224 Stellvertretung oo | -Stenographie.
Alle3 zu vermeiden, was den Eigenthumstrieb (1. d.). zu zeitig und. in einem zu: hohen Grade
erwedt , ſeinen Kindern ohne ſie zu verhätſcheln, auch zuweilen einen Genuß zu verſchaffen,
den ſich andere in gleichen Verhältniſſen Stehende geſtatten, damit Neid und Mißgunſt
ni wahren ; endlich hat er alle Gelegenheit, die zum Stehlen verleiten könnte, von ihnen fern
zu halten, er mag ſie aber von einem gewiſſen Alter an mit einer kleinen Summe Geldes,
einem ſogenannten Tajſchengelde , ausſtatten und ſie dabei lehren, wie man mit Geld und
Gelde3werth weiſe umzugehen hat. Unter den Gelegenheiten im Hauſe, welche zum Stehlen
reizen können, jei erwähnt, wenn Aeltern volle Caſſen ohne Auſſicht vor den Augen der
Kinder ſtehen laſſen und in dex Schule, wenn den Zöglingen geſtattet wird, werkhvolle Dinge
ans ihrem Beſikße, Ringe, Ketten, Gold= und ſonſtige Sc mitzubringen und in den Zwiſchenpauſen gegenſeitig vorzuzeigen. Sollten hier oder da kleine
Veruntreuungen vorfommen , jo achte ſie der Lehrex und Erzieher nicht gering, unterſuche
mit größter Gewiſſenhoftigkeit, aber dabei auch mit Vorſicht, damit nicht Unſchuldige ver-
dächtigt und dadurch) ihr Chrgefühl, das fräftigſte Bewahrungsmittel vor derartigem Falle,
abgeſ eine öffentliche Namensnennung und öffentliche Beſtrafung, wirke aber deſto ernſtlicher auf
Ihn unter vier Augen ein und beobachte ihn von da an auf's Genaueſte, führe ihn abex
ja nicht gefliſſentlich in Verſuchung. In Wiederholungsfällen empfiehlt ſich jedoch die ſtrengſte
Strafe, womöglich verbunden mit völliger Separirung oder im äußerſten Falle Nebergabe
an Beſſerungsanſtalten.
Sjellvertretung. Iſt ein Lehrer behindert, fein Amt zu verwalten, ſo muß dies ein
Stellvertreter für ihn thun. Zu Stellvertretern ſind nach pädagogiſchen Grundſäßen nur
Berſonen geeignet, die ſich dem Lehrerbernfe überhaupt gewidmet haben und auch für die
ſpecielle Thätigkeit des zu Bertretenden qualiſicirt ſind. Daher iſt auch überall durch Geſeke
pder Verordnungen beſtimmt, daß nur Lehramts8candivaten, Hülfslehrer 9der auch definitiv
angeſtellte Lehrer eine Stellvertzetung übernehmen können. Zum großen Nachtheile der S iſt man in der Praxis durch den Mangel geeigneter Kräfte zuweilen genöthigt, zur Ver-
wendung älterer Seminariſten oder Präparanden , oder auch gar pädagogiſch ungebildeter
Berſonen jeine Zuflucht zu nehmen. Bei kurzdanernder Verhinderung wird die Vertretung
an mehrclaſſigen Schulen gewöhnlich von dem Lehrercollegium übernommen, bei Landſchulen
nac< Möglichkeit auch durc< benachbarte Lehrer und den Ortsgeiſtlichen beſorgt. Bei länger
dauernder Vacanz, jei es in Folge von Krankheit oder Verſehung eine8 Lehrer3, wird ein
Vicar oder Aushülfsſehrer (in ODeſterreich Supplent genannt) angeſtellt, der dann je nach
den Umſtänden, die ſeine Anſtellung nothwendig machen, entweder von dem zu vertretenden
Lehrer oder auch zum Theil oder ganz aus Gemeinde- oder Staatscaſſen beſoldet wird.
Daß ein Lehrer bei etwaigen Erholungöreiſen u. dergl., überhaupt in jedem Falle, wo er
niht dur< Krankheit oder durch Theilnahme an geſeßlich geordneten Prüfungen an Aus-
Übung feiner Amtsthätigkeit gehindert wird, ſeinen Stellvertreter zu beſolden hat, iſt gewiß
niht unbillig. In Krankheitsfällen aber ſollte man ihm dies nicht oder wenigſtens nur
zum geringen Theile zumuthen. In der Praxi8 herrſcht dabei verſchiedener Gebrauch. Jn
Sachſen hängt die Entſcheidung der Frage, wer in Krankheitsfällen die Koſten der Siell-
vertretung zu tragen. habe, von der Höhe des Stelleneinkommens ab. Reicht diejes8 für
* Lehrer und Vicar nicht aus, ſo muß die Gemeinde das Fehlende ergänzen. In DOeſter-
reich erhält ein Suppſent 50 bis 60 Procent des Gehaltes. Anderwärt8, 3. B. in Bayern
u. ]. w., hat der Lehrer dem Vicar nur Wohnung, unter Umſtänden auch wohl Koſt, zu
gewähren , die Beſoldung wird aus Staatscaſſen gezahlt. Zſt wegen Suspenſion Stell-
vertretung nöthig, jo hat der Lehrer dann, wenn er das Einkommen jortbezieht, auch die
Koſten der Stellvertretung zu tragen.
Stenographie heißt in wörtlicher Ueberſezung Engſchrift. Sie iſt die Kunſt, mittel3
einer auf ein entjprechend geringes Maß von Zeichen eingeengten Schrift jo zu ſchreiben,
daß die Schrift der menſchlichen Rede ſicher zu ſolgen vermag. Ein anderes Mittel zur
Erhöhung der Leiſtungsfähigkeit der Schrift, als die Abkürzung oder Einengung de3 ſür
da3 zu Bezeichnende zu ſehenden Zeichen3, iſt nicht denkbar. Die Stenographie iſt daher

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