216 Zommerſchulen in N Sonntagsſchulen
jo zu Erfurt, Saarloni8, Luxemburg, Stralſund und an den meiſten größeren Garniſon3="
orten, Sie ſtehen unter dem Krieg3miniſterium und nur bei Ueberwachung des Unter-
richte3 hat das Cultusminiſterium mitzuwirken. Durch die Beſtimmung der Militärkir ordnung von 1832, daß die Soldatenkinder an Orten, wo keine Garniſonsſc unter gew*ſjen Bedingungen in den Ortsſchulen untergebracht werden können, iſt das end=
liche Verſchwinden der Garniſonsſchulen angebahnt und e8 wird dies durch die jehige
Militärorganiſation befördert. So iſt die Garniſonsſhule zu Glogau 1861 bereits ein=
gegangen, die zu Silberberg in eine Gemeindeſchule verwandelt worden.
Sommerſchulen giebt e3 zwei Arten. In der Provinz Preußen wird für diejenigen
no< j vermiethet werden, auf dieje Zeit eine beſondere Schule eingerichtet, die man Hüte ſchule
nennt and in welcher dieſe Kinder jeden Morgen 2 Stunden unterrichtet werden (meiſt
von 5 bis 7, jeltener von 6 bis 8 Uhr), Der Unterricht iſt natürlich auf das Aller-
nothwendigſte beſchränkt, =- Cine etwas beſſere Sommerſchule entſteht in verſchiedenen Regirungs-
bezirken Preußen8 dadurch, daß es den ländlichen Gemeinden geſtattet wird, während des
Sommers die Schulzeit zu beſchränken, ſo daß die Oberclaſſe nux zwei, die Unterclaſſe
jedoch drei Stunden täglich unterrichtet werden. An manchen Orten giebt es dabei noch
jede Woche zwei ſchulfreie Tage. Von großen Fortſchritten kann bei ſolchen Einrichtungen
wohl nicht die Rede ſein ; die Sommerſchule kann und ſoll eben nur wiederholen und be-
feſtigen, was während des Winters gelernt worden iſt. -
Sonntagsfeier. Die Beobachtung eines gemeinſchaftlichen Ruhetages und die vorzugs-
weije Benußung desſfelben zu edlen und veredelnden Beſchäſtigungen iſt ſo tief in der
menj erziehung begründet, daß man das Gebot der Heiligung de8 NRuhetages für ein göttliches
erfennen müßte, auch wenn e3 keine Bibel gäbe und ein Moſe3 niemal8 gelebt hätte. Darum
iſt es eine heilige Pflicht des Erzieher3, ſeine Zöglinge an eine regelmäßige Sonntagsfeier
Frühzeitig zu gewöhnen. Wir verſtehen darunter nicht zunächſt die Anhaltung zum Kirchen-
bejuche (j. d.); denn obwohl dieſer allerdings al8 eine der edelſten Formen der Sonn-
tagsſeier betrachtet werden muß, jo kann doch der Erzieher damit nicht beginnen, ſo lange
der Zögling noch nicht die gehörige Reife erlangt hat, und e8 muß längere Zeit genügen,
den Sonntag für das Gefühl und die Anſchauung de3 Kindes durch ſinnliche Mittel ab-
zuſondern. Darum iſt es ein wohl zu bewahrender Gebrauch, daß das Kind ein Feier-
kleid habe , welches es nur bei feſtlichen Gelegenheiten auch an Werkeltagen anlegt, Das
durch, jowie durch beſſere Speiſen, die nur an Sonntagen auf den Tiſch kommen , durch
Spaziergänge der geſammten Familie oder, bei ungünſtigem Wetter, durch die Hausandachten
(j. d.), die im Anſchluſſe an das gemeinſchaftliche Mittag8mahl auf den Sonntagnachmittag
verlegt werden, gewöhnt ſich das Kind, ſich auf den Sonntag zu freuen, dieſen Tag lieb
zu gewinnen und ihn für einen zu beſonderen Zwecken beſtimmten Tag anzuſehen, und
dies Alle3 iſt ſchon von einem nicht geringen ſittlichen Werthe. Dabei verſteht e8 ſich von
jelbjt, daß die Werktag3arbeiten im Hauſe der Hauptſache nach am Sonnabend Abend ge-
jhloſſen werden und daß weder die Familienglieder noch die Dienſtboten am Sonntag-=
vormittag Arbeiten vornehmen, welche die Ordnung und die Ruhe beeinträchtigen. Vater
und Mutter müſſen vielmehr ſchon in den Morgenſtunden in feſtlicher Stimmung und frei
von dem Schmuße und den Attributen der Wochenarbeit erſcheinen, auch bei den Kindern
die zu geräuſchvollen Spiele nicht dulden und durch ihren eigenen Kirchenbeſuch over durch
ihre Sonntagsbeſchäftigungen (Werke der Liebe oder der geiſtigen Erholung und Fortbildung)
deit Kindern die Art und Form der beſten Sonntagsfeier zeigen.
Souniagsſchulen ſind eine Art Fortbildungsſchulen , welche die confirmirte Jugend
bejucht, um ſich in den elementaren Kenntniſſen und Fertigkeiten fortzubilden. Sie ſind
in Bayern und Württemberg geſeßlich eingeführt, können jedoch auch durc< Winterabend-
jhulen erjeßt werden. =- Hier und da giebt e8 auch Sonntag3ſchulen, die lediglich für
Handwerker beſtimmt ſind und inſoſern zu den Berufsſchulen gehören. = Eine andere Art
von Sonntagsſchulen gehört für Deutſchland der neueſten Zeit an. Sie iſt urjprünglid)
in England entſtanden (1781), von da nach Amerika übergegangen und, nachdem ſie dort

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.