| 'Wandfibel Zn Wärterin 307
war auch ſchon als Wanderlehrer in Deutſchland und der Schweiz aufgetreten. Einem
ächten Wanderlehrer iſt eine unbeſcholtene und lieben8würdige Perſönlichkeit , Begeiſterung
für eine ganz unbekannte oder wenig bekannte große Jdee, ſowie die Fähigkeit, Andere
anzuregen, zu feſſeln und gleichſalls ſür jene Jdee zu begeiſtern, unerläßlich. Da in unſerer
Zeit viel zu viel geſchrieben und geleſen wird, ovxſcheint vie Nückkehr zur urſprünglichſten
und einfachſten Art, eiux Jdee zu verbreiten, als eine pikante Abwech8lung. Die Neu-
gier und die Langeweile führen dem Wanderlehrer manchen Hörer und -manche Hörerin zu,
welche dann doch vielleicht von der begeiſtert vorgetragenen Wahrheit ergriffen werden,
auf die ein Einheimiſcher höchſt wahrſcheinlich nicht gewirkt haben würde. Da3 Vorurtheil,
wa3 nicht weit her ſei, tauge nicht viel, iſt ja gerade in Deutſchland no< mächtig genug!
Wandſibel. Die Wandfibel (im Gegenſaße zur Handfibel, |. Fibel) iſt eine Samm-
lung von Wandtafeln, welche in geordneter Stuſenſolge den Stoff für den erſten Leſe-
unterricht in ſo großer Schriſt bieten, daß ſie alle Schüler zu erkennen im Stande ſind.
Dieſes Unterrichtsmittel = auch unter dem Namen „Lefe-Wandtafeln“ bekannt -- wurde
bejonder3 fleißig gebraucht zu der Zeit, als die Lautirmethode auffam und blühte, jeßt
aber wird die Wandſibel mehr und mehr verdrängt durch die Leſemaſchine.
Wandkarte, [|]. Landkarten.
Die Wandtafel (ſchwarze) iſt ein ſehr einfaches, aber ſehr zweckmäßiges Unterrichts-
mittel und darf in keiner Volksſhule fehlen. Sie dient zum Anſchreiben und Anzeichnen
jowohl ſeiten des Lehrers, al8 auch des Schüler8. Die Wandtafeln werden am Beſten
aus Brettern verfertigt, in denen keine Aſtlöher und Aeſte zum Vorſchein kommen. Das
Holz und der Anſtrich müſſen jo beſchaffen ſein, daß nirgends eine Unebenheit ſich beſindet,
damit die Kreide gut haftet. In der Regel ſind zwei Wandtafeln erforderlich, eine zum
Anſchreiben , die andere für die Zwecke des Schreib = und Geſangunterrichtes, und muß
die leztere auf der einen Seite von ſchwach = rother Oelſarbe gezogene Hülf8 = und auf
der anderen dergleichen Notenlinien haben. Die Wandtafeln werden entweder an der Wänd
(hinter oder neben dem Lehrtiſche) oder auf einem beſonderen Geſtelle (Stativ) angebracht.
Das Leßtere hat den Vortheil, daß man der Taſel je nach dem Zuſallen des Lichtes und
der Pläße der Schüler eine beliebige Stellung geben kann. = Faſt ganz außer Gebrauch
ſind gefommen die Rechtſhreibe= und Nechenwandtafeln. Ein zweckmäßiges Unterrichts-
mittel ſind aber die in neueſler Zeit herau8gegebenen Schreibwandtafeln von Hermsdorf,
Lehrer in Dres8den.
Wartegeld. Wird ein Lehrer während einer über ihn verhängten Unterſuchung ents
laſſen und es erfolgt ſpäter ſeine Freiſprechung, ſo erhält er bis zu ſeiner anderweiten
Anſtellung aus Staats8caſſen ein angemeſſenes Wartegeld. Anſprüche auf Entſchädigung
wegen des durc< die Entlaſſung ihm zugefügten Verluſtes an feinem Einkommen bleiben
ihm vorbehalten. Zuweilen wird ein Lehrer wohl auch im DiSciplinarwege auf Wartegeld
geſeht, wenn er ſich einzelnen Anordnungen ſeiner Vorgeſehzten oder der Regirung nicht
unterwerfen will und gegen ihn gleihwohl nicht mit völliger Entlaſſung vorgegangen wer-
den kann.
Warteſchule, |]. Kinderhaus.
+3 Warterin, Warteſrau. Mit dieſem Namen bezeichnet man alle diejenigen Perſonen
des weiblichen Geſchlechtes, denen von irgend einer Seite die Beauſſichtigung und Pflege
kleiner Kinder übergeben iſt. Man findet ſie in den Bewahranſtalten und Krippen ſowohl,
'al8 auch in den beſſer ſituixrten Familien. Gehören die Wärterinnen dem Mädchenalter an,
jo bezeichnet man ſie in der Regel mit dem Namen „Kindermädchen“, ältere dagegen neunt
man gemeinhin „Wartefrauen“, „Kinderfrauen“, auch „Kindermuhmen“ und „Kinder=
tanten.“ Die Nothwendigkeit beſonderer Kinderwärterinnen iſt eine beſchränkte und ebenſo
muß man ihre Berechtigung vielfa<ß in Zweifel ziehen. In vielen Fällen bedient man
ſich der Wärterinnen nämlich nur darum , weil die Mutter zu = träge iſt, die Pflege
ihrer Kinder ſelbſt zu übernehmen, und andexentheils widmen ſich der Wartung der Kinder
oft Berſonen, die weder Liebe zu denſelben, noch die Beſähigung beſißen, die körperliche
und geiſtige Entwickelung ihrer Pfleglinge nur irgendwie ſördern zu helfen, Dieſem Uebel-
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