248 - Thiere -
hat geradezu die unabwei8bare Pflicht, ſich um die Theorie ſeine8 Berufes zu kümmern
„Zn der Erziehung ſelbſt hat die Theorie eine viel zu große, die Praxis eine viel zu unter
geordnete Nolle geſpielt. Dem Kinde iſt niemals eine bloße Theovie vorzupredigen ; imme
ſind Beiſpiele umd, was die Hauptſache, praktiſche Uebungen damit zu verbinden, Gram
matiken, die nicht zugleich Uebungs8bücher ſind, taugen für den Jugendunterricht nicht8. E
iſt das große Verdienſt Fröbel?8, den Grundſchaden der früheren Erziehung, das einſeitig
Vorwiegen der bloßen, leeren, abſtracten Theorie erkannt und ausgeſprochen , ſowie de
rechten Weg, der einzuſchlagen ſei, vielfach bereit8 ſelbſt gewieſen zu haben. Die Verſöhnun
von Theorie und Praxis, Schule und Leben hatte ſich Fröbel als eine ſeiner Hauptaufgabe
geſtellt, und er gerade konnte ſich dieſe Aufgabe ſtellen, weil ex ſelber aus der Praxis =
er war Forſtlehrling, Landwirth, Landvermeſſer, Architekt =- hervorgegangen war. Meh
und mehr fängt man bereits an, die Fröbel'ſchen Kindergartenbeſchäftigungen auch in di
Volksſchule einzuführen.
Thiere (der Kinder Verhalten gegen dieſelben). Der Menſch iſt mitten i
die Natur hineingeſcßt, damit er ſie erforſche und ſich an ihr heranbilde zu ihrem Herr
nicht zu ihrem Tyrannen. Er ſoll ſtet8 deſſen eingedenk ſein, was ex ihr zu danken hat un
darum wohl feine Macht benußen, doch nicht mißbrauchen. Was bis jekt vom Allgemeine
gejagt wurde , gilt ſpeciell auch von ſeiner Stellung zu den Thieren. Es iſt Gotte8- un
Naturordnung, daß er ſie für ſeine Zwecke heranziehe und benuße, aber nicht, daß er |
unnüßer Weiſe tödte oder ſie quäle. Daß in den aufſwachſenden Generationen dieſe Gc
vanken immer mehr Plaß greifen und ſich in ihrem Verhalten gegen die Thiexe zur Thc
gejialten, muß die Erziehung zu erzielen ſuchen. Das Erſte iſt hierbei, daß man die Kind
jo jſrühzeitig als nur möglich in Verbindung mit der Thierwelt bringt, damit ſie dieſell
zunächſt kennen und ſodann lieben lernen. C3 giebt kein beſſeres Mittel, das dem Miſ
brauche der Dinge Thor nud Niegel entgegenſeßt, al8 die Kenntniß derſelben. Dieſe da:
ji aber nicht nur auf die Geſtalt und den Bau des Körper3 beziehen, ſondern muß ſic
auch auf das Leben derſelben erſtrecken und ſo zeitig al8 möglich in ihren Anfängen e
rungen und ſtetig fortgeführt werden. Der Einſicht wird das Bewundern, dieſem die Liek
folgen. Den beſten Ausgang dürften hierbei die Hausthiere bieten, die das Kind tägli
umgeben und deren Eigenſchaften und Nußen vom Kinde ſelbſt ohne beſonderen Hir
weis leicht erkannt werden. Selbſtverftändlich hat man ihnen mit beſtem Beiſpiele in dc
Behandlung derjelben voranzugehen. Bei kleinen Kindern iſt zur Bildung des Gefühle
jür die Thiere das Erzählen von Thierfabeln und das Einprägen von Ver8chen, die ſi
auf Thiere beziehen , nicht genug zu empfehlen, wie auch, daß man ihnen möglichſt tre
nachgebildete Thiere als Spielzeug bietet. Nie leide man aber, daß ſie Thiere quäle
etwa Käfern die Beine, Schmetterlingen die Flügel ausreißen. Nicht deute man ſolch? Ve:
jahren jogleich al8 Bosheit, ſondern mehr als aus Unwiſſenheit hervorgegangen und ſel
ſich deshalb veranlaßt, das Kind darüber zu belehren, daß auch das Thier Gefühl beſt!
und daß ihm de8halb Mißhandlung weh thut. Sollte dies aber nicht helfen, dann |
körperliche Züchtigung am rechten Orte, wie ſonſt nirgend8. Wa3 das ſchulpflichtige Alt
inöbeſondere betrifft, ſo iſt beſonders durch den Unterricht in der Zoologie dahin zu wirke
daß das Kind einen für ſeinen geiſtigen Standpunkt möglichſt gründlichen Ginbli>> in dc
Getriebe der Thierwelt ſeiner Heimath erhält. Es iſt dies ja um ſo leichter zu ermd,
lichen, je mehr man ſich auf das Vaterländiſche beſchränkt, allen gelehrten Kram verban
und die Überzeugende Anſchauung zur Hauptſache macht, alſo alles bloße Gerede von d-
Thieren aus der Schulſtube hinausweiſt. Sicht das Kind 3. B. das Gebiß des Mau
wurſes, wird es ſich ſagen , daß er verleumdet werde, wenn man ihn de3 Wurzelfraß
beſchuldigt und wird ſich nicht hergeben, den Henker8knecht zu ſpielen. E3 werde beſonde
darauf aufmerkſam gemacht, wie Unwiſſenheit in der Natur ſich von jeher gerächt hat m
wie die Natur bemüht iſt, einen harmoniſchen Zuſtand zu erhalten, was aber oft dur
den Menjchen in ſeiner Kurzſichtigkeit vereitelt wird. So wird ſeine Einſicht zum Regulat
jeines Handelns. -- Um die Selbſtthätigkeit zu fördern, empfehle man die Anlegung v1
Sammlungen, ſorge dabei aber dafür, daß keine Eier aus den Neſtern der Vögel geho
daß Inſjecten auf die ſchnellſte Weiſe, ohne Qual zu empfinden, getödtet werden und di

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