ON
152 Shreken Zn Schreibuntetriht
zu bezeichnen. Ueber Bedeutung , Erwe>kung und Ausbildung des Sc Aeſthetiſ Screen. Unter Schre>en verſteht man eine heftige Erſchütterung des ſeeliſchen Gleich-
gewichtes, welche durch plößliche Wahrnehmung eines unerwarteten, gefahrdrohenden Ereig-
niſſes hervorgebracht wird und vom Geiſte ausgehend noch eine Zeit lang körperlich lähmend
einwirtt. Mit dieſer Erſchütterung verbindet ſich meiſtentheil8 eine Unſicherheit in der Aus=
übung der Denk= und Urtkheilsthätigkeit und eine daraus hervorgehende Rathloſigkeit, welche
in gewiſſen Fällen die traurigſten Folgen haben kann. Es iſt daher Pflicht des Erziehers,
ſeine Zöglinge ſo viel als in ſeinen Kräften ſteht, vor Schre> zu bewahren, am Wenigſten
jelbſt derartige Kataſtrophen herbeizuführen und auch nicht zu dulden, daß ſich ſeine Schüler,
wozu beſonders muthwillige Knaben viel Neigung verſpüren, gegenſeitig erſchrefen. Gar
zu leicht bildet jich durc eine entgegengeſeßte verkehrte Behandlung der Jugend die Schretk-
haftigkeit, jene auffallende Geneigtheit zum Erſchrecken aus , welche gewiſſe Menſchen bei
einjamen Wanderungen, beſonder8 aber de8 Nachts beläſtigt. Auch die Abſchre>ungstheorie
in der Erziehung, d. 1, die Art, durch Verbreitung von Screen vor gewiſſen fehlerhaften
Neigungen und Handlungen zu bewahren, iſt von ſehr zweifelhaftem Werthe und jedenfalls
nur jehr vorſichtig anzuwenden.
- Shreiblehrer. Außer der Lehrfähigkeit, dem Lehrgeſchi> und der Luſt und Liebe zur
Sache, die der Lehrer bei jedem Unterrichte und darum auch beim Screibunterrichte braucht,
ſtellt derſelbe doc jelbe im Beſiße einer guten, womöglich ſchönen Handſchrift ſein, um mit Leichtigkeit und
Kunſtfertigkeit ein Muſterbild von den zu ſchreibenden Buchſtaben und Wörtern vox den
Augen der Schüler entſtehen zu laſſen und dieſe dadurch im hohen Grade zur Nach-
ahmung zu reizen. Cin Schreibkünſtler oder Kalligraph im engeren Sinne de8 Wortes
muß der Schreiblehrer nicht gerade ſein, wenn e8 auch wünſchens8werth iſt. Jedoch eine
gute Handj ein fortwährendes Vorſchreiben des Lehrer3 fordern und ſich mehr und mehr gegen Vor-
legeblätter ausſprechen. In etwas kann der Mangel einer ſchönen Handſchrift erſeßt werden
dur; das Studium und die Kenntniß der Schrift, welche befähigen , jeden Fehler und
Mangel, jowie jede Feinheit und jeden Vorzug einer Schrift zu erkennen und zu würdigen.
= Ferner muß ein Schreiblehrer ein umſichtiges Auge und einen ſchnellen Peberbli> haben.
Seine jämmtlichen Schüler muß er mit einem Schlage überſehen ; ſelbſt die geringſte Kleinig-
keit darf ihm nicht entgehen. „Seine Hand darf nicht ruhen, ſein Auge darf nicht ab-
gewendet jein. Er ſehe beſtändig nach, rege an, ſuche Fehler zu verhüten, mache auf Schwierig-
keiten aufmerkjam und verbeſſere mit Sorgfalt.“ =- Zu dieſen zwei Eigenſchaften muß
aber no< eine dritte kommen: Eine eiſerne Conſequenz, die ſich kund giebt in unermüd=-
licher Ausdauer und Beharrlichkeit, die nicht eher ruht, bis alle Hinderniſſe beſeitigt und
alle Schwierigkeiten überwunden ſind, und in einer Genauigkeit und Gewiſſenhaſtigkeit,
welcher jelbſt die unbedeutendſte Kleinigkeit nicht zu gering erſcheint, ſo bald ſie zur
Crreichung einer ſchönen Schrift mit nothwendig oder förderlich iſt. Es iſt ein Irrthum,
wenn man glaubt, der Schreiblehrer habe eine leichte und bequeme Arbeit. Freilich nach
der alten, rein mechaniſchen Methode, bei welcher der Lehrer nicht Lehrer , ſondern nur
Arbeitsaustheiler war, während der Schreibſtunde wie angenagelt auf ſeinem Katheder ſaß
und Nichts weiter that, als Vorſchriften austheilen, war das der Fall, nicht aber bei der
modernen Methode mit ihren vielfachen Anforderungen.
Screibleſemethode, ſ. Leſeunterricht.
Schreibunterricht. 1) Werth der Sc Schreibkunſt weiſen ſchon das hohe Alter wie ihre Verallgemeinerung im Laufe der Zeit
hin. Die Wichtigkeit und Nothwendigkeit des Schreibenkönnens macht ſich heutzutage in
allen Lebenöverhältniſſen geltend und wird von Niemandem mehr unterſchäßt. Wer dieſe Fer-
tigkeit nicht beſit, dem fehlt nicht nur ein wichtiger Bildung8factor, ſondern auch ein Mittel
zu ſeinem beſſeren Fortkommen. Schon aus dieſem Grunde nimmt der Schreibunterricht mit
die erſte Stelle in dem Lehrplane der Volksſchule ein. Doch der Werth dieſes Unterrichtes
wird no< dadur< erhöht, daß er, ſo man ihn rationell betreibt, auch im hohen Grade

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.