240 Tact Talent
Tact, |. Erziehung s8talent,
Da3 Tactſchreiben. Der Tact iſt eine natürliche Anlage eines jeden Menſchen. In
ihm liegt ein eigenthümlicher Reiz und Zauber. Auch die Schule zog ihn als Mittel zur
Erzielung der Ordnung und Regelmäßigkeit in ihr Bereich. Beſonders macht man jeßt
Gebrauch von ihm beim Schreibunterrichte. Die Erfindung der Tactſchreibmeihode lag,
nachdem Pöhlmann, Natorp, Stephani u. A. den Kindern Gemeinſames ſchreiben ließen,
jehr nahe. Als Crfinder dieſer Methode nennen ſich Audoyer, ein Franzoſe , Nädelin in
Stuttgart, Screuer in Heidelberg und Lövenyi in Peſth. Zu Deutſchland wurde das Tact=
jhreiben jehr bald nach Jeinem Bekanntwerden in Verbindung mit der Caſtairs'ſchen Methode
geübt und dadurc< wurden manche Verbeſſerungen im Schreibunterrichte herbeigeführt. So=
wohl in disciplinarijcher al8 auch in methodiſcher Beziehung bietet das Tactſchreiben Vortheile ;
in jener, inſofern alle Schüler ganz gleichmäßig beſchäftigt werden, ſich in ihrem Thun
dem Commandoworte des Lehrers fügen müſſen und ſo die Ueberwachung der ganzen Claſſe
ungemein erleichtert wird, und in methodiſcher Hinſicht dadurch, daß durch das tachnäßige
Cinüben der verſchiedenen Schriftformen die Schreiborgane ſicherer gemacht und an eine
gleichmäßige Bewegung derſelben gewöhnt werden. Um dieſer anerkannten Vortheile willen
iſt das Tactſchreiben ſchon in der Unterclaſſe zu treiben, am Fleißigſten aber in der Mittel-
clajſe zu exerciren und in der Oberclaſſe zur Einübung gewiſſer Formen, die der Schrift
hauptjüchlich Regelmäßigkeit und Beſtimmtheit geben, anzuwenden. = Hinſichtlich der Tactſchreib-
Borſjprechſorm gehen die Anſichten ziemlich auseinander. Die Einen verlangen die Be=
ziehung „auf, ab“, Andere „fein, ſtark“, die Dritten „1, 2“ und die Vierten laſſen bei
einem jeden Striche einen Tacttheil ausſprechen und zählen g'eichmäßig fort bis zum Schluſſe
des Wortes rejp. Buchſtabens, z. B. bei „m“ „1, 2, 3, 4, 5, 6,7." Hinſichtlich der
Art des Zählens wollten die Einen, daß man nur die Grundſtriche (bei „m" 1, 2, 3, bei
„1 1, 2) zähle, die Anderen aber, daß nicht allein die Grund=, ſondern auch die Haar
jiriche gezählt werden ſollten. Wir haben uns für das folgende Verfahren entſchieden, den
Haar= oder Auſſtrich durch „auf“ und die Grundſtriche durch „1, 2, 3 u, ſ. f.“ zu tactiren
und bei jedem neu anzufangenden Buchſtaben wieder mit „1“ zu beginnen. Der Tact
jelbfl wird abwechſelnd durch lautes Zählen des Lehrer38 oder der Schüler, oder durch
leichtes Auftlopfen mit einem Stäbchen angegeben. Das Chortactzählen macht den Kindern
bejondere Freude und iſi darum ein vorzügliches Mittel, um die ſinkende Luſt und Auf-
merfjamkeit wieder zu beleben. Jm Uebrigen fügen wir nach Dietlein noch folgende beim
Tactjhreibunterrichte zu beachtende Regeln bei: 1) Anfangs zähle der Lehrer ſelbſt, darauf
lajje er die beſlen Schüler, dann mehrere zuſammen , einzelne Abtheilungen, zuweilen die
ganze Schreibelaſſe und endlich die Tactloſen tactiren. 2) Der Lehrer halte mit der größten
Sirenge darauſ, daß auch wirklich im Tacte geſchrieben wird. 3) Das Schreiben im Hefte
beginnt jede3 Mal mit dem Zuruf: „Fertig!“ Hierbei hat der Schüler die Feder in dem
Punkie anzujeßen, wo das Schreiben des erſten Buchſtaben beginnen ſoll. 4) Alle Punkte,
Bogen und Durchſtriche, welche nicht in einer fortlaufenden Verbindung geſchrieben werden
önnen, werden nach Vollendung des Wortes gezählt und geſchrieben. 5) Bei den Buch-
ftaben, welche feine natürliche Verbindung haben, 3. B. 3, d, x 2c. wird ruhig fortgezählt.
6) Beim Schreiben von Wörtern iſt eine Pauſe zwiſchen dem Abſeßen de3 einen und Wiedor-
anſangen des anderen Wortes zu machen und =- nach Nädelin -- am Beſten auszufüllen durch
„Rull". 7) Die Juterpunktionszeichen werden ſtets zu dem Worte mitgezählt, hinter welchem
fie ſtehen. 8) Nach beendigter Uebung oder wenn ein Ruhepunkt eintreten ſoll, wird „halt“
eommandirt. GEmpfehlenöswerthe Bücher über die Tactſchreibmethode ſind die von Rhöne
(Langenſalza, Schulbuchhandlung), Ebenſperger (Nördlingen, Beck), Nett (Heidelberg) und
bejonders Rubol8ky (Nordhauſen 1846).
Tylent iſt eine höhere, aber nicht die höchſte Art der Begabung (ſ. Genie), Das
Talent hat ſelbſt wieder ſehr verſchiedene Grade, geringeres und größeres, und ſehr
verjehiedenen Umfang ; einſeitiges, mehr=-, viel=, allſeitiges Talent. Daß der Zögling „talent-
voll“ ſei, kann und darf ebenſo wenig vorausgeſeßt werden, als daß es der Erzieher ſei.
Hat der Zögling Talent, ſo muntere ihn der Erzieher in der rechten Weiſe auf, ohne ihn
eitel zu machen. Dem einſeitigen Talente darf die Anſtrengung in den anderen Fächern,

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