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muß auf mehrere Punkte Rückſicht genommen werden. Zuerſt iſt der Raum in Betracht
zu ziehen, den das Schulzimmer bietet; e8 dürfen in demſelben nicht mehr Kinder unter-
gebracht werden, al8 Geſundheitsrücſichten geſtatten. Zweiten8 kommt e8 auf die Natur
des Lehrgegenſtandes an, ob bei Behandlung desſelben mehr oder weniger Schüler mit
Nußen ſelbſtthätig ſein können, eine Rückſicht, die jedoch bei den feſtſtehenden Einrichtungen
der öffentlichen Schule nur ſelten von Einfluß ſein kann. Drittens kommt es auch ſehr
auf das Alter der Schüler an. Bei jüngeren Kindern (Elementarſchülern) iſt eine will-
fürliche Aufmerkſamkeit beim Unterrichte noch nicht zu erwarten , vielmehr muß der Lehrer
die nnwillfürliche zu erregen und feſtzuhalten wiſſen ; gleichzeitig muß ex ſich aber auch des
Einzelnen jo viel als möglich annehmen, ſo daß ſeine Kraft ſtets nach zwei Seiten hin
angeſtrengt iſt. Aus dieſem Grunde dürften vierzig Schüler das Maximum einer guten
Clementarclaſſe ſein. Mit zunehmendem Alter können aber größere Anforderungen an die
Aufmerkjamkeit geſtellt werden; gleichzeitig fordert die wachſende Kraft der Schüler eine
energijchere Leitung, der Maſſenunterricht herrſcht vor, und man kann deshalb in einer
(Haſſe recht wohl bis fünfzig, ja wenn das Unterricht3ziel nicht hoch geſte>t iſt, wohl auch
bis jechzig Schüler vereinigen. Späterhin tritt, namentlich bei Mädc ZSahr, ein Zeitpunkt ein, wo das JIndividnelle vorherrſchend berückſichtigt ſein will; daher
darf die Schülerzahl in Mäd vorhergehenden Stufe, oder auch wie bei Hnaben, bei denen zwar eine ähnliche Periode,
aber weniger bemerkbar und in der Regel erſt nach der vollendeten Schulzeit, eintritt. Die
angegebenen Maximalzahlen ſind aber auf die volle Kraft eines Lehrers gerechnet ; für eine
weibliche Lehrkraft ſind ſie unbedingt zu hoch. =- Nach den ſchulgeſeblichen Beſtimmungen
iſt jedoch die Schülerzahl für die einzelnen Claſſen durchgängig, ja mitunter beträchtlich
höher angenommen, was wohl daher rühren mag, daß man in früheren Zeiten, denen
dieje Zahlen ihren Urſprung verdanken , weit geringere Anſprüche an die Qualität des
Unterrichtes und daher auch an die Kraft des Lehrer8 machte, theils auch die Errichtung
von Schulen durch Beſchränkung der Schülerzahl nicht erſchweren wollte. Die neuere Schul-
geſehgebung iſt zwar in der Zahl etwas herabgegangen, doh bleibt no übrig; namentlich iſt der Umſtand zu beklagen, daß den beſtehenden Verhältniſſen zu große
GConceſſionen gemacht werden und daß ſelbſt als unabweislich anerkannte Forderungen durch
Ausdrücke wie „thunlichſt“, „wenn irgend möglich“ und ähnliche oft gerade für entſcheidende
Fülle beſeitigt werden können. Die günſtigſten Normal = (nicht Minimal -) Zahlen finden
jich in Sachſen und Gotha (ſechzig), demnächſt in Baden und Anhalt (ſiebzig) ; in Sachſen-
Weimar für Oberclaſſen (ſechzig), für Unterclaſſen dagegen achtzig u. ſ. w. In Preußen
iſt der Gebrauch in den einzelnen Provinzen ziemlich verſchieden.
Schularten. Obgleich in der Gegenwart viele Stimmen laut geworden ſind, die eine
allgemeine Volksſhule, eine Allen gleiche Bildung gebende Anſtalt als der Zeit entſprechend
jordern , jo iſt doch noch nirgends ein praktiſcher Verſuch damit gemacht worden und es
bleibt auch jehr zweifelhaft, ob ein ſolcher günſtige Reſultate erzielen würde. Die in den
einzelnen Judividuen ſehr verſchiedenartig angelegte menſchliche Natur und ebenſo ſehr die
verſchiedenſten Forderungen des praktiſchen Leben8 bedingen eine Mannigfaltigkeit von
Bildungswegen und wir würden jedenfalls auch dann noh verſchiedene Arten von Schulen
haben müſſen, wenn der Beſuch aller Bildungsanſtalten von den äußeren Lebensverhält-
niſjen, Bermögensumſtänden u. ſ. w. ganz unabhängig wäre. Das Bedürfniß hat nun
die verſchiedenartigſten Schulen hervorgerufen , welche in ſcharf begrenzte Abtheilungen zu
bringen kaum möglich ſein dürfte. Gleichwohl wäre eine genaue Abgrenzung der einzelnen
Arten höchſt wünſchen8werth , da jede Schule ein feſtes , klar erfannte8 Ziel vor Augen
haben muß, wenn ſie leiſten will, wa8 man von ihr fordert. Sieht man bei der Einthei-
lung mehr auf äußere Gründe, ſo zeigen ſich freilich keine beſonderen Schwierigkeiten ; man
unterſcheidet dann nach dem Orte Land- und Stadtſchulen, nach der Gründung öffentliche
und Privatſchulen, nach den ſie beſuchenden Kindern Knaben =, Mädchen = und gemiſchte
Schulen. Auch nach ihrem religiöſen Charakter laſſen ſie ſich leicht als confeſſionelle, con-
jejjionsſoje, ſimultane und religion8loſe Schulen unterſcheiden. Nimmt man aber ihr Bildungs-
ziel und die darauf ſich gründende innere Einrichtung als Eintheilung8grund, ſo erhält man

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