pee ooo H - Sprechübüngen/ k 9.
de3 Spottes ſollte eigentlich nie vorkommen, ſie iſt, ſobald fie üur- einmal zu Tage ge u.
' treten, in ihren Folgen nur ſchwer, meiſtentheil8 aber ganz unheilbar, und kann nur da-
durch unmöglich gemacht werden, daß ſich der Erzieher durch Freihaltung von allen, aich .
ſogenannten kleinen Schwächen, die für das Auge der Kinder gerade einen beſonderen Reiz
haben, und durch den Beſiß der rechten Erziehereigenſchaften und durch eine gute DiBci-
plin ſtet3 in der nöthigen Achtung zu erhalten verſteht. Der Lehrer und Erzieher muß in
den Augen der Zöglinge gewiſſermaßen als geheiligte Perſon daſtehen, an der ſich Niemand
zu vergreiſen wagt. Dazu trägt ſchon die äußere Haltung weſentlich bei und es iſt als
ein wichtiger Punkt mehrerer Schulgeſeßgebungen zu bezeichnen, daß körperlich Gebrechliche -
und durch ſonſtige Abnormitäten die allgemeine Auſmerkſamkeit leicht auf fich ziehende Per-
jonen dem Lehrerſtande fern bleiben ſollen. Das gegenſeitige Verſpotten der Schüler iſt
vom Lehrer ebenfalls nicht leicht zu nehmen, ſondern dur< Hinweis darauf, daß jeder ſeine
Schwachheiten beſiht, daß Spott dem davon Betroffenen wehe thut und unbeliebt macht
und Überhaupt durch Anerziehung gegenſeitigen Wohlwollens und allgemeiner Dienſtbereit-
willigkeit, beſonder8 den Schwachen und Gebrechlichen gegenüber, zn bekämpfen. Nur ſelten
wird ein Kind von Natur zur Spottſucht geneigt ſein. Wohl aber haben ſtet8 Lehrer und
Erzieher ihren Theil Schuld daran, wenn ſpöttiſche Reden unter ihren Zöglingen gehört
werden. Am Verderblichſten wirkt in dieſer Beziehung das eigene Beiſpiel. Schon daraus
geht deutlich genug hervor, daß ſich der Lehrer des Spottes zu enthalten oder ſich deſſen
mindeſtens nur in ganz ausnahmsweiſen Fällen zu bedienen habe. Spott ſtößt ab; denn
er zeigt von einem liebeleeren Herzen, der Lehrer aber ſoll heranziehen. Spott ſchre>t den
Schwachen von Anwendung erneuter Kraftanſtrengungen zurück, ex treibt ihn überhaupt
zur Verſchloſſenheit, ſowohl in Bezug auf Aeußerungen der Gemüths8= als auch der Willen3=
thätigfeit, er macht ſchüchtern und linfiſch, ja ſenſible Naturen vermag er bis zur Ver=
zweiflung zu bringen. Will man ihm auf dem Gebiete der Erziehung nicht überhaupt jed-
wede Berechtigung abſprechen, ſo darf man ihm höchſtens bei der Bekämpfung von Stolz,
Eitelkeit, Dünfkelhaftigkeit und verwandten Untugenden eine beſcheidene Stelle einräumen.
(In Erziehungsſtätten für das reifere Jugendalter zeigt ſich hier und da wohl auch noch
eine beſonders beklagen8werthe Aeußerung des Spottes in Verſpottung oder Beſpöttelung
heiliger Perſonen und Dinge auf dem Gebiete der Religion. Ihr kann einzig und allein
durc< eine wahrhaft religiöſe Erziehung und ſorgfältige Bewahrung vor böſer Geſellſchaft
vorgebeugt werden.)
Sprache, |. Mutterſprache.
Sprachlehre, ſ. Shulgrammatik.
Sprachunterricht, f. Mutterſprache.
Sprechübungen. Cs werden hier darunter nicht die Redeübungen (ſ. d.) verſtanden,
die auf höheren Stufen des Unterrichtes auch mit Schülern der Volköſchule angeſtellt werden
jollten, ebenſo nicht jene Sprechübungen, die mit den ſogenannten Denkübungen (ſ. d.) der
erſten Schuljahre verbunden find, ſondern wir meinen Sprechübungen, die lediglich den Zweck
haben, die Kinder zunächſt ſoweit in den Beſiß des Sprachmateriale8 zu bringen, daß ſie
es mechaniſch beherrſchen, abgeſehen von dem Inhalte der Sprache. Peſtalozzi war es,
der zunächſt dahin zielende Vorſchläge machte, und zwar in ſeinem „Buchſtabirbuche.“ Den
nhalt desſelben wollte er bereits ſolchen Kindern von der Mutter vorgeſprochen wiſſen,
die noc< nicht reden können. Das überraſcht für den erſten Augenbli> und man iſt ge-
neigt, Raumer beizuſtimmen, welcher (Geſchichte der Pädagogik 11., 325. S.) ſagt: „So
haben die Kinder in der Wiege vor dem Elementarlehren keine Ruhe, ſolc<* Gepapel und
Geplärr : ba, ba, ba 2c., das ſind die ſchönen Wiegenlieder, vor welchen des Säuglings
Schußengel davon laufen möchten." Aber erſtens iſt ja nicht nöthig, die ſchönen Wiegen»
lieder, die wir allerdings kein Kind miſſen laſſen möchten , au8zuſchließen , ſie können ja
recht wohl neben ſolchem Gepapel hergehen, und zum Anderen muß man einmal erfahren
haben, wie ſchwer e8 den Anfängern in der Schule oft wird, ein Wort aufzufaſſen und
nachzujagen, wie beſonder8 auf dem Lande ſehr oft die Kleinen erſt durch den Leſeunterricht
der Schule auch ſprechen lernen, um zu begreifen, daß ſolche Vorübungen, wie ſie Peſta-
lo3zi geirieben wiſſen will, beſonder8 diejenigen, wo das Kind nicht nur zuhört, ſondern

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