/ Böniiſche Erziehung - | EIE -Rouſſeou- Bs " :
jucht gleichkommen. Die Pädagogik kann nicht entſchieden genug Verwahrung einlegen "
- gegen jene Jugendnovellen, die nur der Unterhaltung dienen und nur allzu oft den ſchlechten
Geſhmac> des Publikums vorbereiten helfen. Hiervon ſind ſelbſt diejenigen Jugendnovellen
nicht aus8zunehmen, die berühmte Jugendſchriftſteller zu Verfaſſern haben, wie die von Fer-
dinand Schmidt, Franz Hofmann, Guſtav Nierik, Thekla v. Gumpert u. A. Auch die
jogenannten hiſtoriſchen Erzählungen jind oft nichts Anderes, al3- rein erfundene Romane,
in denen dex hiſtoriſche Hintergrund, den man Übrigens oft kaum bemerkt, für die Erzählung
völlig gleichgiltig iſt, in denen oft nicht einmal Local- und Zeitfarbe getroffen ſind. (S. Jus
gendj Römiſche Erziehung. Dieſe iſt in ihrer Wandelung je nach Blüthe und Verfall des
Römerthums bereits in „Pädagogik, „Geſchichte“ wiegend die Zeit in's Auge gefaßt werden, in welcher die Erziehung der jungen Römer
von ächt= und altrömiſchen Geiſte geleitet war. Dieſe Erziehung wurzelte innig auf dem
Boden der Familie. Die Frau ſtand ihrer Tugend wegen in hohem Anſehen , ſie gab
dem Kinde die leibliche und erſte geiſtige Nahrung und die mütterliche Sorgfalt, mit der “
Da38 geſchah, in ſpäterer Zeit bei einer Cornelia, einer Aurelia, der Mutter Cäſar'8, einer
Atia, der Mutter des Auguſtus als Aus8nahme geprieſen, war im Alterthume Roms Ge-
meingut aller Frauen. Der Vater war der erſte und lange Zeit aud) einzige Lehrer des
Kindes, er unterwie8 es in Landbau, Waſfendienſt und ſpäter auch im Leſen und Schreiben,
jowie in der Kenntniß de8 Zwölftafelgeſezes. Der Knabe begleitete den Vater auf das Feld,
zu Gaſtmählern und nach dem Forum, und ſo bildeten ſich im ſteten Anſchauen römiſchen
Bürgerfleißes und römiſcher Bürgertugend überhaupt die Geſinnungen der Beſonnenheit,
Beſcheidenheit , Ginfachheit , Rechtlichkeit , Gewiſſenhaſtigkeit, Tapferkeit, Bi8 zum ſec zehnten Lebens8jahre trug der Knabe die toga praetexta, die mit Purpurſtreiſen beſeßte
Toga der Magiſtrat8perſonen, gleichſam zur Aufmunterung, ſich dieſes Ranges einſt würdig
„zu machen. Dann wurde ihm unter Feierlichkeiten (Opfer , Zug nach dem Forum) die
weiße toga virilis angelegt; hiermit trat der junge Römer nach Beſtehung eines Probe-
jahres in das öffentliche Leben ein, ohne daß der Unterricht bei ſeinen Lehrern auſgehört
hätte. Der mit der toga virilis Bekleidete hatte nun hauptſächlich ſich im Umgange mit
erfahrenen Männern zu bilden, er verkehrte viel auf dem Forum und ſchloß ſich an be-
fannte Rechtskundige an, aus deren Geſprächen er zu lernen hoffen konnte. Der ſrühere
Elementarunterricht, der nur in Leſen und Schreiben beſtand, erweiterte ſich allmählich in .
beſonderen Schulen zum Erklären der älteren heimiſchen Schriftſteller und Dichterwerke
und zur Anleitung zu rhetoriſchen Uebungen. Die Gymnaſtik wurde nur ſoweit betrieben,
al8 fie unmittelbar praktiſch anwendbar erſchien (Schwimmen, Tanz u. [. w. An den gym- |
naſtiſchen Uebungen nahmen die Mädchen nicht Theil, während ſie den ſonſtigen Unter-
richt, joweit er für ſie von Werth ſein konnte, ebenfalls genoſſen , ohne daß dabei die
mütterliche Anleitung zur Pflege aller hänslichen Tugenden und Thätigkeiten in den Hinter-
grund getreten wäre. Mit jedem Schritte aber, den Rom in ſeinem Streben nac macht vorwärt3 that, entfernte ſich die römiſche Erziehung von ihrem urſprünglichen Cha-
rakter. (S. Pädagogik, Geſhi Rouſjenu, Jean Jacque3. Seine Bedeutung für die Pädagogik, beſonders durch ſein
Hauptwerk, den „Emil“, iſt bereit8 in „Bädagogik, Geſchichte“ hervorgehoben worden ;
hier möge nur die kurze Biographie Rouſſeau's folgen : Er wurde am 28. Juni 1712 zu
Genf geboren. Seine Mutter ſtarb bei dieſer Geburt und ſein Vater, ein Uhrmacher,
gab dem Knaben eine nur mangelhafte Erziehung; a Landpfarrer übergeben. Als ex der Schulzeit entwachſen war, begann ein wechſelvolles
Leben für ihn. Zuerſt wurde er Schreiber, dann Kupferſtecherlehrling, ohne irgendwo aus
zuhalten. Er flüchtete ſich zu einem katholiſchen Geiſtlichen, der ihn an Madame v, Wa--
rens empfahl, welche ihn in ein turjner Kloſter ſchi>te, wo er, 16 Jahre alt, zum Katho=-
lici8ömu3s übertrat. Dann wurde er Diener bei einer alten Dame, die er beſtahl. Einem
Grafen v. Gauron, der ihm eine höhere Ausbildung geben laſſen wollte, lohnte ex mit
Undanf. Er ging zurück zu Frau v. Waren3, die vergebliche Verſuche machte , ihn zum
Geiſtlichen zu erziehen. Rouſſeau betrieb Muſik, wurde Muſiklehrer, dann Erzieher (!) eines

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