246 Temperament „ o- - Theater
verweiſt, Iſt es nicht ganz natürlich, daß man, wenn in der Mineralogie oder, wo Chemi
gelehrt wird, in diejer die Lehre der Benußung und techniſchen Behandlung der Mineraliei
mit anſchließt? Fügt ſich nicht an die Beſprechung der Seidenraupe naturgemäß die vo1
der Herſtellung der Seide an? Und ſo wie hier iſt es ja mit dem übrigen technologiſche
Stoffe auch. Dieſe Verſchmelzung hat aber den Vortheil, daß ſie einestheils einzelne fü
den Körper trockene Partieen (3. B. in der Mineralogie) lebendig und anziehend zu mache1
vermag, anderentheils Abwechslung bietet, aber zugleich zuſammen läßt, was zuſammen
gehört. Ein technologiſches Syſtem wird hierbei freilich nicht erzielt, das iſt aber auch nu:
Aufgabe der Fach- und Berufsſchule, nicht der Volksſchule. Mehr als dieſer rheoretiſche Untex:
richt aber wirkt die Einführung in die Werkſtätten unſerer Gewerb3lente und der Beſuch von Eiſen:
hüttenwerken, Gla8=, Porzellan= und anderen Fabriken u. ]. w. Anſchauung wirkt auch hier
wie anderwärts das Meiſte und intereſſirt mehr, als Redner und Buch. Recht gut durch:
geführt finden wir die Verſchmelzung der Technologie und Mineralogie in dem 3. Theil!
von Leunis Sculnaturgeſchichte. Sehr zu empfehlen für das Selbſtſtudium der Technologi!
iſt das bei Spamer in Leipzig erſchienene „Buch der Erfindungen", beſonder8 auch wege
Reichhaltigkeit und Wortrefflichkeit ſeiner Bilder.
Temperament bedeutet eigentlich „Miſchung.“ Die alte Naturphiloſophie und Medici
(Hippokrates und Galen) wollte die leibliche wie die geiſtige Verſchiedenheit der Menſcher
aus den Miſchungen gewiſſer Grundſtoffe erklären. Man unterſchied da38 ſanguiniſch:
(griechij<-hämatijche), das Blut, die gelbe, die ſchwarze Galle oder der Schleim vorwöge. Als die Lehre vo1
den Temperamenten in der Medicin längſt aufgegeben war, erhielt fie ſich doch in de
Pſychologie, wenn auch mit mannigfachen Umdeutung3verſuchen. Der Einblick in die Sach!
wird dadurch etwas erſchwert, daß zwei verſchiedene Eintheilung8gründe ſich hier durchkreuzen
einmal die Schnelligkeit, andererſeit3 die Tiefe des Temperamentes. DOberflächlich-ſchnell:
janguiniſch, oberflächlich-langſam-phlegmatiſch, tieſ-ſchnell- E3 verſteht ſim wohl eigentlich von ſelbſt, daß kein Menſch der ganz reine Aus8druck einei
einzigen Temperamentes iſt; immer ſind Miſchungen von 2, 3, ja vollen 4 Temperamentei
zu beobachten. Die hervorragendſten Männer der Weltgeſchichte ſind meiſt Choleriker ge:
weſen : Luther, Napoleon. Alcibiades war dagegen ein Sanguiniker, der Philoſoph Herakli
und der Prophet Jeremias Melancholiker. Von Phlegmatifern iſt eine außerordentlich
Bedeutung gar nicht zu erwarten. Die verſchiedenen Temperamente ſind auch in der Er
ziehung wohl zu berückſichtigen : die langſamen Temperamente bedürfen des Sporne8, di
j müſſen Anleitung empfangen, unter Umſtänden, d. h. wenn die Sache eben unbedeutent
iſt, dieje leicht zu nehmen. In der DiSsciplin machen Choleriker die meiſte Noth, im Lernet
die Phlegmatiſhen, im Behalten die Sanguiniker. Melancholiker ſind in der Jugend =
Gott jei Dank! -- jelten. = Bisweilen empfiehlt e3 ſich, Schüler von entgegengeſeßtei
Temperamenten neben einander zu ſeßen, damit ſie ſich gegenſeitig anregen oder mäßigen
Texrorismus, ſ. Härte.
Theater, Thenterſpielen. Das Theater, dieſe Welt auf den Bretern, wird neuerding:
vielfach als Erziehungsmittel für die Menſchheit geprieſen, wohl oft in übertriebener Weiſe
Hier handelt es ſich jedoch nur darum, ob man Kindern den regelmäßigen Beſuch de:
Theaters geſtatten joll und darf. Die Antwort muß entſchieden verneinend ausfallen
Wenn man von irgend einer Seite der Cröffnung de8 Theaters für die Jugend das Wor
reden wollte, jo könnte man überhaupt nur ſolche Bühnen im Auge haben, welche da:
Vortrefflichſte in der Darſtellung zu leiſten im Stande ſind, und dieſe findet man bekannt:
lich nur in den größten Städten. In kleinen Orten ſinken die Acteur38 nicht ſelten zu
völligen Carikatur herab. Auch könnte ſich die vortheilhafte Meinung nur auf ſolche Theater:
ftücke beziehen, welche vom reinſten Geiſte durc verſtändlic< ſind, und deren giebt e8 nur wenige. Aus beiden obigen Bemerkungen geh
zur Genüge hervor, daß das Theater als allgemeines Erziehung3mittel für die Jugen!
nicht gelten kann. Aeltern, welche ihre Kinder häufiger in's Theater führen, haben meiſ
nur die Beluſtigung derjelben im Auge, ein Zweck der durc

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