Gegen die erſte, in der Volksſchule wohl die allgemeinſte, läßt ſich freilich auch einwenden,
daß es zwechmäßiger ſei, die Schüler nach ihrer Größe zu ſehen (vorausgeſeßt, daß die
Bänke demgemäß verſchieden eingerichtet ſind) und daß die Rückſicht auf kurzſichtige und
j am Meiſten vor Augen ſtehende und de8halb auch wirkſamſte. Will man aber die Ge-
fahren vermeiden, die mit der Anwendung dieſes Erziehung3mittel8 verbunden ſind, ſo muß
man vor allen Dingen ſtrenge Gerechtigkeit walten laſſen ; ferner muß man bei der Be-
urtheilung der Schüler nach einem Grundſaße verfahren, der jedem Schüler ermöglicht,
emen beſjeren Rang zu erlangen. Wollte man 3. B. die Schüler nur nach ihren Leiſtungen
rangiren laſſen, jo würde die größere Hälfte, die Mittelbefähigten, von vorn herein zur
Zurücjehung verurtheilt ſein. Ju erſter Linie müſſen die Eigenſchaften ſtehen , die dem
Individuum einen moraliſchen Werth verleihen, Fleiß und gute8 Betragen. Welche von
dieſen beiden im beſonderen Falle der anderen voranzuſtellen ſei, das iſt hauptſächlich von
der Zudividualität des Schüler3 abhängig ; bei dem ruhigen, von Haus aus wohlerzogenen
wird man mehr Gewicht auf Fleiß, bei dem mit lebhafterem Temperament begabten auf
„gute3 Betragen legen. Erſt nach dieſen beiden Eigenſchaften tritt die Leiſtung als mitbe-
ſtimmender Factor de8 Nanges auf, und es liegt auch darin ein erzieheriſcher Gedanke,
daß das Kind gewöhnt werde, den mit tüchtigeren Kräften begabten auch etwas mehr gelten
zu laſſen, als den Minderfähigen. Die Gerechtigkeit des Lehrers muß ſich aber auch offen-
baren durch Rückſichten , die in beſonderen Fällen auf den Einzelnen zu nehmen ſind;
denn jowie im Leben, kann auch in der Erziehung die ſtrengſte Gerechtigkeit zur Unge-
rechtigfeit werden. Bei jedem Kinde giebt es Perioden, in denen, ſei e8 in Folge raſcher
körperlicher Entwidelung oder unerkannter körperlicher Leiden, die geiſtige Kraft abgeſpannt
iſt, Leiſtungen und Fleiß, wenigſtens ſcheinbar, geringer werden. Wollte man ein ſolches
Kind durch Zurückſehung ſtrafen, jo würde man leicht einen großen Erziehungsfehler machen.
Die Rangordnung kann, ſo oſt nöthig, geändert werden. Am Beſten geſchieht dies beim
Vertheilen der Cenſuren, mag dieſelbe nun wöchentlich , monatlich , oder auch nur halb-
vder ganzjährig erfolgen und gilt hier, wie bei jenem der Saß, daß eine zu öftere Wie-
derholung den Werth derjelben abſchwächt, eine zu ſeltene aber für eine lange Zeitdauer
ihre Wirkjamkeit ganz auſhebt. Cine Veränderung der beſtimmten Reihenfolge außer dieſen

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