. - Sentimonloliät Sinnenübungn 21 -
zu viele Schüler. Der Anfänger vermag große Claſſen nicht zu überſchauen; e8 entgeht - |
„Ihm zuviel; er Joll ſchon im Anfange völlig Herr ſeiner Kinder ſein, ſoll jeden einzelnen
Schüler nach „ſeiner Natur erfennen und berückſichtigen, wie es der Unterricht ja überhaupt
erheiſcht, joll in den Stand gejehßt werden, ohne Beihülfe für gute Disciplin zu ſorgen. -
Der Anfänger hat mit ſoviel zu kämpfen, daß ihn ſeine Arbeit nicht ängſtigen und ver-
zagt machen darf, ſondern Muth md Liebe zur Sache einflößen muß. Verfehlt wäre es
nun, dem Schüler feine Aufgabe zu geben, jein Ziel zu ſte>en und ihn ſich allein zu
überlaſſen; er muß unter ſteter Aufſicht ſein und =- muß, ſo oft al8 möglich ein Vorbild,
ein Muſterbild im Unterrichten bekommen. Die8 haben die Seminarlehrer zu bieten. Sehr
zu empfehlen dürſte wohl auch ſein, daß dann und wann der Lehrer dieſelbe Lection, die
der Schüler gehalten, noch einmal vorführt, weil die Schüler dur< Vergleichung viel
flarer ſehen lernen. Nach den Lectionen hat, wie e38 wohl überall zu geſchehen pflegt,
eine Beurtheilung derſelben ſtattzufinden. Eine Muſteranſtalt ſoll dieſe Schüle ſein auch in
Betreff der vorhandenen Lehrmittel. Hier ſollte überall das Beſte von Allem vorhanden
jein und auf fortdauernde Ergänzung desſelben geſehen werden. Am Beſten wäre mit
jedem Seminare eine bleibende Lehrmittelausſtellung verbunden. Ferner iſt zu fordern,
daß die Seminarſchule ſic) bemühe, in jeglicher Beziehung die Volksſchule zu ſpiegeln,
beziehentlich in ſie einzuführen. Dazu gehört ein gleicher Lection8 = und Unterrichtsplan,
Führung von Lection8büchern, Verſäumnißtabellen und Cenſurenliſten, wie die Beaufſichti-
gung der Kinder in der Freizeit durch die Seminariſten ; dazu gehören Conferenzen , die
unter Leitung eines Seminarlehrers von Zeit zu Zeit zu erfolgen haben, um ſich über
die Natur , da3 Betragen, die Fortſchritte der Schüler , über Erziehungsmittel , die bei
ihnen anzuwenden ſind (freilich müſſen ſie auch ſtreng durchgeführt werden), über Anſchaffung
neuer Lehrmittel u. dergl. zu berathen. Schon frühzeitig betrachte man den Seminariſten
nicht nur als Schüler, ſondern zugleich als Lehrer, und muthe ihm deshalb Alles zu,
was dieſer zu thun. Man laſſe ihn die Verbindung zwiſchen Aelternhaus und Schule
anſtreben und in Fluß bringen, ſordere ihn nach gehöriger Inſtruction auf, den Aeltern
über ihre Kinder Bericht zu erſtatten und ſo direct auf's Haus zu wirken. Eine ſo ge-
leitete Seminarſchule muß die ſegensvollſten Wirkungen haben und iſt von jeher von den
tüchtigſten Lehrern (Dieſterweg, Kehr u. a.) als der Kern des ganzen Seminares betrachtet
worden. Willſt Du ein Seminar in Wahrheit kennen lernen, ſo gehe in ſeine Uebung3ſchule!
Sentimentalitat, |. Empfindſamkeit,
Simultauſchulen ſind Schulen, welche ausdrücklich für Kinder verſchiedener Confeſſionen be-
ſtimmt ſind. Sie finden ſich ſaſt nur in armen Gemeinden von confeſſionell gemiſchter Bevölkerung.
Sinnenübungen. Die Auffaſſungen über dieſen Gegenſtand gehen ziemlich auseinander.
Während die Einen darunter methodiſche und ſyſtematiſche Uebungen behufs Schärfung der
Sinne verſt?hen (Schreber, zum Theil auch Rouſſeau und Gutmuth3), wollen Andere damit
nur Uebungen gemeint wiſſen, welche die Sinne ausbilden für geiſtige Empfänglichkeit, damit
dieſelben vorgezeigte Gegenſtände klar und ſcharf anſchauen, größere Ganze leicht auffaſſen,
die weſentlichen Theile eines den Sinnen vorgeführten Dinges ſicher erkennen und ein Ganzes
in geordneter Weiſe zu zergliedern lernen. Jene irren ſich, wenn ſie glauben, durch unter-
richtliche Anleitung ließen ſich die Sinne8organe in gleicher oder ähnlicher Weiſe ſtärken
und ſchärfen, wie e8 etwa durch die Bemühungen des Arztes geſchehen kann. Wohl aber
iſt es möglich, ein mit ſchwachen Sinnen begabtes Kind durch zweentſprechende Uebungen
dahin zu bringen, daß es ſchneller und ſicherer wahrnimmt, deutlicher und klarer Angeſchautes
aufſaßt, al38 ein Kind mit ſchärferen Sinnen. Mit Recht unterſcheidet man de8halb zwiſchen
ſcharfen und geübten Augen. Alsdaun iſt aber auch weiter klar, daß man geübte Sinne
nicht nur durch reine äußere Sinnenübungen erlangt, ſondern daß dabei auch der Verſtand
und die Einbildungskraft mit in Anſpruch genommen werden müſſen, weil eine8 das andere
bedingt und unterſtüßt. Hieraus erhellt darnach ferner, daß in der Schule nicht, wie Manche
gewollt und auch gethan haben, ganz abgeſonderte methodiſche und ſyſtematiſc< geordnete
Sinnenübungen zu betreiben find, auch die Sinnenbildung nicht nur auf die unterſte Schul-
ſtufe zu beſchränfen, ſondern mit dem Unterrichte zu verbinden iſt und ſich durch alle Claſſen-
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