worden , ſeht ſich alſo die üble Neigung ſelbſt beim. Vorhandenſein eine8 angemeſſenen. Dm
fitllichen Fond8 noh fort, dann ſteht es freilich ſchlimmer, al8dann reicht auch die einfache
Abgewöhnung nicht mehr aus, dann ſind tiefere Gründe vorhanden , -Quellen, aus denen
die -Untugend immer neu ausfließt. Der Erzieher ſuche nun dieſe Quellen auſ, und ver-
ſtopfe ſie. Namhafte Erziehungslehrer führen als ſolhe an: NUebergroße Lebhaftigkeit,
natürliche Trägheit, Egoismus uns ſtarke Reizbarfeit. Ueberhaupt behalte der Erzieher ſtets
im Auge, daß feine Untugend vereinzelt daſteht, ſondern daß alle mit einander engen Zu-
ſammenhang haben, daß e3 alſo auch nicht möglich iſt, auf die Beſeitigung der einen
hinzuwirken, ohne dem ganzen Menſchen einen allgemeinen moraliſchen Sinn einzuimpfen.
Unwille iſt eine Gemüth83bewegung, welche durch irgend etwas Störendes (Weſenwidriges)
hervorgerufen wird, namentlich durc geſchloſſen). Der Unwille iſt keines8wegs „Wille“, wie der Name zu beſagen ſcheint, ſondern
er iſt Gefühl, und zwar Gefühls8- (Gemüth8=) Bewegung, welche freilich wieder Anlaß zu
Wollen und Thun werden kann. Der Unwille iſt in ſoweit berechtigt, als ſein Grund
(bez. Gegenſtand) eiwas wirklich Schlechtes , Verwerſliche3 iſt. Der gerechte Unwille über
etwas Unwürdiges oder die ſittliche Entrüſtung (Indignation) iſt ein weſentliches Merkmal
eines wahrhaft guten und tüchtigen Menſchen. Der Unwille iſt unberechtigt und thöricht,
wenn er ſich auf Naturvorgänge (z. B. wenn es regnet,) bezieht; er iſt verkehrt und ver-
werflich, wenn er ſich auf Vorzüge und hervorragende Leiſtungen Anderer bezieht (ſ. Mit=
gefühl). Der Erzieher hat die Pflicht, ſich zu hüten, über jede Kleinigkeit unwillig zu
werden, hingegen ſoll er ſeinen Unwillen über das Schlechte offen und nachdrücklich äußern
(j. Zorn). Ebenſo hat er dem Unwillen ſeiner Zöglinge, ſoweit er unberechtigt iſt, ent=
gegen zu treten, ſei es durch ernſte Vorſtellung, oder heiteren Scherz (]. Wik), joweit
derſeſbe jedoch berechtigt iſt, ihn anzuerkennen , zu verſchärfen oder zu mäßigen , auf alle
Fülle zu veredeln!
Urlaub. Wenn ein Lehrer aus anderen Gründen als ſolchen, die das Verwalten des
Amtes ihm unmöglih machen, den Schulunterricht ausſeßen, reſp. dur< einen Stellvertreter
verwalten laſſen will, fo muß er dazu um Urlaub, d. h. die Erlaubniß der vorgeſekten
Behörde nachſuchen. Dieſer Urlaub kann aus verſchiedenen Gründen ertheilt werden, über
deren Zuläſſigkeit im einzelnen Falle diejenige Behörde entſcheidet, die den Urlaub zu be-
willigen hat. Die geſeßlichen Vorſchriſten hierüber ſind verſchieden, kommen jedoch darin
überein, daß zu einem kurzen Urlaub (von einigen Tagen) nur die Einwilligung der un-
teren Behörden erforderlich iſt, während längerer Dauer desſelben die Genehmigung der
höheren oder höchſten Schulbehörden bedarf. So ertheilt in Preußen der Specialauſſeher
Urlaub bis zu drei Tagen, in Gotha für einen Tag der Vorſißende des Schulvorſtande3,
für drei Tage der Geſammtvorſtand ; eben ſo in Sachſen nach dem neuen Schulgeſeße,
während bi8her der Localſchulinſpector bis zu acht Tagen bewilligen konnte. In Heſſen-
Darmſtadt iſt der Ortsſchulvorſtand zu Ertheilung von achttägigem Urlaub berechtigt.
Längerer Urlaub kann nur von höheren Schulbehörden geſtattet werden, ſo 3. B. in Sachſen
bis vier Wochen vom Bezirksſchulinſpeckor, darüber nur vom Miniſterium des Cultus; in
Heſſen bi8 zu zwei Monaten von der Oberſtudiendirection u. |. w. Die Bewilligung des
Urlaubes hängt am Meiſten von der Möglichkeit einer geeigneten Stellvertretung ab. =- Auch
der Schüler bedarf des Urlaube, wenn er den Beſuch der Schule aus anderen Ur-
jachen al3 ſolchen, welche nach dem Geſetze als genügende Entſchuldigung8gründe für Scul-
verſäumniſje gelten, ausſeßen will. Dieſe Erlaubniß erhält er für den einzelnen Tag vom
Lehrer, bez. Schuldirector , für längere Zeit (bi8 zu mehreren Wochen) jedoch nur vom
Ortsſchulauſſeher oder dem Ortsſchulvorſtande.
%.
Vater. Nach der Naturbeſtimmung iſt die Mutter die Amme und der Vater der
- Lehrer des Kindes, beide aber ſind die Erzieher desſelben , und dies im ausgezeichneten
Sinne des Wortes. Wie der Bater Erzeuger des leiblichen Leben3, ſo ſoll er auch Erzeuger
des freien geiſtigen Lebens und als Haupt der Familie auch das Haupt der Erziehung

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