Verbeſſvrung | | | Dim Verbot .285F
män eine nicht zu rechtfertigende Ueberſhäßung der Scylwirkſamkeit. Die Anſprüche, die
von den verſchiedenſten Seiten, ſeien e8 nun Ürchliche, politiſche, oder andere, an Schule
und Lehrer gemacht werden , ſind ſo aus3einandergehend , daß nach ihnen die Verantwort-
fichfeit nicht beſtimmt werden kann, will man nicht in Widerſprüche gerathen. Sie kann
allein durch das Sittengejek, das bürgerliche Geſch unv die Vorſchriften einer geſunden
Bädagogik feſtgeſtellt werden.
Verbeſſerung der Arbeiten, ſ. Correctur.
Verbilden, Verbildung. Unter Verbildung verſteht man im Allgemeinen jede falſche,
dem. Individuum nicht angemeſſene Bildung. Nicht darf das Wort angewandt werden - auf
Vernachläſſigung der Bildung nach Quantität und Qualität überhaupt, immer deutet es
auf ein Zuviel hin. Erſtre>t ſich dieſes Zuviel nur auf einzelne Bildung8momente , ſo
entſteht die einjeitige Bildung, dies iſt die eine Art der Verbildung. Wer 3. B. nur das
Körperliche am Kinde ausbilden wollte, und es in leiblichen Fertigkeiten zum höchſten,
denkbaren Grade zu bringen ſuchte, ohne dem - Geiſte die gleiche Berückſichtigung zu Theil
werden zu laſſen, würde den Menſchen zu einer Carricatur machen, alſo verbilden. Gleicher=
weiſe, wer alle ſeine Bemühungen nur auſ die Bildung des Verſtandes oder auf die des
Herzens oder auf die des Geſchmackes richten wollte. Keinem der genannten Bildungs
momente darf ein Uebergewicht eingeräumt werden, ſondern die gute Bildung muß eine
harmonijehe jein. Je mehr ſolche verbildete Menſchen in der Welt umherlaufen und der
Menſchheit den Segen ſchuldig bleiben, den ſie ihr bei rechter Bildung gewähren könnten,
um ſo ernſter tritt dieſe Forderung an den Erzieher heran. An den Knabenerziehungs-
anſtalten liegt die Gefahr näher, einſeitige Verſtande8menſchen zu erziehen, die nur immer
rechnen und nach mathematiſchen Grundſäßen Menſchen, Verhältniſſe und den Kreis ihrer
Thaien und Pflichten bemeſſen; die Mädpchenerziehungsanſtalten verbilden leichter durch
Bevorzugung der Gemüths8 = und Geſchmac>ksbildung. Sentimentale Schwärmerinnen und
eitle Phantaſtinnen liefern unſere modernen Mädchenpenſionate in Menge , alſo verbildete
Jungfrauen , Gattinnen und Mütter. Die Volksſchule ſteht den geſchilderten Gefahren
ferner, da in ihr der richtige Grundſaß herrſcht, eine allgemeine , allſeitige, niht nur für
einen einzelnen Stand und eine einzelne Lebensſtellung berechnete Bildung zu geben und
weil in ihr die Hauptbildungsfactoren, die Unterrichtsfächer eine ſo glückliche Miſchung er-
fahren haben, daß ſie ſich in ihren Wirkungen auf die einzelnen Bildung8zweige das Gleich-
gewicht halten, allein auch in ihr kann durch einſeitige Behandlung ſeiten des Lehrer8 der
Verbildung in die Hand gearbeitet werden. Wer den Chrtrieb einſeitig betont, wer ſenti-
mentale Gefühlsrichtungen durch ſeine Vorträge erwe>t und durch ſein Benehmen gegen
die Zöglinge pflegt, oder wer im Gegentheil das ganze Gewicht auf ein logiſches, ſcharfes
Denken legt und alles verächtlich beurtheilt, wa8 Gefühls= und Herzensſache iſt, verbildet
ſeine Schüler. Aber nicht nur die einſeitige Bildung, auch die allgemeine Ueberbildung,
jelbjt wenn jie noch jo harmonijh wäre, kann zur Verbildung werden. Wenn man Bürger3-
ſöhnen und Bürgerstöchtern Fürſtenbildung geben wollte, d. h. wenn man ihnen Eindrücke
zuführen, Bedürfniſſe eröffnen und dadurch eine Lebensölauſbahn vorzeichnen wollte, die
außerhalb des Erreichbaren liegt, jo würde man ſie ihrem, ihnen von Natur geſteckten
Strebziele entfremden, mit ihrem Schicfale zerfallen machen und ſomit den Zweck, den jede
gute Bildung haben ſoll, den Menſchen zur Glüdſeligkeit zu führen, vereiteln , und da3 .
würde auch Verbildung jein. Von dieſem Standpunkte aus betrachtet, gewinnt übrigens
das jeßt vielfach ventilirte Project, Stande3bildung auſzuheben und dem Niedrigſten wie
vem Höchſten gleiche Bildung zu geben, nicht gerade an praktiſchem Werthe.
Verbot. Unter den Mitteln für Verminderung des Reize3 zum Unrechtthun iſt das
Verbot eins der bekannteſten, e3 gilt allgemein als ein nothwendiges Stüc> guter Erziehung.
Und es iſt wahr, ganz ohne dasſelbe aus8zukommen , dürſte ſelbſt dem Geſchi>teſten un=
möglich jein, aber dasſelbe weniger oft anwenden , als es gemeiniglich geſchieht, das ſei
der Grundſaß, der nachſtehender kurzer Beleuchtung vorangeſtellt und jedem Erzieher in
Schule und Familie zur Beachtung warm anempfohlen werden ſoll. Wie viel wird im Leben
verboten, beſonder3 von Müttern und Kinderwärterinnen, ingleichen von unerfahrenen, reiz-
baren und

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