190 Z keiten, ſondern die formale Bildung und die Uebung im Sprechen als Hauptzwe>- in's
Auge zu faſſen. Zu dieſem Behufe iſt Bedacht zu nehmen: 1) Auf Erweckung des Thätig-
feitötriebes =- dur Zimmer, auf der Treppe, durc< Aufſtehen und Niederſehen, Ballwerfen, Reifentreiben und
zahlreiche ähnliche turneriſche Uebungen und Spiele, an welche ſich ſpäter ſol gungen anſchließen, die den Thätigkeitstrieb energiſcher anregen; 2) auf Uebung der Sinne
-= durc< Vorzeigen glänzender, klingender, beweglicher Gegenſtände, die gleichzeitig durch
mehrere Sinne (durc Gewinnung von Vorſtellungen durch fortgeſeztes Anſchauen concreter Gegenſtände, welche
von denjenigen Kindern, die der Sprache noh ermangeln, wenigſtens zu zeigen, herbeizubrin=
gen, auf den verlangten Ort zu tragen ſind u. f. w.; 4) auf Verbindung der Vorſtellungen
zu Begriſſen dur<) Vergleichung der Dinge und Ausſcheidung der unweſentlichen Theile und
Merkmale; 5) auf Anleitung zum Abſtrahiren. Letzteres wird dadurch, daß beim Anſchauung3=
unterrichte anſtatt der concreten Gegenſtände, die das Kind nach Namen, Stoff, Theilen,
Farbe 2e. unterſcheiden gelernt hat, gute Abbildungen benußt werden, angebahnt. = So
lange es noch nicht Bilder zu unterſcheiden vermag, kann und darf ihm auch das Unterſcheiden
und Merken der Lautzeichen nicht zugemuthet werden. Der Unterricht im Leſen, Schreiben
und den übrigen DiSsciplinen der Elementarſchule kann in der Regel erſt nach Jahre langen
Vorübungen begonnen werden, und es iſt dabei ſort und ſort* auf möglichſte Anſchaulich=-
keit, Cinſachheit und auf langſames Weiterſchreiten zu halten. Ueberhaupt iſt der Kreis des
Wiſſen3 bei dieſen Kindern recht enge zu ziehen, das Unterricht8material aber tüchtig zu
verarbeiten und zum Eigenthume derſelben zu machen. Dagegen kann zu Uebungen in tech-
niſher Geſchiclichkeit , als Zeichnen, Schreiben, Strieken, Flechten, Hau8= und Gartenar-
beit u. |. w., wodurch die meiſt grenzenloſe Unbeholfenheit der Schwachſinnigen überwunden,
die Aufmerkſamkeit, Aus8dauer und Arbeitsluſt vermehrt und die Bildung zur Crwerbsſähig-
feit erſtrebt werden joll, nicht genug Gelegenheit geſchafft werden. =- Dieſe Ziele laſſen ſich
weder durch Privatſtunden, noc< dur ſogenannte Nachhülfeclaſſen, ſondern nur in beſon=
deren, für ſ geſammte Verpflegung und Beſchäftigung der Zöglinge in Händen hat, erreichen. Dex-
gleigen Anſtalten für j38=
berg bei Mühldorf in Bayern; Bendorf bei Coblenz ; Möcdern bei Leipzig ; Stetten, Ober=
amt Cannſtatt in Württemberg; Gladbach im NRegirungsbezirke Düſſeldorf ; Langenhagen bei
Hannover; Neinjtädt bei Quedlinburg mit Filial = Haus Dezkel b. Neuhaldensleben ; Haſ=
jerode, Negirungs8bezirk Magdeburg; Kücenmühle b. Stettin ; Kiel; Sonderburg; Berlin ;
Pots8dam ; Neuſtadt-Cber8walde ; Craſchniß b. Bres8lau ; Schreiber8hau im Nieſengebirge ;
Rajtenburg und Weſterburg für Oſt= und Weſlpreußen ; Alſterdorf b. Hamburg ; Sachſen-
burg b. Schwerin; Neu = Dettelsau b. Nürnberg ; Perchtolds8dorf b. Wien ; Hubertus8burg
in Sachſen, über welche die in den Jahren 1854 und 1858 bei Reclam 3en. in Leipzig
erſchienenen „öffentlichen Berichte“, ingleichen ein 3. von der königl. Anſtalt3-Direction zu
Hubertus8burg i. I. 1871 herausgegebener Bericht ausführliche Mittheilungen enthalten.
Schwarzburg-Rudolſiadt. Die Verwaltung der Schuljachen in Shwarzburg-Rudolſtadt
ijt einer Atheilung im fürſtlichen Miniſterium zugewieſen. Die Beauſſichtigung der Schulen
geſchieht dur< die Ortögeiſtlichen, Ephoren und Generalſchulinſpeckoren. Das Fürſtenthum
hat gegenwärtig in der Vorderherrſchaft 139 und in der Unterherrſchaft 34 Schulen. Unter-
richt8gegenſtände, Stundenplan und Lehrbücher ſind durch einen Pian von 1850 vorge-
ſchrieben, welcher von Zeit zu Zeit modiſicirt, beziehentlich ergänzt wird. An Orten, wo nur
eine Schule beſteht, wird dieje in drei Claſſen getheilt : Die unterſte =- das erſte Schuljahr ---
mit 12, die Mittelclaſſe = das zweite und dritte Schuljahr =- mit 20 und die Oberclaſſe
mit ebenſoviel wöchentlichen Unterrichtöſtunden. Die Claſſen werden theils einzeln, theil3 mit
anderen Claſſen combinirt unterrichtet. Das Ländchen beſit zwei Lehrerſeminare : Zu Rudol-
Jadt (zweijähriger Curjus ; Franzöſiſch, Turnen und Schwimmen obligatoriſch; Aufnahme nach
vollendetem 16. Lebensjahre) und Frankenhauſen (vierjähriger Curſus ; 16 Seminariſten).
Die Volksſchullehrer werden eingetheilt in (120) ordentliche Lehrer und Cantoren -- ein
Titel, welher nach wenigſtens zehnjähriger Dienſtzeit tüchtigen Lehrern verliehen wird --

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