280 Unterrichtsbriefe NIE - HUnterrichtsgegenſtände
komme beim fortgeſeßten Unterrichte häufig auf dieſelben zurück. Ohne feſt eingeprägte
Elemente bekommt alles Nachſolgende keinen Halt, Der Zeitaufwand bei den Anfangs3=-
gründen, den man nicht ſelten für Zeitverluſt anſieht, iſt nur Zeitgewinn. Hiermit ſteht
die Regel : Repetitio mater est stndiorum in naher Verbindung, 3) Wähle ſtet3 eine
den verſchiedenen Unterricht8gegenſtänden angemeſſene Lehrform, Die hiſtoriſchen Gegen-
ſtände 3. B. verlangen eine andere Lehrſorm als die rationellen (ſ. Lehrformen),
d) Didaktiſche Negeln, wel wa3 nac< dem Standpunkte der Schüler nict dur Gleichungen in der gewöhnlichen Landſchule, Hier iſt alle Zeit auf das rein praktiſche
Rechnen zu verwenden. 2) Nichte auch bei einer großen Schülerzahl dich mit dem Unter-
richte jo ein, daß Alle durch denſelben möglichſt gewinnen. 3) Berückfichtige beim Unter-
richte das Eigenthümliche der Zeit, in der du lebſt. Zeigte ſich z. B. zu einer beſtimmten
Zeit auf dem Gebiete des religiöſen Lebens Myſticiömus, Pietiamus, oder Jrreligioſität
und Frivolität, jo müßte der Lehrer durch einen recht klaren, nüchternen Religion8unkerricht
dieſen giftigen Answücjen entgegenarbeiten. 4) Laß beim Unterrichte die beſonderen Ver-
hältniſſe des Ortes, an welchem du lebſt, nicht unbeachtet. Schon Dorf und Stadt ſind
in ihren Verhältniſſen ſehr verſchieden, und die Werhältnißverſchiedenheit darf beim
Unterrichte nicht überſehen werden. Der Lehrer hat dieſelbe z. B. bei der Wahl der
Beiſpiele, durch welche er den Lehrſtoff zu erläutern ſucht, zu berückſichtigen. Auch die Lage
des Orte8 bleibt nicht ohne Einfluß. Für das Kind einer Seeſtadt wird manches Beiſpiel
paſſen, welches für das Kind einer Gebirgsſtadt oder des Flachlandes geradezu unpaſſend
wäre. = Kehr ſtellt in ſeiner „Praxis der Vollsſchule“" an den Unterricht, wenn er er-
ziehend wirken ſJoll, 4 Forderungen, nämlich „er muß wahr, praktiſch, klar und dauerhaft
jein“, amd jpricht ſich über den rechten Unterricht folgendermaßen aus: „Wo es der Unter-
richt nur mit dem Aneignen von todtem Wiſſen zu thun hat; wo nur auf ein mechaniſches
Mittheilen von Kenntniſſen und Geſchilichkeiten, auf ein äußerliches Lernen und eine lebens-
leere Anhäufung von todtem Wiſſen8material geſehen wird; wo die Kenntniſſe nur an der
Anßenjeite hängen bleiben und keinen Halt im Geiſte haben ; wo der Unterricht nicht auf
das. Können, auf den ſreien ſelbſtändigen Gebrauch des Erlernten hinleitetz wo er nur
eine Seelenkraſt des Kindes entwickelt, den Verſtand oder va8 Gemüth des Kindes ein-
ſeitig auf Kojten der anderen Kräfte pflegt und nicht jene Harmonie der Kräfte erſtrebt,
aus welcher jich erſt wirkend da38 wahre Leben erhebt; wo er dem Schüler nicht Friſche
und Kraft, nicht Luſt und Begeiſterung für den Unterricht beibringt, alſo, daß ihn nicht
allein der Stoff, jondern auch die Art und Weiſe des Vortrages feſſelt; wo der Unterricht
nicht auftlärend und anregend wirkt, nicht an Ordnung, Beſonnenheit und Ruhe gewöhnt,
niht willensſeſte Charaktere bildet, heilige Cmpfindungen erzeugt und innerliche Stärke
giebt : =- da kann freilich von einem erziehenden Unterrichte nicht die Rede ſein, und der
Lehrer kann nicht jagen, daß er unterrichtend erziehe und erziehend unterrichte.“
Nnterrichisbrieſe. Dieſelben ſind ein in neueſter Zeit mehrfach in Gebrauch gekommenes
Unierrichtömittel, Sie wollen den Lehrer bei Erlernung gewiſſer Lehrfächer entbehrlich machen ;
allein denjelben vollſtändig zu erſeßen vermögen ſie nicht, ſie werden immer nur ein Sur
rogat bſeiben, wenn ſich auch nicht in Abrede ſtellen läßt, daß bei einem gewiſſen Grade
von Intelligenz und bei großer Au8dauer und angeſtrengtem Fleiße mitunter Erſprießliches
durc< ihre Benuhung erreicht werden kann. Vorzugsweiſe ſind Unterricht3briefe behufs Er=
fernung fremder Sprachen erſchienen, und eine ganz beſondere Anerkennung und in Folge
deſſen Verbreitung haben die „Touſſaint-Langenſcheidt'ſchen Unterricht8briefe" zur Erlernung
der franzöſiſchen und engliſchen Sprache geſunden.
Nnterrichtsgegenſtände , Unterrichtsſtoff. Nach der neueren Schulgeſeßgebung von
Baden (1868), Anhalt (1850), Gotha (1863), Zürich (1859), Württemberg (1856 und
1865), Preußen (Allg. Beſtimmungen v. 15. Oct. 1872), Sachſen (Entwurf 1871) laſſen ſich
folgende Unterrichtsgegenſtände als übereinſtimmend auftretend anführen : Religion, deutſche
Sprache , Lejen , Schreiben , Rechnen, Erd= und Naturkunde, Geſang. Nicht überall find
vorgeſchrieben : Geometrie, Zeichnen, Turnen, weibliche Handarbeit, und zwar läßt ſich nach
den genannten einzelnen Ländern folgende Ueberſicht geben :

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