294 Viſitation | Polkslied
punkt hinauskommt, inſofern eine hohe Bedeutung, als kein andere8 Inſtrument in gleicher
Weiſe zur Bildung de8 Gehöres und de8 Tonſinne8 und zur Leitung de8 Geſanges ge-
eignet iſt; denn die ihm innewohnende Klarheit, Fülle , Schärfe und abſolute Reinheit
de38 Tones ſind Eigenſc Beim Geſangunterrichte überhebt ſie alſo den Lehrer der nicht unbedenklichen Anſtrengung,
welche die Leitung desſelben mit der eigenen Stimme mii ſich bringen würde. Auch die
Bequemlichkeit, mit welcher die Violine trans8portirk und die Leichtigkeit, mit welcher ſie
geſtimmt werden fann, ſind hier mit in Nechnung zu bringen. Aber troß aller dieſer
Vorzüge iſt nicht zu überſehen, daß das Spiel der Violine, weil es treffliches muſikaliſches
Gehör, große Geduld und feinſten Geſchma> verlangt, für den Lehrer auch innerhalb der
Grenzen elementarer Bildung immer noch ein gründliches Studium beanſprucht. =-
Literatur: „Die Violine, ihr Weſen, Bedeutung und Behandlung“ von F. L. Schubert,
Leipzig , Merſeburger, 9 Sgr.; Wolfram, „Wegweiſer zur muſikaliſchen Fortbildung ſür
Polttsſc dajelbſt, 9 Sgr. n |
Viſitation. Unter Viſitation verſteht man die durc auftragten vorgenommene Unterſuchung der Schule. Solche Viſitationen können entweder
außerordentliche, durch beſondere Vorfälle veranlaßte oder um beſonderer Zwecke willen
uniernommene, oder auch regelmäßige, in geſeßlich beſtimmten Zeiträumen wiederkehrende
jein. Der Viſitator iſt gewöhnlich der Inſpector eine8 Bezirkes oder Kreiſes (Kreisſchul-
aufjeher, Bezirksſchulinſpector, Sc mit Nußen für die Schule verwalten will, ſowohl eine tüchtige pädagogiſche Bildung be-
ſüßen, als auch in der Praxis des Schulweſens wohlerfahren ſein. Je beſſer man dies in
der neueren Zeit einſicht, deſto mehr fängt man auch an, von der bisher noh vielfach
üblichen Gewohnheit abzugehen , Geiſtliche zu Viſitatoren zu beſtellen und dieſes Amt als
eine Nebenjache zu betrachten. Die Viſitation geſchicht nach den neueren Schulgeſeßen
meiſt aſljährlich einmal, während ſie früher in weit größeren Zwiſchenräumen erfolgte.
Der Vijitator hal bei derſelben ſeine Aufmerkſamkeit zunächſt auf die innere Beſchaffenheit
und die Leiſtungen der Schule, ſowie auf die Tüchtigkeit, den Fleiß und die Berufstreue
des Lehrers zu richten ; ſodann liegt ihm ob, die äußere Beſchaffenheit der Schule (Schul-
zimmer, Lehrmittel, Lehrerwohnung u. a. m.) zu unterſuchen ; ferner hat er ſich Kenntniß
zu verſchaffen von der Ausübung der Localſchulaufſicht, der Thätigkeit des Schulvorſtandes,
von dem Verhältniſſe des Lehrers zu Lehterem und der Gemeinde; endlich ſoll er -- wenigſtens
nach den Beſtimmungen mehrerer neuerer Schulgeſeße == auch die Privatverhäliniſſe des
Lehrers, beſonder8 aber ſeine Fortbildung und ſeine etwaigen Nebenbeſchäftigungen in'8
Bereich jeiner Unterſuchungen ziehen. Dieſes leßtere dürfte aber wohl nur einem in Er-
jüllung der Amtspflicht nachläſſigen Lehrer gegenüber gerechtfertigt erſcheinen.
Boſfslied, Für die Macht des deutſchen Volksliede8 legt manches Blatt der deutſchen
Geſchichte Zeugniß ab. E3 begleitete ſchon zu Tacitus Zeiten die Deutſchen zur Schlacht,
es fämpfte in den Reihen der unterdrückten Bürger und Bauern gegen die Naubritter und
ihre wüſten Geſellen, cs führte den deutſchen Land8knec es war der treueſte Gehülfe Luther"3, der eindringlichſte Prediger ſeiner Lehre, e8 ermuthigte
die er]höpften Proteſtanten in dem großen Kriege um ihr Bekenntniß , es begeiſterte die
Armeen des großen Friedrich, es führte die Sieger der Freiheitskämpfer nach Paris, es
bewährte auch in dem leßten Kampfe Deutſchlands gegen den Erbfeind ſeine zauberhafte
Gewalt. Das deutſche Volkslied hat in der zweiten laſſiſchen Periode unſerer Literatur
eine Blüthe der Lyrik und Epik gezeitigt, die mit dem Zauber ihre8 Duftes das Herz des
Bolkes ganz und voll erfüllte, im Gegenſaße zu den froſtigen Reimereien, die ſich an die
antiken oder modernen Muſter des Ausiandes hielten und jekt in Vergeſſenheit ſchlummern,
Angeſichts ſolcher Wirkungen des Volksliedes ſollte die Volksſchule da8ſelbe begrüßen und
jreudig auſnehmen als einen treuen Genoſſen ihrer Arbeit an der Erziehung eines Volkes,
Leider hat die8 die Volks8ſchule bi8 jekt noch nicht in dem Maße gethan, als e8 wohl
wün) ſprochen hat, jo hat man gewöhnlich die Volfslieder im Sinne gehabt, die in den ge-

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