Stottern -/ Strafarbeit 231
durc< »Öperative, ſondern nur durch pſyhologiſch-pädagogiſhe Einwirkung exſolgen kann. Bei
Heilverſuchen muß die Seele, welche wieder in die ihr gebührende Herrſchaft über die Ath=-
mung8- und Sprechorgane einzuſehen iſt, zum Mittelpunkte der Beſtrebungen gemacht werden.
-- Veber die dabei einzuhaltende Methode wird in dem Werke; „Der Taubſtumme und
ſeine Bildung“ v. Heil, Seminarlehrer zu Hildhurghaufen, Folgendes mitgetheilt: 1) „Man
jucht zuvörderſt das Vertrauen des Stotternden zu gewinnen ; ſtellt ihm die Heilung nicht
al38 zu ſchwierig dar, um ihn nicht ängſtlich zu machen ; ermuntert ſeinen Geiſt zur Rege
jamkeit, zum Wollen, zum Muthe, zum Selbſtvertrauen. =- 2) Man ſucht die Athmungs>-
und Stimmorgane zu kräftigen und fähig zu machen, da38 au8zuführen, was die Seele
will. Mittel dazu ſind : Kräftiges, tiefes Athmen, kaltes Waſchen der Bruſt, Schreien im
Freien, Kräftigung der Bruſt durch gymnaſtiſche Uebungen. 3) Man jucht die Organe
zu üben, gewiſſe, für dieſelben ſchwierige Verbindungen von Conſonanten und Vocalen mit
Leichtigkeit darzuſtellen. Zu dem Ende läßt man den Stotternden Lautverbindungen, die
ſtufenweiſe vom Leichten zum Schweren fortſchreiten (erſt die Vocale allein, dann in Ver-
bindung mit Dauerlauten, ſpäter mit Augenblick3lauten u. ſ. w.), erſt ſingen, dann im
Tacte ſprechen. Den Tact hat der Leidende mit der Hand ſelbſt anzugeben und vor jeder Laut-
verbindung tief auſzuathmen. Metriſche Strophen, in denen ſchwierige Sylben vorkommen, find
aus8wendig zu lernen und herzuſagen, mit und ohne Tactiren, erſt ohne, dann in Gegenwart
anderer Perſonen. E3 iſt nur zu ſprechen, wenn die Lunge voll Luſt iſt, und zwar im
tiefen Tone, langſam und ruhig. Während de8 Sprechen8 hat der Leidende eine Hand
ſlach auf den Unterleib zu legen zur Wahrnehmung und Verhütung aller unmäßigen Kraſt-
anſtrengung. 4) Die Harmonie zwiſchen Conſonant= und Vocalbildung kann hergeſtellt
werden durch das Aufſfeßen einer kleinen Fiſchbeinkammer auf einen entſprechenden unteren
Backenzahn. Dieſes Mittel iſt namentlich bei den höheren Graden des Stotterns zu empfehlen,
bei welchen das gänzliche Entweichen der Luft aus der Lunge nicht allein dur< den Ver=
Ihluß der Stimmriße, ſondern auch durch den des Mundcanals zu verhindern geſucht wird.
5) Zu empfehlen iſt auch die Theilnahme an den Geſprächen ungezwungener Geſellſchafts=
freiſe und das Wiedererzählen des Geleſenen und Gehörten.“ Ausführliche Belehrung
über dieſen Gegenſtand geben folgende Werke: Klenke, „Die Fehler der menſchlichen Stimme“,
Kaſſel, Verlag von H. Hotop; Haaſe, „Das Stottern oder Darſtellung und Beleuchtung
der wichtigſten Anſichten über Weſen, Urſachen und Heilung desſelben“, Berlin , in Com=-
miſſion b. A. Hirſchwald. |
Strafarbeit. Unter den Strafen für die Schule nimmt die Strafarbeit mit Recht
eine der erſten Stellen ein. Sie iſt überall da anzuwenden, wo durch Trägheit und Leicht-
ſinn oder auch wiederholte Vergeßlichkeit Schularbeiten vernachläſſigt worden ſind. Sie
wirkt nach zwei Seiten hin günſtig. Einmal bringt ſie al8 Strafe den Zögling zum Bewußtſein
de8 begangenen Unrcchtes und ſchre>t von der Wiederholung zurück, zum anderen hebt ſie al3
Arbeit auf dem einſachſten Wege den Schaden, der durc< die vorgekommene Verſäumniß
ſeinem und dem Fortſchritte der Geſammtheit ſonſt erwachſen würde. Die Strafarbeiten
ſind in den eben angegebenen Fällen allen anderen, dem Lehrer geſetzlich geſtatteten, mit dem
begangenen Unrechte jedoch nicht: in ſo enger Wechſelwirkung ſtehenden Strafen vorzuziehen,
aber dennoch werden ſie nicht immer allein ausreichen. In Wiederholungsfällen oder dann,
wenn die geſtellten Strafarbeiten, die zunächſt für's Haus aufgegeben werden , nicht ſorg=
fältig oder wohl gar nicht ausgeführt werden, iſt eine beſondere Freiheitsſtrafe in Form
von Nachſihen in der Schule oder eine Ehrenſtrafe , beſtehend in Herabſehung auf einen
niederen Plaß u. dergl. nothwendig damit zu verbinden. Jn Bezug auf die Art der zu
gebenden Strafarbeiten iſt zu berückſichtigen, daß ſie ſich möglichſt genau dem vernachläſſigten
Gegenſtande anzupaſſen und aus ſolchen Anfgaben zu beſtehen haben, die ſich vom Lehrer
leicht controliren laſſen; am Beſten eignen ſich dazu ſchriftliche Bearbeitungen. Die hier
und da beliebte Weiſe, geiſtliche Lieder, Gedichte u. de8gl. zur Strafe auswendig lernen
zu laſſen , iſt weniger zu empfehlen. So ſehr in olfigen Bemerkungen den Strafarbeiten
da8 Wort geredet worden iſt, ſo nothwendig bleibt aber doch auch, zu erwähnen, daß
zuweilen damit Mißbrauch getrieben wird. In gewiſſen Auſtalten ſtraſt man jedes Ver-
gehen durch Strafarbeiten und verſündigt ſich dadur

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