210 Seminar Seminarſchule -*
Menſchheit und vornehmlich zum heranwachſenden Geſchlechte al8 dem eigentlichen Gegen=-
ſtande ſeiner Wirkſamkeit; denn die Liebe ſucht nicht das Ihre, fie allein macht opferfähig
und willig, daher denn auch den Aeltern die erzieheriſche Selbſtverlengnung leichter werden
muß, al8 dem fremden Erzieher. Ein weiteres Mittel zur Ausbildung der Tugend der
Selbſtverleugnung iſt die Regelung der Triebe und Neigungen nach den Grundſäßen einer
höheren, mit den erhabenen Lehren des Chriſtenthumes übereinſtimmenden Welſtanſhanung,
wobei anch das Studium der Philofophie , ver Pädagogik und der allgemeinen Geſchichte
ausgezeichnete Dienſte zu leiſten im Stande iſt. Das edelſte Vorbild eines Selbſiverleug=
nung Übenden Crziehers der Menſchheit liefert die Lebens8geſchichte Jeſu Chriſti.
Seminar. Unter Seminar verſteht man eine Vorbereitungsanſtalt für künftige Lehrer,
Ze nachdem leßtere der Volksſchule angehören ſollen oder ſich ſür einzelne Fächer an
höheren Anſtalten vorbilden, redet man von BVolksſhullehrerſeminarien, philologiſchen, mathe-
mathiſchen Seminarien u. j]. w. Da auc die Prediger unter die Lehrer zu rechnen ſind,
jo hat man die Anſtalten, in welchen junge Theologen für das kirchliche Lehramt ſpeciell
ſich vorbilden, Prediger= = homiletiſche =- Seminarien genannt. Alle dieſe Schulen ſind
meiſt Staat8=, nur ſelten Privatanſtalten.
Seminarlehrer. Alle Eigenſchaften , die man von dem Volksſchullehrer zu fordern
hat, müſſen auch die Seminarlehrer in ſich vereinigen, aber theilweiſe in höherem Grade.
Fhre Wirkjamkeit iſt von der größten Bedeutung; von ihnen hängt ja die Ausbildung
der künftigen Lehrer des Bolkes und damit die de3 Volkes ſelbſt ab. Dur ſie kann dem
Lande der größte Segen, wie der größte Schaden erwachſen. Darum ſollte aber auch bei
ihrer Wahl mit der größten Vorſicht und Sorgfalt verfahren werden. Von ihnen wünſchen
wir zuerſt, daß jie mit Leib und Seele Lehrer ſind, alſo begeiſtert für ihren Beruf. Wie
jollen ſie dieſe Eigenſchaft, die dem Lehrer eigen ſein muß, ohne die er zum Schul-
halter herabſinkt, dem künftigen Lehrer mittheilen können, wenn ſie ſie jelbſt nicht haben ?
Männer wie Harniſch, Dieſterweg, Lüben u. a. können hier als Muſter dienen, nicht ſolche,
die ihre Stellung nur al8 Durchgang8punkt betrachten. Ferner ſeien fie Männer in der
wahrſten Bedeutung des Wortes, ſittlich in ihrem Wandel, tren ergeben der Wahrheit,
nicht Leute, die den Mantel nach dem Winde hängen und ſich für jede Nichtung werben
laſjen. Meiſter müſſen ſie ſein im Unterrichten , Lehrer , die den Lehrſtoff vollſtändig be-
herrſchen, ihn aber auch in der rechten Weiſe zu lehren wiſſen. Sie müſſen de8halb
auſ der Höhe der Methodik ſtehen und in ihrem Unterrichte al8 methodijhe Vorbilder
gelten können. Meiſter müſſen ſie jein im pſychologiſchen Bli , pädagogiſchen Tact und
in der Behandlung der Jünglinge, nicht Grillenfänger und Finſterlinge, Männer, die auch
noch ein Herz für ihre Schüler haben, wenn dieſe dem Seminare entwachſen ſind, die ſie
auf ihren Lebenswegen verfolgen, mit ihnen in Verbindung bleiben, ihnen rathen und mit
ihnen thaten, wo es gewünſcht wird, ſo rechte Dinter-Geſtalten.
Seminagrſchule. Unter dieſer iſt eine mit einem Seminare verbundene Kinderſchule zu
verſiehen, welche neben dem Zwee, Kindern Schulbildung zu geben, zugleich den hat, die
Seminariſten unter Anleitung der Seminarlehrer in die Praxis des Lehrerberufes einzu=-
führen. €E3 iſt unverkennbar , daß ſie für Heranbildung eines tüchtigen Lehrergeſchlechtes
von der größten Bedeutung iſt und daß de8halb auch an ſie ziemlich hohe Anforderungen
zu ſtellen ſind , die wir in das Wort zuſammenſaſſen können; Sie ſei eine Muſterſchule.
Nicht - iſt dies jo zu verſtehen, als ſolie ſie in Bezug auf ihre Leiſtungen über allen Volks8=
jhulen erhaben daſtehen ; denn vies wird nie der Fall ſein können, da ſie ja weitaus
am Meiſten nur ſolche Lehrkräfte beſchäftigt , die ſich erſt im Unterrichten üben ſollen, in
Einſicht und Erfahrung weit hinter dem praktiſch geübten und bewährten Lehrer zurüc=-
ſtehen, die wegen ihrer Jugend noch geringe Einſicht in das Seelenleben der Kinder haben
und da ihre Beſucher, wie die Sache jekt meiſtentheils ſteht, aus den Kindern der Armen
ji) allein zu recrutiren pflegen. Aber in Bezug auf ihre Einrichtungen und den Geiſt,
der in ihr weht, joll ſie es ſein, Zunächſt fordern wir nach dieſer Seite hin, daß ſie
nicht zu wenige Claſſen hat, weil ſonſt die praktiſchen Uebungen auf ein Minimum be-
jchränkt bleiben müſſen, aber auch nicht zu viele, weil der Organi8mus dann von den
Seminariſten nicht überblickt und durchblict werden kann. Jede Claſſe aber habe nicht

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