Unteilehrer EEN - Materi 27
Ausbruch epidemiſcher Krankheiten (3. B. Scharlachfieber, Pocken) und dur allzu große Hiße-
an Sommer-Nachmittagen erforderlich werden. Ueber leßtere ſeien hier einige Worte geſagt.
Heiße Luſt ruft Erweiterung der Blutgefäße mit Blutüberfüllung (man erkennt ſolche deutlich
an. dem ſjichtlichen Hervortreten der Venen) und Störungen in der Thätigkeit des Organi8smus
hervor, welche ſich beſonders durch Mattigkeit und Schlaffheit der Musculatur und des Ge-
hirnes zu erkennen geben, Die Folge davon iſt, daß die Erfolge des Unterrichtes nicht
bloß gleich Null werden, ſondern daß ſolcher Unterricht Geiſt und Leib ſchadet. Sobald die
Luſt im Freien früh 9 Uhr 19 R, erreicht, ſollte der Nachmittags - Unterricht ausgeſeßt
werden. Wo man an dem völligen Ausfall der Stunden Anſtoß nimmt, könnte, wenn es
die örtlichen Verhältniſſe geſtatten, durch Beginn des Unterrichtes in den früheren Morgen-
ſtunden das Uebel gehoben werden ; wo es ſich aber nicht ändern ließe, müßte der Lehrer
dadurc< für jeine Schulkinder ſorgen, daß er größere Pauſen innerhalb der Unterricht3zeit
eintreten ließe, in welchen die Kinder ſich frei bewegen könnten, beſonders im ſchattigen
Freien, und daß er in der Schulzeit nur die Bewältigung leichter Penſen forderte. Ob
dem Ginzelnen freizugeben iſt, muß dem Tacte jedes Lehrer8 überlaſſen bleiben, es laſſen
ſich allgemein giltige Regeln hier nicht geben. =- Unterbrechung des Unterrichtes durch nicht
In die Schulſtube gehörige Perſonen (kläffende Weiber, erhitzte rohe Männer) iſt durch das
Geſeß verboten. Findet ſie dennoch ſtatt, ſo hat man zunächſt auf das Geſehwidrige der
Handlung aufmerkſam zu machen, und folgt dem nicht ein Zurücktreten , Anzeige an die
zuſtändige Behörde zu machen. Gut iſt es auch, wie wir es vielfach in Gemeindeſchulen
(Armenj Papier mit dem Inhalte, daß der Ein-
tritt während der Schulzeit verboten ſei, an der Außenſeite der Schulſtubenthüre anzubringen.
Unijerlehrer (Hülfslehrer, proviſoriſcher Lehrer, Schulverweſer) werden
diejenigen Lehrer genannt, welche nicht auf Lebenszeit, ſondern nur auf Kündigung oder nur
auf eine gewiſſe Zeit angeſtellt werden. Jeder Sculamts8candidat iſt geſeßlich verpflichtet,
eine Zeit lang (2 bis 5 Jahre) als Unterlehrer zu wirken und kann erſt nach Ablauf der=
jelben Anſpruch auf feſte Anſtellung erheben. Das Verhältniß der Unterlehrer zu den defi-
nitiv angeſtellten Lehrern iſt verſchieden ; an einigen Orten ſind ſie bei=, an anderen unter-
geordnet. Auch das Zahlenverhältniß iſt verſchieden. In Sachſen 3. B. darf die Zahl der
Hülſslehrer in Städten nur den ſechſten , höchſtens ſünſten Theil aller Lehrer au8machen ;
das badiſche Sculgejeß beſtimmt, daß an einer Schule, wo zwei oder drei Lehrer wirken,
einer derjeliben als Unterlehrer anzuſtellen iſt.
Unterricht. Um ſeinen Zweck, die ſchlummernden Anlagen zu wecken , die geweckten
durc< Uebung zu ſtärken, und den zu erſtarkenden die rechte Richtung zu geben, gewiß zu
erreichen, bedarf der Erzieher auch des Unterrichtes. Erziehung und Unterricht ſtehen in
enger Verbindung. Darum redet man von einem erziehenden Unterrichte und einer unter-
richtlichen Erziehung. Das Wort unterrichten wird in verſchiedener Bedeutung gebraucht.
Zm allgemeinſten Sinne des Wortes bezeichnet man damit die Thätigkeiten, welche auf
Aneignung von Kenntniſſen und Fertigkeiten abzielen. In dieſe Definition iſt der Selbſt-
unterricht, d. i. derjenige Unterricht, welcher die Einwirkung einer zweiten Perſon verſchmäht,
mit eingeſchloſſen. Gewöhnlich verſteht man jedoch unter „Unterricht“ die Thätigkeiten eines
Lehrer3 , - welche die allſeitige harmoniſche Entwickelung der geiſtigen Anlagen und Fähig-
keiten des Schüler3 und der Bereicherung desſelben mit Kenntniſſen und Fertigkeiten , die
er für jeinen beſonderen Stand und ſeine Verhältniſſe bedarf, beabſichtigt, oder kürzer
geſagt, man verſteht darunter die abſichtliche und planmäßige, an beſtimmte Grundſäße
ſich anſchließende Mittheilung von Vorſtellungen und Geſchicklichkeiten. Der Zwe des Unter=
richtes ergiebt ſich aus den gegebenen Begriffsbeſtimmungen ; bezieht man aber das Unter-
richten, wie gewöhnlich, auf die lernende Jugend, für welche der Unterricht einmal auſhört,
jo könnte man den Zweck desſelben auch ſo beſtimmen: Bringe die Lernenden dahin, daß
ſie, wenn die Unterrichtözeit vorüber iſt, Luſt und Fähigkeit beſißen , ſich jelbſt zu unter-
richten. = Hinſichtlich des Hauptzweckes , den der Unterricht verfolgt und hinſichtlich der
Gegenſtände, auf welche er ſich erſtre>en kann, unterſcheidet man verſchiedene Arten des
Unterrichtes, Sieht man zunächſt vorzugs8weiſe auf die innere Beſchafſenheit desſelben, ſo

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