Mädienerziehung a. ;
der dur Einführung in die Erziehunglehre halten wir für unerläßlich; denn erſt, wenn ſich zum
rechten Gefühle klares Wiſſen und praktiſches Geſchi> geſellen, wird der Mutter ein ver-
ſändnißvolles) und darum mehr geſegnetes Einwirken auf die Kindesfehler möglich ſein.
Bi3 jezt fehlt Beobachtung gerade nach dieſer Richtung hin in der Erziehung des weib-
lichen Geſchlechtes mehr oder weniger. Und boch haben Pädagogen ſchon längſt dafür ihre
Stimme erhoben? ?Wir wollen nur Peſtalozzi („Buch der Mütter“); F. Fröbel („Die
Menſchenerziehung“, Keilhau 1826); Fr. H. Chr. Schwarz („Grundriß einer Theorie
der Mädchenerziehung") u. A. nennen. Dieſterweg ſpricht: „Unwiderlegbar iſt die Wahr-
heit, daß wir unſere Jungfrauen in den Cheſtand treten und Mütter werden laſſen,
ahne ſie für den erhabenen Beruf der Mutter genügend vorzubilden.“ . . . „Von einer
entwicelnd = erziehenden Thätigkeit der Mütter iſt nirgends die Rede.“ Da die Wipxk-
jamkeit des Weibes auch al8 Mutter vorzugsweiſe in die ſtillen Räume des Hauſes fällt,
jo will uns der Ausdru>, daß „das Mädchen für das Haus gebildet werden müſſe",
als eine umfaſſende Bezeichnung für die Forderung, die in Bezug weiblicher Erziehung zu
ſtellen iſt, erſcheinen. Dieſe Bildung für das Haus, die nach unſerer Meinung durch Er-
ziehung zur ächten Weiblichkeit und durch ſpecielle Vorbereitung für den Mutterberuf erreicht
wird, wird auch für die Mädchen die rechte Bildung ſein, die nicht die Würde und Bürde
einer Hausfrau und Mutter erlangen. Unſere ſocialen Verhältniſſe zwingen eine große
Anzahl, durch irgend eine Stellung im gewerblichen Leben fich den Lebensunterhalt zu
verdienen. Die höhere allgemeine Bildung, die wir für das weibliche Geſchlecht verlangen,
wird ſie dazu befähigen. Und doch ſollte kein Berufsgeſchäft von einem Weibe ergriffen
werden, das nicht in nächſter Beziehung zum weiblichen Berufe ſteht. Schon Betty Gleim
(„Erziehung und Unterricht des weiblichen Geſchlechtes") empfahl al8 weibliche Berufs-
arten: Den Beraf der Erzieherin , Lehrerin , Kinderwärterin , Krankenpflegerin , Hebamme
und Haushälterin. Leicht würde hier noch der eine oder andere Berufszweig zu nennen
jem, durc deſſen Ausübung das Weib feiner Beſtimmung nicht entrückt wird. Gleiches
fann aber nicht von derartigen Stellungen geſagt werden, die das Weib zum Bureaudienſt
aller Art verpflichten. Wenden wir uns nun noch zur praktiſchen Seite der Mädchen-
erziehung! Wann joll in derjelben mit Berückſichtigung des Geſchlecht8charakter8 angefangen
werden? Rouſſeau meint, daß in der Zeit der geſchlechtlichen Indifferenz, alſo etwa bis
zum 7. Jahre, ein Unterſchied in ver Behandlung der Mädchen nicht eintreten dürſe.
Anderer Anſicht iſt Fönslon, der ſchon im zarteſten Kindheitöalter Rückficht auf die beſon-
deren Zwecke der Mädchenerziehung forderte. Jm Allgemeinen ſtimmen wir Leßterem zu.
Weun auch im Säuglingsalter, das wir bis zum Eintritt der Sprache rechnen, kein be-
jonderer Unterſchied in der Behandlungweiſe möglich ſein wird, ſo iſt dies dennoch weit mehr
in der Stuſe der Kindheit der Fall, Während auf der erſten Stufe die Pflege das teriſtiſche Merkmal iſt, ſo iſt die zweite Stufe das geeignetſte Feld für die Erziehung3-
thätigfeit. Jeht, wo dur< die Sprache da8 Kind ſein Inneres gleichſam entfaltet, ſucht
es dasjelbe auch äußerlich darzuſtellen. Dies geſchieht ganz beſonder8 durch das Spiel,
Wie zeigt ſich doch die zukünftige Mutter jeht ſchon im Puppenſpiel. Es gilt das Spiel
der Kleinen zu leiten, ohne daß irgendwie vom Kinde Gewalt oder Zwang gefühlt werde.
Für die zweite Hälfte dieſer Periode empfehlen wir das Einführen des kleinen Mädchens
in einen wirklich guten, im Fröbel'ſchen Geiſte geleiteten Kindergarten. Das Kind ſoll
Alles recht und richtig anſchauen, ebenſo auch richtig und beſtimmt bezeichnen. Durch das
Verweilen des Kindes im Kindergarten an ſich ſchon, durch thätige Theilnahme an den
Spielen und Beſchäſtigungen in demſelben wird da8 kleine Mädchen eine reiche Quelle für
ſein geſammtes Geiſtesleben finden. Wenn auch kleine Knaben den Kindergarten beſuchen
jollen, jo fordern wir dies doch mit noch größerer Nachdrüclichkeit für die Mädchen,
weil wir hierin ſchon eine Art ſpecielle Vorbereitung für den weiblichen Beruf finden.
Zeht iſt auch, wie bereit8 erwähnt, die paſſendſte Zeit, das kleine Mädchen zur Ordnung,
Reinlichkeit, Wahrhaftigkeit, Gefälligkeit 2c. , kurz zu allen Tugenden anzuhalten und in
denjelben zu üben. Hierbei wollen wir auf die Schrift von Dorothea Valentiner :
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