| - Ratim " - Reglyymnofium: 17-
- Zeiten, nämlich eine Zurückſezung, welche für manche Schüler zu den empfindlichſten Strafen
gehört, muß nur in ganz beſonderen Fällen angewendet werden. In kleineren Sculclaſſen
empfiehlt ſich wohl auch die von manchen Pädagogen geübte Art der Verſezung, welche ſich
nach den Leiſtungen der Schüler in jedem einzelnen Unterricht8fache richtet, ſo daß die
Rangordnung bei jeder Stunde wechſeln kann: in größeren Claſſen iſt ſie jedoch wegen
der damit verbundenen unvermeidlichen Störung nicht gut anwendbar. |
Nati , Wolfgang , ein pädagogiſcher „Reformator“ zu Anfange des 17. Jahrhun-
dert3 , wurde 1571 zu Wilſter in Holſtein geboren, ſtudirte zu Roſto>, ging dann nach
Sngland, wo er die Baco'ſchen Grundſäße näher kennen lernte, und beſchäftigte fich hierauf
zu Amſterdam mit Sprache und Mathematik, Sein Streben ging nach Entdeckung einer
neuen Methode des Unterrichtes, bejonder8 in Sprachen und hierin wurde er der Vorläufer
der neueſten ſprachlichen Methodiker, welche die Grammatik an und bei der Lectüre des
Schriſtſteller3 behandelt wiſſen wollen. Natich ſtellte aber auch für die anderen Wiſſen3-
gebiete und für die Erziehung im Allgemeinen theils von Baco entlehnte, theils neue Grund
jäße auf und nachdem er mit dem Prinzen von Oranien unterhandelt, legte er feine Pläne
den zur Kaiſerwahl in Frankfurt verſammelten Fürſten vor. Mehrere intereſſirten ſich
lebhaft dafür, wie Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm von Neuburg, Landgraf Ludwig von Darm-
ſtadt u. A, Auf Betrieb des Leßteren gaben Profeſſoren von Göttingen und auf Anregung
der Dorothea Maria von Weimar der von Jena Gutachten über Natich's Principien ab,
und zwar günſtig lautende. Jn der praktiſchen Durchführung aber fehlte e8 Natich an
Ausdaner, zudem hinderte ſein Eigenſinn und ſeine Herrſchſucht ein gedeihliches Zuſammens=
wirken mit ſeinen Lehrkräfſten- So ſcheiterten feine Reformverſuche zu Angsburg,
wohin man ihn berufen, ſowie zu Weimar. Troßdem war er durch ſein Auftreten gegen
veraliete Methoden ſo vortheichaft bekannt geworden , daß ihn Fürſt Ludwig von Anhalt-
Köthen 1618 nach Köthen zur Gründung einer Muſterſchule berief. Dieſe erfuhr alle
denfbare Unterſtüßung , eine eigene Druckerei wurde zur Anfertigung der Lehrbücher ge-
gründet, der Fürſt ſelbſt bearbeitete mit Ratich's Hülfe Schulreglement8 und in den vom
Fürſien neuerrichteten Schulhäuſern wurden eine Zeitlang 231 Knaben und 202 Mädchen
unterwieſen. Doch ſchon 1619 gerieth die Anſtalt, zumeiſt durch Ratich's Schuld, ſo
arg in Verfall, daß der Reformator ſeines Amtes entſeßt und gefänglich eingezogen wurde.
Nach acht Monaten wurde er zwar freigelaſſen, aber nur gegen Unterſchrift eines NReverjes,
in welchem er bekannte, daß er „ein mehrer38 gelobet und verſprochen, als er verſtanden
und in's Werk richten können, und nicht allein den Fürſten mit vergeblichen Worten auf=
gehalten und in große Unkoſten geführet, ſondern auch gegen ihn ſich undankbar erzeiget
und von ihm und anderen Kürfürſten und Obrigkeiten ſchimpflich und ſchmählich geredet
und geſchrieben u. f. w.“ Hierauf ging Natich nach Magdeburg, wo er zum Schulrector
* ernannt werden ſollte, aber ſeine Streitigkeiten brachten das Project zum Falle. Endlich
ſand Ratich ein Aſyl bei der Gräfin Anna Sophie von Rudolſtadt, die ihn dem ſchwe-
diſchen Reich8kanzler Oxenſtierna empfahl. Mitten in ſeiner Hoffnung auf einen neuen,
größeren Wirkungskreis lähmte ihm 1633 ein Schlag Zunge und rechte Hand, bis ihn
1635 der Tod zu Erfurt überraſchte. Weiteres über dieſen merkwürdigen Mann, dem
die Pädagogif ohne Zweifel viel Anregung verdankt, |. Pädagogik, Geſ Das Rauhe Haus bei Hamburg, ſ. Rettungs3häuſer.
Realgymnaſium. Hat das Gymnaſium zum Zwecke, ſeinen Zöglingen eine allgemeine,
humaniſtiſche Bildung an und für ſich oder al8 Vorbereitung für Univerſitätsſtudien mit
den Hülfsmitteln der altclaſſiſchen Sprachen und Literaturen zu geben, ſo verſolgt das
Realgymnaſium denſelben Zweck, aber theilweiſe mit anderen Mitteln, injofern es von den
Bildungä3mitteln des eigentlichen Gymnaſiums zwar die lateiniſche Sprache und Literatur
beibehält, aber die griechiſche aufgiebt und dafür mit Hülfe der modernen Sprachen , der
franzöſiſchen Und engliſchen, der breiter und tiefer al8 auf den Gymnaſien behandelten
Mathematik und dex Naturwiſienſchajten ſeinen Zöglingen eine allgemeine humaniſtiſche
Bildung zu geben trachtet. Dſt iſt Realagymnaſinm der Realſchule ganz gleich geachtet,
obwohl leßtere noch nicht allgemein als Vorbereitung für die Univerſität angeſehen wird ;
oft wird auch das Realgymnaſium als eine Bildungsanſtalt zwiſchen Gymnaſium und

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