Pbrdß oo H | * Hebereilung- 261.
eigene Thätigkeit des Rindes Hiebevoll anregt, Fortſchritte gern anerkennt und dem Kinde
zum Bewußtſein bringt und alle Errungenſchaften der Lernthätigkeit in's praktiſche Leben
einzuführen bemüht iſt. Zum zweiten : Gegenſtände, welche der Faſſungskraft der Kinder
noch zu fern liegen, gehören nicht in die Schule. Wer 14 jährige Kinder -ſo unterrichtet
verlangt, daß ſie mit allen Zweigen der Wiſſenſchaft vertraut ſind, iſt kein Pädagog und
hat bei Beantwortung dieſer Fragen keine Stimttte. Von dem Unterrichte der Volksſchule
muß beiſpielsweiſe jern bleiben die theologiſche Dogmatik, die eigentliche Mathematik als
Wiſſenſchaft , aus Phyſik und Chemie alles das, was über die ſaßlichſten Experimente
und ihre Beſprechung hinausgeht , und der fremdſprachliche Unterricht ſollte nur inſoweit
Berücſichtigung finden, al8 er den Bedürfniſſen des praktiſchen Leben8 dient. Dann würde
dem HUeberdrujje fräſtig begegnet werden, ohne die Bildungsſähigkeit unjerer Schulen her» .
abzudrü>en. Die dritte Erſcheinung, daß allgemeiner Lernüberdruß da vorkommt, wo man
dem Kinde überhaupt zu viel zumuthet, bedarf kaum einer Beleuchtung. Unſere Zeit leidet
leider an dem Fehler, daß fie die Kinder in ihren Kräſten überſchäßt und ihre Forde
rungen an ſie überſpannt. Wenn Kinder täglih 7 Schulſtunden, daneben 1--2 Stunden
bei Vollendung ihrer Hausauſgaben und Abwartung ihrer Privatſtunden, unter denen neuer=
dings die muſifalijchen zu der Modeſache geworden find, abſißen müſſen, dann muß Ueber-
vdruß eintreten, ſelbſt unter den ſtrebſamſten. Hier ſollte bald und gründlich geholfen werden.
Au3 den drei Haupterſcheinungen des Ueberdruſſe3 gehen alſo folgende drei Abhülfsmittel
deutlich hervor : Geſchickte Methode, Ausſcheidung ungehöriger Stoffe und größere Schonung
der findlichen Natur. Daß Zwang und Vorwürſe den Ueberdruß nur verſtärken, liegt auf
der Hand.
VNebereiſung. Unter den Tugenden de38 Lehrer3 ſteht die Ruhe und Beſonnenheit
obenan. Ruhiges , lükenlojes Vorwärtsſchreiten beim Unterrichte iſt eine Hauptforderung
der Pädagogik und gleicherweiſe Ruhe und Beſonnenheit bei der Handhabung der Dizciplin.
Mlle Eile muß von der Schwelle der Schulſtube verbannt ſein. Dennoch iſt der Anfänger
im Lehramte nur zu ſehr geneigt, fich zu übereilen. Ex vergleicht gern fein Können und
Wiſſen mit dem ſeiner Zöglinge und findet die Kluft gewöhnlich ſo gewaltig, daß er aus
Beſorgniß , dieſelbe ſei auf dem Wege des langſamen Fortſchrittes nie auszufüllen , ein
Haſten und Jagen nac< den ſelbſt vorgeſte>ten Zielen beginnt, welches für ihn, wie für
"die Schüler gleich aufreibend werden und doch ſchließlich erfolglo8 bleiben muß. Der Grund
ſeiner Uebereilung liegt hier in dem Mangel eines guten Strebzieles. Nicht der Stand»
punkt des Lehrer8 , wie jo viele beim Unterrichten im Auge haben, ſoll vom Schüler ex-
reicht werden. Es iſt daher unerläßlich, beſonder8 dem jungen Lehrer hierin zu Hülfe zu
kommen dadurch, daß ihm ein guter, bis in'3 Einzelne gegliederter Lehrplan vorgelegt und
ex genöthigt werde, ſich und ſeine Thätigkeit demſelben genau unterzuordnen. Ein anderer
Grund der Uebereilung im Unterrichte iſt der Ehrgeiz. Beſonders in größeren Collegien
entſteht leicht das falſche Streben, mehr zu erreichen als Andere oder früher am Ziele zu
jein als feſtgeſeht iſt. Das Mehr, was erreicht werden ſoll, wird al8dann gewöhnlich im
extenſiven Wiſſen geſucht , weil dieſe Art der Bereicherung des Schüler38 leicht auch dem
Laien in die Augen fällt und durch gewiſſe Hülfsmittelhen unſchwer zu erlangen iſt. Dem
jollte überall dur< das ſtrengſte Urtheil der Fachgenoſſen und durch die feſte Beſtimmung
entgegengetreten werden , daß die Erreichung eines erweiterten Ziele8 oder ein zu frühes
UVeberſchreiten der im Plane geſteckten Grenzen geradezu unſtatthaft iſt. Endlich folgt die
Uebereilung ſehr gern auch nach vorausgegangener Trägheit und Verſäumniß. Wenn der
Zahre3ſchluß und die Prüſung3zeit heranrüt, dann ſchlägt dem Säumigen das Herz, und
ex ſucht mit Haſt oberflächlich das noch zu erreichen, was aufgewieſen werden muß, wenn
er ernſten Rügen entgehen will. Eine gute Controle iſt in dieſem Falle das wirkſamſte
Scußmittel. Daß jolche Uebereilung im Unterrichte höchſt verwerflich iſt, liegt auf der
Hand. Sie befördert die Lüc>kenhaſtigkeit, beſonder8 in den Köpfen der Schwächeren ; denn
der Eilende muß Sprünge machen, die ſich in der ſpäteren Zeit ſchwer rächen ; ſie erzeugt
hohle Vielwiſſerei ohne Gründlichkeit, ſie befördert den Gedächtnißcnltus und iſt ein Feind
der Verſtande8bildung und endlich erzeugt ſie leicht Abſpannung und Intereſſeloſigkeit.
Auch vor der Uebereilung auf dem Gebiete der Disciplin kann nicht genug gewarnt.werden,

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