Shurtſſad u CH Squbeit 187
wirkſame Mittel dagegen angewendet werden. Leßtere8 iſt denn, ſo lange Schulordnungen
und Schulgeſeße gegeben worden ſind, auch ſtet8 in's Auge gefaßt worden, und. man hat
hierin pft ſehr genaue und ſpecielle Vorſchriften gegeben. Sie lauſen im Allgemeinen
darin zuſammen, daß der Lehrer angewieſen iſt, beſondere Verfäumnißtabellen anzuſertigen,
darin Jede einzelne Verſäumniß einzutragen und zu heſtimmten Zeiten einer Behörde , ſei
es dem Schulvorſtande oder dem Localſchulinjpector , Anzeige von allen unentſchuldigien
nder ungenügend entſchuldigten Verſäumniſſen zu machen, welcher dann die Sache weiter
zu unterſuchen, reſp. bei einer weiteren Behörde Beſtrafung der nachläſſigen Aeltern zu
beantragen hat. In der geſeßlichen Unterſcheidung zwiſchen ausreichenden und nicht aus-
reichenden Entſchuldigung8gründen giebt e8 zwar mancherlei, - gewöhnlich durch örtliche Ver-
hältniſſe bedingte Abweichungen der einzelnen Schulgeſeße von einander ; dagegen ſtimmen
alle principiell darin überein, daß der gegen Aeltern etwa zu verhängende Strafe (Geld=,
bei Wiederholungsfällen auch Gefängnißſtrafe) eine Ermahnung vorau3gehen ſolle, und daß
die Strafe nicht eine Strafe im richterlihen Sinne ſein dürfe, vielmehr ſtet3 nur den
Zwe haben müſſe, die Aeltern zur Ausübung ihrer Pflicht zu nöthigen, und daß nur in
Fällen großer Hartnäcigkeit und Widerſeßlichkeit eine Strafe im juriſtiſ bar ſei. Es iſ! dies eine Auffaſſung der Sache, die auch vom pädagogiſchen Standpunkte
aus vollkommen gebilligt werden muß. Nicht einverſtanden können wir uns aber mit der
Beſtimmung erklären, nach welcher eine gewiſſe Anzahl unentſchuldigter Verſäumniſſe völlig
ſtraſlos ſein ſoll. (So: im ſächſiſchen Sculgeſeße jährlich 36 Tage!) Freuen wir uns
aber auch der Unterſtüßung, die in dieſer wichtigen Sache das Geſeh dem Lehrer zu Theil
werden läßt, ſo müſſen wir doch ſagen, daß es um diejenige Schule ſchlimm ſteht, bei der
das Geſekß einen regelmäßigen Schulbeſuch erzwingen ſoll. Das Geſeß kann zur Verhütung
von Schulverſäumniſſen nur als äußerſter Nothbehelf angewendet werden, die wahre Ab-
hülfe fann nur von zwei anderen Seiten kommen. Zuerſt und vor allen Dingen vom
Lehrer. Dieſer muß durch Freundlichkeit und die Liebe, die er den Kindern entgegenbringt,
durc< Mäßigleit in ſeinen Anſprüchen an die kindlichen Leiſtungen , durch Unparteilichkeit
in der Behandlung ſeiner Schüler , durch Erregung ihre8 Lerneifer8 ſi und die Schule
den - Kindern lieb und werth zu machen wiſſen; durch ſeine Kenntniſſe und Geſchi>lichkeit,
durch Pünktlichkeit, Ernſt und Treue in ſeinem Beruſe muß er ihnen imponiren. Kommt
dazu noch von ſeiner Seite eine fortwährend genaue Controle der Verſäumniſſe, wird in
allen Fällen das Beibringen einer ſchriftlichen Entſchuldigung gefordert; ſo wird an ſeiner
Schule kein Hintergehen der Schule und keine ſogenannte Schulkrankheit vorkommen und
gewiß der größte Theil der nicht unbedingt nöthigen Verſäumniſſe wegfallen. Außer dem
Lehrer iſt =- beſonder8 auf dem Lande =- der Geiſtliche, wenn er ein Herz für Kinder
und Schule hat, derjenige, der durch perſönlichen Verkehr und vernünftige Vorſtellungen
bei den Aeltern no< Manches erreichen kann, die ſelbſt der guten Schule und dem guten
Lehrer abgeneigt ſind. Fehlen in einer Schulgemeinde dieſe zwei Grundbedingungen,ſo wird
ſtrenge Handhabung geſeßlicher Vorſchriften zwar die allzu große Zahl der Verſäumniſſe
eiwas mindern, nie aber einen völlig regelmäßigen Schulbeſuch bewirken können.
Schulvorſtand. Die unmittelbare Aufſicht8behörde über die Schulgemeinde eine38 Ortes,
die über deren Thätigkeit und Wirkſamkeit ſowohl wie über ihre äußeren Verhältniſſe, z. B.
in vermögenz3rechtlicher Beziehung zu wachen und ſie zu vertreten hat, heißt Schulvorſtand
und iſt meiſt aus Geiſtlichen und Weltlichen zuſammengeſeht, die einander beigeordnet ſind.
Bei Meinungs8abweichungen entſcheidet die Oberbehörde.
Schulzeit. Unter Schulzeit verſteht man gewöhnlich die Zeit von der Aufnahme eines
Kindes in die Schule bis zu deſſen Entlaſſung, alſo die Zeitdauer des Schulbeſuches ; bi8-
weilen verſteht man darunter aber auch die tägliche Unterricht3zeit. In den meiſten Schul-
gejeßgebungen iſt die Dauer der Schulzeit auf 8 Jahre feſtgeſeßt, nämlich vom vollendeten
jechſten bis zum vollendeten vierzehnten Lebens8jahre, welche Zeit aber nicht mehr wie früher
überall für durchaus genügend gehalten wird, um den Schülern die ſür das Leben wünſchens-
werthe und nöthige Schulbildung zu geben, we8halb man 3. B. in den neueſten Schul-
gejezentwürfen für das Königreich Sachſen und das Großherzogthum Weimar den Beſuch
der Fortbildungsſhule bis zum 16., beziehentlich 17. Leben3jahre obligatoriſch machen will.

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