- Yorlurner Vorzeigen ete; '301
zu größerer Fertigkeit und Sicherheit ſich einüben darf; dann empfiehlt es ſich, den einzelnen
Abtheilungen , welche fi bei dieſem Kürturnen bilden , je einen beſonder8 zuverläſſigen
Schüler als Auſſeher, beziehentlic) Vorturner, zu etwaiger Hülfsleiſtung beizugeben, während
der Lehrer die Aufſicht über das Ganze führt. Wie aber, wenn bei allgemeiner Einführung
des Schulturnens fich infolge äußerer Umſitände irgendwo die Turngeräthe nicht in der
zu Gemeinübungen nöthigen Zahl und Einrichtung beſchaffen laſſen? Dann iſt es, da ja
doch bei den Frei= und Ordnungsübungen der Charakter des Spieß'ſchen Schulturnens
in voller Reinheit zur Geltung gelangen kann, hinſichtlich der Geräthübungen jedenfalls
zwecmäßig , die Schüler unter Verwendung von Vorturnern in einzelnen Riegen an den
verſchiedenen Geräthen zu vertheilen, damit das Turnen an dieſen nicht allzu ſehr beſchränkt
werde. Doch jollten dabei folgende Regeln gelten: 1) Zu Vorturnern ſind nur zuverläſſige
Schüler zu wählen , die keineswegs immer die turnfertigſten zu ſein brauchen; 2) dieſe
haben nur die vom Lehrer ihnen vorher bezeichneten Uebungen mit ihren Niegen zu üben;
3) ſind die Vorturner zu genauem Vorzeigen und Benennen der Uebungen, wie zu den
dabei zu gebenden Hülfen vom Lehrer beſonder8 anzuleiten, was am Beſten in beſonderen
Vorturnerſtunden geſchieht; 4) außerdem hat der Lehrer die einzelnen Riegen umwechſelnd
auch jelbſt vorzunehmen, dabei aber das Ganze immer ſo weit im Auge zu behalten, daß
er etwaiges Ungeſchi>d der Vorturner in den übrigen Niegen verhüten oder rügen , oder
auch ermunternd, rathend und helfend eingreifen kann, wo es ſich nöthig macht. Aus alle
dieſem folgt, daß die Verwendung von Vorturnern vom Lehrer ſtet3 nur als ein für ge=
wiſſe Fälle gebotenes Auskunftsmittel, das ſeine Thätigkeit und Verantwortlichkeit vermehrt,
nie aber als eine Erleichterung für ſich ſelbſt zu betrachten iſt. Gingehende und treffliche
Rathjchläge in dieſer Beziehung giebt Hausmann, „Das Turnen in der Volksſchule.“
(S. Turnen).
Voyrzeigen und Vormachen. A. Die vorzeigende Unterricht8form eignet ſich beſonders
für Kinder, welche erſt die Schule zu beſuchen anfangen ; ſie will dem Schüler vermittelſt
des Geſichtsfinnes und unter Umſtänden auch unter Thätigkeit no< anderer Sinne un-
mittelbare Anſchauungen zuführen. Das Vorzeigen des Gegenſtandes in natura oder in
effigie vermag dem Kinde faſt durchgängig eine weit größere Klarheit zu verſchaffen, als
noc ſahrung , daß das Vorzeigen an ſich allein noh nicht genügt, um klare und dauernde
Vorſtellungen in der Seele hervorzurufen, es müſſen nämlich zum Bilde auch paſſende
Erläuterungen gegeben werden. Die Hauptregeln , welche der Lehrer bei der vorzeigenden
Lehrart zu befolgen hat, ſind nach Bormann folgende: „1) Es werde, ſoviel als möglich,
nur Gutes und Zweekmäßiges vorgezeigt. (Die Pflanze, die der Lehrer in die Schule
mitbringt, damit das Kind ſie erkennen lerne, muß alle wejentlichen Merkmale in ſicher
erkennbarer Weiſe an ſich tragen u. [. w.) 2) Das Vorgezeigte werde den Kindern zU
genauer Anſchauung dargeboten. (Was der Lehrer an die Tafel ſchreibt, muß jo groß
geſchrieben werden, daß es allen Schülern erkennbar iſt. Wo es ſich, wie bei dem Vor-
zeigen von Pflanzen, um die Unterſcheidung kleiner Dinge handelt, muß eine genügende
Anzahl von Exemplaren vorhanden ſein u. [. w.) 3) Es werde nicht zu viel auf einmal
gezeigt, damit nicht eine Anſchauung die andere verwiſche. (Je ungeübter das Kind iſt,
um deſto weniger vermag es, von mehreren Anſchauungen jede mit voller Klarheit und
Sicherheit in ſich aufzunehmen. Es tritt dann ein Bild nicht neben das andere, ſondern
vor das andere, und das ſpäter aufgenommene verdunkelt das frühere.) 4) Wo es auf
die Gewinnung einer Anſchauung der Theile ankommt, aus denen ein Ganzes zuſammen=
gejezt iſt, da ſee man womöglich vor den Augen des Kindes die Theile nach einander
zu dem Ganzen zuſammen (z. B. in dem Zeichenunterrichte bei der Betrachtung eine8 von
verſchieden geformien Flächen umſchloſſenen Körpers), 5) Auch beim Vorzeigen wende der
Lehrer ſein Auge ſoviel al8 möglich den Kindern zu. 6) Die dem Kinde zuzuführende
Anjchauung iſt nur dann für eine klare zu erachten , wenn e8 vermag, ſie in Worte zu
ſaſſen. (Zu der zunächſt uur durch das Auge vermittelten Anſchauung kommt dann eine
zweite , die vermittelſt des Ohres in die Seele hineintritt, hinzu , und befeſtigt jene)."
B. Das Vor- und Nachmachen unterſcheidet ſich von der Form des bloßen Vorzeigens

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