234 Studiren | | Ztumpfſinn
ſchritt, indem jie dem Willen de3 Schüler8 weſentlich zu Hülfe kommen, ſondern ſind- auh
im Beſonderen ein kreffliches Mittel, feſte Charaktere heranzubilden.
Studiren vom lateiniſchen s8tuders heißt urſprünglich „jih um Eiwas8 bemühen, ſich
einer Sache beſleißigen, na< Ctwas ſtreben," und wird im Beſonderen verwendet von dem
eifrigen Streben, da8 auf die methodiſ Wiſſens, einer Erfenntniß gerichtet iſt, ſo daß man im engſten Sinne da8jenige Streben
darunter verſteht, das fich die wiſſenſchaftliche Kenntniß irgend eines ganzen Wiſſen3gebietes
zum Ziele geſeßt hat. Man ſtudirt „Theologie“, „Rechtswiſſenſ dieſem Sinne wird „ſtudiren“ beſonder3 von derjenigen wiſſenſchaftlichen Thätigkeit verwendet,
welche bei jungen Leuten, die zur gründlichen Kenntniß irgend einer Wiſſenſchaft die Uni-
verfität beſuchen , vorausgeſeht wird. Der junge Mann ſelbſt, der mit wiſſenſchaftlichem
Eifer nach ſolchen Kenntniſſen an ſolchem Oxte trachtet, d. i. der immatriculirte Schüler
einer Univerſität, heißt Student, und dieſer wiſſenſchaftliche Eiſer, wie auch der Gegenſtand
Desſelben wird Studium genannt. -- Wenn nun im weiteren Sinne „ſtudiren“ Überhaupt
heißt, fich eifrig dem Erlernen einer Wiſſenſchaft widmen, jo iſt e8 auch für den Lehrer
Pflicht, ſelbſt wenn er nicht Univerſitätsbildung genoſſen hat, ſich eiſrig hingebend und
dauernd der Wiſſenſchaft ſeines Stande8 zu widmen, um in ſeinem Fache nicht nur ein
Routinier, d. h. ein durch häufige Uebung in ſeiner Kunſt geſchäftsſertiger Menſch, ſondern
ein auf gründliche Einſicht und bewußter Ueberzeugung ſußender Vertreter ſeines Standes zu
werden.
Stumm nennt man Diejenigen, welche. nicht reden können. =- Die Stummheit iſt eine
Folge des Gehörverluſtes oder mangelhafter Bildung der Sprachwerkzeuge oder eine Lähmung
derſelben. =- Doch fommen auch Individuen vor, welche vollkommen hören und normale
Bildung der Sprachwerkzeuge, auch keine Lähmung derſelben erlitten haben, alfo alle Beſehle
verſtehen, alle Aufträge beſorgen, -- aber doch nicht reden können. Wohl oder übel muß
man ſolche Individuen unter die Zahl» der Schwachſinnigen (Blöden) rechnen, weil der
Geiſt =- wenigſtens in dieſem ſpeciellen Falle =- zu ſchwach iſt, die Sprache nachahmen
zu fönnen.
Stumpfſinn ſteht zu Schwach- und Blödſinn in dem Verhältnijje, wie ein ſiumpſes
Inſtrument zu einem ſeiner Anlage nach ſchwachen oder gänzlich unbrauchbaren. Während
lehteres niemal8, das ſchwache aber nur im beſchränkten Maße kauglich zu machen iſt,
braucht jenes nur geſchliffen zu werden, um ſeinen Zwe zu erfüllen. So wird das ſtumpf=
ſinnige Kind, ſobald ſeine natürlichen Anlagen gewet werden, ſich als vollkommen bildungs=
fähig erweiſen; venn der Grund des Stumpfſinnes iſt nicht in angeborener Schwäche und
in organiſchen Fehlern , ſondern in mangelhafter Erziehung zu ſuchen. Wenn ein Kind
vom früheſten Lebensalter an weder gehörig verpflegt, noch geiſtig angeregt, jondern an
Leib und Seele vernachläſſigt und verwahrloſt wird, ſo bleibt es ſtumpffinnig. Dauert
- dieſe Verwahrloſung aber Jahre lang fort, ſo kann e8 nicht Wunder nehmen, wenn dasjelbe
beim Cintritte in das ſchulpflichtige Alter ſogar als ſchwach- oder blödſinnig erſcheint. Weil
nun die Grenzlinien zwiſchen dieſen drei Schwächezuſtänden für das ungeübte Auge ſchwer
zu erkennen ſind, ſo werden Stumpfſinnige nicht ſelten den Erziehungsanſtalten für Sc-
ſinnige zugeführt. Hier nun, wo ihnen angemeſſene Verpflegung und eine rationelle päda=
gogiſche Behandlung zu Theil wird, bricht alsbald die niedergehaltene Kraſt durch und es
werden daher an ihnen die glücklichſten Reſultate erzielt, die als glänzende erſcheinen,
wenn die erweckten Stumpfſinnigen für geheilte Schwachſinnige gehalten oder ausgegeben
werden. Beſondere Erziehungsanſlalten, die für Schwachſinnige nicht entbehrt werden können,
ſind für Stumpfſinnige kein unbedingtes Erſorderniß. Leßtere können namentlich in den
hier und da errichteten Nachhülfeclaſſen und ſelbſt in der gewöhnlichen Clementarjchule
vorwärts gebracht werden, wenn d& Lehrer die ungünſtigen Einflüſſe, die das Uebel erzeugten
(unvernünftige Behandlung der Kinder von Seiten der Aeltern, Vernachläſſigung, jehlechte
Ernährung, Genuß von Spirituoſen, Unreinlichkeit, ungeſunde, feuchte Wohnung 2c.), erforſcht
und auf deren Beſeitigung dringt; wenn ex beim Unterrichte möglichſt tief unten (3. B
nicht mit dem Leſenlernen , ſondern mit dem Anſchauen und Unterſcheiden concereter und
abgebildeter Gegenſtände) beginnt; wenn er durchweg anſchaulich unterrichtet und auch da,

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