264 Ueberreden Hebungen
Demüthigung bei Beleidigung Erwachſener, und im äußerſten Falle darf der Erzieher auch,
um dem Yebermüthigen das Ueberwiegen fremder Gewalt recht anſchaulich darzuſtellen, von
der körperlichen Züchtigung Gebrauch machen.
Yeberreden, Der Lehrer und Erzieher muß entweder ſeinen Zögling durch gründ=
liche Beweiſe von der Wahrheit des ihm Geſagten und Gelehrten und von der Nothwendig-
keit der Befolgung des ihm Ge= und Verbotenen überzeugen, und muß weiter durch die
Macht ſeiner Autorität jeden in der entgegengeſezten Meinung oder in dem widerſtreben-
den Willen des Zöglings begründeten Widerſtand desſelben aufhehen oder überwinden,
nict aber darf der Lehrer und Erzieher ſeinen Zögling durch vieles Reden oder wohl
gar durc< Scheingründe für ſeine (des Lehrer8 und Erzieher38) An= und Abſichten gewinnen
wollen ; denn damit würde er eine höchſt bedauerliche Schwäche verrathen , die ſicher ſehr
bald von ſeinen Pflegebefohlenen ausgebeutet werden würde.
Neberſeßen, j]. Franzöſiſche Sprache.
Ueberwachung» Unter Ueberwachung verſtehen wir die Aufmerkſamkeit des Erzieher3
auf die Thätigkeit und das Verhalten ſeines Zöglinges auch in den Zeiten, in denen
Lehterer der unmittelbaren Aufſicht des Erſteren entzogen iſt oder ſich entzogen glaubt.
Da das Kind vor den Augen des Lehrers oder Erzieher3 ſich meiſt zuſammennimmt und
jich zuweilen recht gefliſſentlich in ein gutes Licht zu ſtellen ſucht; da aber Jenem gerade
daran liegen muß, eine recht genaue Kenntniß des ſittlichen Zuſtandes ſeiner Zöglinge zu
beſihen ; da endlich bei engerem unbewachten Zuſammenleben der Kinder unter ſich leicht
manches moralijhe Uebel entjiehen und oft gar zu einem ſchwer heilbaren erwachſen kann,
jo iſt die Ueberwachung derſelben durchaus nothwendig, wenn auch nach den Individuen
und den Umſtänden in ſehr verſchiedenem Grade. Sie iſt um ſo nöthiger, je jünger oder
je jmwäcer in jeiner Sittlichkeit ein Zögling iſt, und kann mit zunehmendem Alter und
größerer Feſtigkeit entbehrlich werden ; ſie iſt nothwendiger in geſchloſſenen Anſtalten , in
denen die Zöglinge nur wenig mit der Außenwelt in Berührung kommen, als in Schulen,
die die Kinder nur einen Theil des Tages behalten ; ſie iſt nothwendiger bei verſchloſſenen
oder verſtecten Charakteren, al8 bei offenen und zutraulichen. Bei aller Sorgfalt für eine
gute Erziehung darf man aber in der Ueberwachung nicht zu ängſtlich oder gar peinlich
jein, da durch diejelbe ſonſt leicht Mißtrauen zwiſchen Lehrern und Schülern erzeugt werden
fJann, wohl auch unter Umſtänden die Kinder erſt auf gewiſſe Unarten aufmerkſam werden
können. Auch vergeſſe man nicht, die Ueberwachung zur richtigen Zeit, d. h. mit beginnen=-
der Selbſtändigkeit aufhören zu laſſen, da dem angehenden Jünglinge Nichts peinlicher iſt,
als das Bewußtſein , fortwährend unter unſichtbarer Controle zu ſtehen. Ein nicht ganz
berdorbenes Gemüth wird das Vertrauen ſeines Erziehers ſicher zu rechtfertigen ſuchen.
Ueberzeugung iſt eine Erkenntniß, welcher der Wille zugeſtimmt hat, die alſo auf
unſer Verhalten beſtimmend wirkt und die auch Andern gegenüber vertreten und behauptet
wird. Der reife Menſch, vor Allem der Mann, muß eine feſte Peberzeugung haben ; die-
jelbe ijt auch ein grundweſentliches Erforderniß des rechten Erzieher3. Da3 Gebiet der
Peberzeugung iſt ein ſehr mannigſaltiges: Religion , Bolitik, Pädagogik 201. Das Zdeal
wäre, immer nur nach eigener Ueberzeugung zu handeln. Dych iſt das im Gliedbau der
menſchlichen Geſellſchaft nicht immer möglich: Der Soldat, der Beamte, der Lehrer wird
bisweilen gezwungen , wider ſeine Ueberzeugung zu handeln. Ein Lehrer ſtellt ſeinem
Rector, der Rector den Behörden ſeine abweichende Ueberzeugung mit Angabe der Gründe
eindringlich, aber beſcheiden vor, und er wird häufig Erfolg erzielen. Es iſt eine ſehr
zarte Grenze, bis .zu welcher Jemand nachgeben und ſeine Ueberzeugung aus Pflichtbewußt-
jein verleugnen darf. Im äußerſten Falle, ſobald das „Gewiſſen“ in Frage kommt, iſt
Auſgabe des Amtes die einzige ſittliche Löſung des Widerſtreites. Von der Jugend iſt
eine wirkliche Ueberzeugung nicht zu verlangen; der Erzieher kann und ſoll jedoch der
Bildung einer jolchen vorarbeiten, indem ex einestheil3 die Erkenntniß, anderentheil8 den
Willen oder Charakter und endlich die wechſelſeitige Uebereinſtimmung Beider im Zöglinge
nach Möglichkeit fördert.
Nebungen (Exercitien). Unumſtößlich wahr iſt das Wort der Philoſophie auf der
Gaſſe: „Pebung macht den Meiſter.“ Nur durch ſolche können Fertigkeiten erzielt werden,

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