178 Squllehrerbibel 7 ZSchulpredigten -
vermögen mehr als gedrute, in der Schulſtube aufgehängte Geſeße, ganz abgeſehen davon,
daß die leßteren ja do< gar nichts nüßen würden ohne einen Lehrer, der ſie gewiſſenhaft
beobachtet und beobachten lehrt, .ohne einen Lehrer , der ſeine Hauptaufgaben nicht darin
findet, Uebertretungen des Geſeßes8 zu ſtrafen, ſondern ſie zu verhindern und zwar dies
leßtere niht durc< mechaniſche Mittel, ſondern dadurch, daß er den Schüler auf jenen ſitt=
lichen Standpunkt hebt, von dem aus ihm die Uebertretung des Geſehes8 zur Unmöglichkeit
wird. Lehrern, denen darum zu thun iſt, ein herrliches Bild eines Schmlebens kennen
zu lernen, muß vor Allem empfohlen werden, die „Biographie des berühmten Nugby-Rectors
Thomas Arnold" zu leſen, Heinh, Thomas Arnold und Storley, The life and corre-
Spondence of Thomas Arnold; am Anſchanlichſten iſt das Sculleben unter dieſem ge-
ſchildert in dem unvergleichlich herrlichen Buche „Tom Browns Schuljahre", von einem
alten Rugby-Jünger, nach dem Engliſchen des Th. Hughes bearbeitet von Dr. Ernſt Wagner,
Gotha, Rerthes.
Schullehrerbibel. Man verſteht darunter die für den Volksſchullehrer zum Gebrauch beim
Religions8unterrichte beſtimmten Bibeln mit erläuternden Anmerkungen. Die Literatur des 17.
und 18. Jahrhundert38 iſt in dieſer Beziehung verhältnißmäßig weit reichhaltiger als die des
19. Jahrhundert3. Von den älteren Erſcheinungen erwähnen wir: „Die Nürnberger Bibel",
1641; „Die Braunſchweiger Bibel", 1722; „Das N. T.", von Hedinger 1728; „Das
Pfaſfiſche Bibelwerk", 1730; „Bidlia parentheotica“, Leipzig 1743; „Die Hirſchberger
Bibel", 1765. Von den in dieſem Jahrhunderte erſchienenen Scullehrerbibeln ſind hervor-
zuheben: „Die Altonaer Bibel", 1815; „Dinter's Schullehrerbibel ", 1826--28; „Cvan-
geliſche Schullehrerbibel", von Brandt, 1829; „Da3 neue Teſtament“, von Dr. Lisco, 1840;
„Die Bibel oder die ganze heilige Schrift“, von Aug. Dächſel, Breslau 1865; „Handbuch der
Bibeſerklärung“ , Calwer Verlags3verein, Stuttgart 1856. Leider enthalten alle dieſe Bibel-
werke mehr oder weniger viel Entbehrliche3 und für den Lehrer Unbrauchbares. Je mehr
man in neuerer Zeit mit dem Religion8unterrichte auch das Bibelſtudium auf ein geringeres
Maß reducirt, deſto mehr ſollten auch die Schullehrerbibeln auf das Nothwendigſte =-- Notizen
über ſprachliche und antiquariſche Schwierigkeiten =- ſich beſchränken.
Schullehrerſeminar, ſ]. Volk3ſc Schuſordmungen. Unter ſolchen verſtand man ſeit dem 16. Jahrhunderte ebenſowohl
die von den Landesregirungen erlaſſenen geſehlichen Beſtimmungen für die geſammten Schul=
anſtalten de8 Landes, wie die für einzelne Schulen. Schulordnungen der erſteren Art ſind
z. B. die kurfächſiſche Schulordnung von 1528 (von Melanchthon verſaßt) und die ebenſo
berühmte württembergiſche Schulordnung von 13558 (enthaltend : Von Particular-Schulen,
Ordinatio de3 Pädagogii zu Stutgarten, Von Kloſter-Schulen, Von dem Stipendio zu
Tüwingen, Von Teutſchen Schulen), auf welchen beiden die Fortentwickelung de8 Volksſchul=
weſen8 bis zum 17. Jahrhunderte vorzugs8weiſe beruht hat. Von Bedeutung für die Ge-
ſc Titel: „Methodus oder Bericht, wie nächſt göttlicher Berleihung die Knaben und Mägpdlein
auf den Dorfſchaften und in den Städten die unterſte Claſſes der Schuljugend im Fürſten-
thume Gotha kurz und nüßlich unterrichtet werden können und ſollen“ erſchienene Sculord-
nung de8 Herzogs Ernſt des Frommen von Gotha. Schulordnungen für einzelne Schulen
ſind 3. B. „Die Goldberger Schulordnung“, von Val. Troßendorf (1546); die „Ordnung
der Nedarſchule“" zu Heidelberg (1582) u. a. Von den als Quellen für die Geſchichte der
Pädagogik ſo wichtigen Sculordnungen ſind: „Die Cvangeliſchen Schulordnungen" (jeit
dem 16. Jahrhundert), herau8gegeben von R. Vormbaum (Güters8loh, Bertel8mann). In
den Geſchichten der Pädagogik ſind ſie noch keine8wegs genügend verarbeitet, die das Volks=
ſchulweſen betreffenden am Beſten von Dr. H. Heppe in ſeiner „Geſchichte de8 deutſchen
Volks8jchulwejen8" (5 Bände. Gotha, Berthe3).
Schulpflihtigkeit, |. Schulzwang. |
Sculpredigten heißen die den Geiſtlichen in manchen Ländern (Preußen, Königr. Sachſen,
Württemberg) geſeßlich vorgeſchriebenen und an feſtbeſtimmten Sonntagen zu haltenden Predig-
ten über Kindererziehung. In Sachſen werden dieſe Predigten an zwei Sonntagen, Miſe-
ricordia3 Dom. und 18. Sonntag nach dem Trinitatisfeſte , gehalten. Das umfängliche

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