214 Skandinavien Zokratik |
ſäßen eines Religion8gebäudes nicht erforderlich iſt, Allen und Jeden religiöſen Unterricht -
aber auszuſchlicßen, iſt ein theoretiſcher Irrthum, Zunächſt können eine Menge der Vor-
jhriſten der Moral der religiöſen Motive nicht entbehren. Das Gebot der Zufriedenheit
mit ſeinem Schifale 1äßt ſich in keiner Weiſe beſſer begründen, al3 durch eine Betrachtung
de3 Lcben3zweckes und des Werthes geiſtiger Güter. Ein populärer Unterricht kann aber
hierbei nicht vermeiden, das Gebiet der Religion zu betreten. Ferner bieten wenigſtens
dem nicht philoſophiſch gebildeten Volke religiöſe Betrachtungen mehr al3 alle3 Andere den
fräſtigſten Troſt in den Widerwärtigkeiten de8 Lebens, den ſtärkſten == bisweilen wohl gar
den einzigen =- Halt in Verſuchungen und die beſte Aufrichtung in fittlichen Niederlagen.
Endlich aber kann allein ein vernünſtiger Religionsunterricht dem religiöſen Aberglauben
in fräftiger Weiſe entgegen wirken. Die im Menſchen tief begründete religiöſe Neigung
erzeugt, wie die Geſchichte aller Völker beweiſt, unausbleiblich auch ein religiöſes Denten,
und dieſes führt, wenn e8 durch den Unterricht nicht gelenkt und geläutert wird , noth=-
wendig auf die verſchiedenſten zum Theil höchſt unſittlichen Abwege de8 Aberglaubens, des
rrthums und des religiöſen Wahnſinnes, Die allgemeine Entfernung des Religion8-
unterrichtes aus den Schulen würde daher auch unſer Volk nach und nach mehr oder
weniger in heidniſche Nacht zurückſinken laſſen und in Folge deſſen in ſittlicher Hinſicht
im höchſten Grade ſchädigen. Aller Wahrſcheinlichkeit nach liegt dem Verlangen einer bloßen
Sittenlehre der Mißcredit zu Grunde , in welchen die Religion durch die Hierarchie , die
Orthodoxie, den Pietizmu3 und die Intoleranz gebracht worden iſt. Man würde ſonſt
faum überſehen , daß die unauſhörlich ſich fortſehende Läuterung der religiöſen Jdeen, wie
ſie ſich, von den Arbeiten der Philoſophen gefördert und unterſiüßt, in den Culturvölkern
im Laufe der Jahrhunderte vollzieht, den Entde>ungen auf den Gebieten der Aſtronomie,
der Phyſik, der Chemie, der Geographie u. fj. w. al8 vollſtändig gleichwichtig und eben-
vürtig zur Seite ſteht. Von dem Allen aber ſoll das Volk Nichts erfahren? Müſſen die
Volksſchullehrer es nicht vielmehr als ihre ſchönſte und erhebendſie Arbeit betrachten, das
Gold , welches das Volk nach langem Ringen durch die edelſten ſeiner Glieder zu Tage
gefördert hat, in gangbare Münze auszuprägen und in den Verkehr auch der niederen Volks8-
freije zu bringen? Gewiß, wenn es nicht recht iſt, dem Volke die zu ſeiner Weiterbildung
jo heilſamen Ergebniſſe der Wiſſenſchaften vorzuenthalten, ſo iſt e8 auch unrecht, ihm den
bildenden Einfluß zu entziehen, der von der Betrachtung der geläuterten und gereinigten
NReligionsſehrſäße ausgeht,
Sfandinavien, |. Dänemark, Schweden und Norwegen.
Sofrates, j]. Geſchichte der Pädagogik.
Sofratik oder ſokratiſche Lehrform iſt die Art zu unterrichten, nach welcher man die
Kinder durch zweckmäßige Fragen ſo zu leiten ſucht, daß ſie das, wa8 man ihnen geben
will, jetbſt finden. Sokrates, der große Weiſe Griechenland8, wird als derjenige bezeich=
net, welcher zuerſt von dieſer Lehrweiſe einen ſehr ausgedehnten Gebrauch machte. Durch
dieſelbe wollte er die gleichſam im Keime -- embryoniſch =- im Geiſte ſeiner Schüler
ſ aus, daß jeder Menſch in ſeiner Seele die Kraft und das Werkzeug zur vollkommenen
Crkenntniß habe, und daß es nur darauf ankomme, die Seele richtig zu lenken, zu üben
und zu ſtärken. Weniger kam es ihm bei ſeinem Unterrichte auf materiale8 Belehren, und
auf Mittheilung eines gewiſſen Gedankenſtoffes an, als vielmehr auf formale8 Bilden und
auf Anleitung zum jelbſtthätigen Gewinnen jedes Gedanfkenſtoffes. Großes Gewicht legte
er dabei auf die dialogiſche Lehrweiſe, „wo Gedanke auf Gedanke in ſchöner Wechſelthätig-
keit ſich drängte, wo die Fragen des Lehrenden die Vorſtellungen in der Seele des Schülers
in Bewegung ſeßten und deſſen Antworten oder Geoenfragen wieder die Gedankenwelt des
Lehrenden erregten. Durch Fragen das Innere der um ihn ſich ſammelnden Jünglinge
in Schwingung zu bringen, die in ihnen ſchon erzeugten Vorſtellungen aufzurütteln, ein leben-
diges Bedürfniß nach Klarheit, Begründung und Zuſammenhang zu wecken, Geburt8wehen
hervorzurufen und dann helfend hinzuzutreten , dieſes Hebammengeſchäft erſchien ihm ſo
recht als jeine Aufgabe.“ Zur Zeit des Rationaliämu3 kam die. Lehrmethode de8 Sofrates
jehr in Auſnahme, doch beſtanden zwiſchen der alten und neueren ſokratiſchen Methode drei

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