284 - Pattrland PVerantwortlihkeit
und der erſte Lehrer des Kindes ſein; Während dex Mutter beſonder8 Sanftmuth, Innig-
keit und Geduld geziemt, ſo dem Vater Ernſt und Feſtigkeit.
Vaterland, ſ. Heimath3kunde, |
Vaterlandsliebe, Die Zeiten ſind no< nicht lange vorüber, in denen man der Schule
die Aufgabe ſtellte, einen beſonderen Localpatrioti3mus zu pflegen. Hoffentlich ſind ſi
für immer vorüber. Wenn jeht no Schulen die Rede iſt, ſo kann damit nur die Liebe zum geſammten deutſchen Vaterlande
gemeint jein. Daß eine ſolche undenkbar ohne Liebe zur engeren Heimakh, daß ſie an=
dererſeits auch eine über die Grenzen de3 Vaterlandes hinausgreifende Liebe nicht aus-
ſchließe, iſt bereit38 in dem Artikl „Nationale Bildung“ (ſ. d.) ausgeführt. Ebenſo
iſt dort bereits angedeutet, daß man nur lieben kann, was man in ſeinem Werthe erkannt
hat und es erwächſt daraus der Schule die Verpflihtung, das Vaterland und zwar Land
und Lente, nach allen Richtungen hin kennen zu lehren, namentlich aber die Schüler auch
in den Beſiß der geiſtigen Beſißthümer ihre8 Volkes zu ſehen. Von den verſchiedenen
Unterrichtögegenſtänden werden ſich namentlich die Mutterſprache , die Geſchichte und die
Geographie auf die ungeſuchteſte Weiſe in ven Dienſt der Pflege der Vaterlandsliebe
ſtellen laſſen. (Vgl. G. Weber, „Das vaterländiſche Clement in der deutſchen Schule“,
Leipzig 1865.) Das ſicherſte Mittel , Intereſſe und herzliche Antheilnahme der Schüler
an den betreffenden Gegenſtänden zu erwecken, iſt eine fortwährende Verquickung des Un=
terrichtes mit heimath8kundlichem Material , eine Verqui>ung , die auch aus anderen me=
thodiſ 10de der Pflege der Vaterlandsliebe dient, das findet ſich neuerdings gut nachgewieſen in:
Albert Richter, „Schule und Leben", (S. 70 ff.). Als beſondere Veranſtaltungen zur
Pflege der Vaterlandsliebe bezeichnet man gewöhnlich die in der Schule zu veranſtaltenden
Feiern patriotiſ Pflege der Baterlandsliebe" ; in: „Cornelia, Zeitſchrift für häusliche Erziehung", Band
15, Seite 10 ff.) Aber man vergeſſe nicht, daß auch hier, wie überall, wo es gilt,
auf die Geſinnung zu wirken, mit äußeren Maßregeln Nichts ausgerichtet wird, wenn nicht
der rechte Mann dahinter ſteht. Und ebenſo verſtändlich wie dieſes, iſt es, daß eine
Vaterlandsliebe, die es nicht weiter, als bis zu einem vlelleicht gar unklaren, ſeine8 Grun-
des ſich nicht völlig bewußten Schwärmen für das Vaterland , die e8 nur zu Worten,
nicht zu Thaten bringt, ſo ſchlimm iſt, wie der Mangel aller Vaterlands8liebe. Die rechte
Frucht eines Unterrichtes, der die Vaterlandsliebe pflegen will , iſt lebendiger Gemeinſinn,
freudiges Schaffen am gemeinſamen Wohle , ſelbſtloſe Opferfreudigkeit für Vaterland und
Volk8genoſſen. Gerade darüber findet ſich Beherzigen8werthes geſagt an mehreren Stellen
dex obengenannten Schrift: „Schule und Leben.“ (Vgl. auch den Artikel : „Zeitereigniſſe“.)
Verantworitlichkeit de3 Lehrer8. Die Größe der Verantwortlichkeit eines Berufs
hängt von jeiner Wichtigkeit für die menſchliche Geſellſchaft ab. Niemand wird leugnen,
daß der de3 Lehrers in den eiviliſirten Staaten nicht nur ein nothwendiger, ſondern auch
einer von denen iſt, deſſen Wirkſamkeit tief eingreift in die geſammten Bildungsverhält-
nijje des Volke3 und daß er einer iſt, von dem zum großen Theile nicht nur das Geiſte8-,
jondern auch das Körperwohl der jehigen und künftigen Generationen mit abhängt. Aber
eben de8halb wird auch Niemand beſtreiten, daß die Verantwortlichkeit derer , die ſich
dieſem Berufe gewidmet, ſehr groß iſt. Veraniwortlich iſt der Lehrer bezüglich ſeiner Amts-=
verwaltung zunächſt ſeinem Gewiſſen und Gott, dann der Gemeinde und der vorgeſeßten
Behörde nicht nur für ſeine Thätigkeit in, ſondern auch für ſein Leben außer der Schule,
gehört er doch geradezu zum „Salz der Erde.“ Er iſt es aber nur innerhalb gewiſſer Gren=-
zen, joweit jein Reich gehi, nicht über dasſelbe hinaus. Nicht kann er verantwortlich ge-
macht werden für den Cinfluß des Hauſes und der Gaſſe auf die Jugend, nicht für un-
zeitgemäße Schulgeſeße und für etwaige verkehrte von den Gemeinden getroffene Einrich-
tungen, nicht für die geringen Leiſtungen der von der Natur Vernachläſſigten. Wenn
man nach den Revolutionöjahren 1848 und 1849 dem Lehrerſtande alle Schuld zuſchie-
ben wollte, jo beging man eine Thorheit ; wenn man die Erfolge des leßten deutſch-ſran=
zöſiſchen Krieges von mancher Seite wieder den Schulen allein zuſchreiben wollte, ſo zeigte

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.