310 | m Weibliche Arbeiten
Volkslaſſen eine Schule beſuchen, deſto nöthiger iſt für dieſelbe die Einführung des Unter-
richte3 in weiblihen Handarbeiten, Cben ſo nothwendig als die allgemeinſte Einführung,
iſt aber auch die rechte Würdigung und Behandlung dieſe8 Unterrichte3; denn davon hängt
ja der rechte Erſolg desſelben ab. Es handelt ſich nämlich bei demſelben durchaus nicht
nur um Aneignung gewiſſer, für das weibliche Geſchlecht allgemein nothwendiger techniſchen
Fertigkeiten, wie noc Verſtändniß dieſer Arbeiten und alle8 Deſſen, was damit zuſammenhängt. Wo nur das
Erſte im?8 Auge gefaßt wird, da ſinkt dieſer Unterricht leicht zu dem herab, wa38 er leider
noh jo häufig iſt, zur rein mechaniſchen Handarbeit ; wo aber mit und neben der Ein-
übung. der mechaniſchen Fertigkeit zugleich das Zweite erſtrebt werden ſoll, da müſſen auch
bei dieſem Unterrichte dieſelben Grundſäße zur Geltung kommen, welche bei der methodiſchen
Behandlung anderer Fertigkeiten in der Schule Anwendung finden. E3 iſt daher falſch,
wenn, wie man es noh ſo häuſig findet, jede Schülerin etiwa8 Anderes arbeitet und der
Unterricht, ſtatt Claſſenunterricht zu ſein, zum Einzelunterrichte wird, der Zeit und Kraft
der Lehrerinnen ganz unnöthiger Weiſe zerſplittert und obendrein eine vielſeitige und ein=
gehende Belehrung und Unterweijung der Schülerinnen nur hindert. Und welche Uebelſtände
- hat ſolcher Einzelunterricht im Gefolge! Nicht ein Lehrplan der Schule und die Lehrerin
beſtimmen dabei Art, Ausführung und Aufeinanderfolge der Schülerarbeiten , ſondern die
Mütter , beziehentlich die augenblicklichen Bedürfniſſe des Hauſe8 ; ebenſo unterliegt dabei
meiſt die Anwahl des zu den Arbeiten nöthigen und paſſenden Materiales dem perſönlichen
Ermeſſen der Mütter, das oft geradezu an Unverſtand ſtreift. Es thut daher keine8wegs
allein allgemeinere Verbreitung dieſes Unterrichtes, ſondern namentlich auch eine Verbeſſerung
de3jelben Noth. Der Weg dazu iſt auch bereit8 in zwei Schriften gezeigt, welche der
Beachtung deshalb dringend empfohlen werden müſſen ; dieſe ſind : Roſalie Schallenfeld,
„Der Handarbeit8unterricht in Schulen“, Frankfurt a.;M. 1868, zweite vermehrte und ver-
beſſerte Auflage vön Agnes Schallenfeld, 10 Sgr., und Ant. Ph. Largiadör , Seminaxr-
director, „Ueber den Unterricht in weiblichen Handarbeiten“ , Zürich, Fr. Schultheß, 90 Ct3.
Vor Allem muß auch dieſer Unterricht al8 Claſſenunterricht ertheilt werden; denn ein Haupt-
vortheil guten Claſſenunterrichtes , namentlich bei Unterweiſung in techniſchen Fertigkeiten,
iſt ja bekanntlich der, daß nicht allein die erſten nöthigen Anweiſungen und Belehrungen
gleichzeitig an alle Schüler ertheilt, ſondern daß auch alle weiteren Belehrungen , welche
die Verbeſſerung vorgefundener Fehler nöthig machen, wieder an alle gerichtet und für
alle fruchtbar gemacht werden können, ſo daß die mannigfachſte Gelegenheit geboten iſt, die
Thär1igkeit der Schüler von der Stuſe bloßer mechaniſcher Nahahmung allmählich zu ver-
ſtändigem Arbeiten zu erheben, was doch der Endzwe> aller Schularbeit ſein ſoll. Ein
ſolcher Unterricht bedingt natürlich einen geordneten Lehrplan, der die zu erlernenden Axr=-
beiten ihrer Schwierigkeit nach in auſſteigender Linie ordnet, Ferner iſt jederzeit bei Ex-
lernung der verſchiedenen Arbeiten mit paſſenden Vorübungen zur Erlernung der reinen
techniſchen Fertigkeit zu beginnen; jo beim Stricken und Häkeln mit Anfertigung von
Muſterſtreifen zur tüchtigen Erlernung und Einübung der verſchiedenen Arten der Maſchen,
beim Nähen mit Herſtellung verſchiedener Arten von Näthen an einem beſonders dazu be=
ſtimmten Stücke Leinwand, welches nach Bedürfniß vielfach getheilt und wieder zuſammen=
genäht wird. Crſt dann, wenn daran die Schülerinnen ſich die nöthige Geläufigkeit und
Sicherheit der reinen techniſchen Fertigkeit erworben haben , findet die Anfertigung von
Wäjſche= und Bekleidungsſtücken ſtatt, bei der die betreffenden Fertigkeiten Anwendung finden.
Für die erwähnten Vorübungen iſt von allen Schülerinnen das gleiche, von der Lehrerin
für geeignet erklärte Arbeit8material zu beſchaffen und zu benußen. Hinſichtlich des Lehr-
verſahrens muß gelten, daß die Lehrerin erſtens deutlich und langjam , womöglich auch
mit etwas größerem und gröberem Materiale, vorzeigk und dabei vorſpricht, was ſie thnt,
auch erklärt, warum ſie es ſo und nicht ander8 thut; daß ſie ferner ihr Thun, ſoweit dies
möglich iſt, durch Zeichnung an der Wandtafel und Vorzeigen von im Großen ausgeführten
Modellen erläutert ; daß ſie endlich durc< Fragen ſich unterrichtet, ob die Kinder ihre An-
weiſung und Erklärung gefaßt haben, und diejelben anleitet, über ihr eigenes Thun bei
der Arbeit ſich auszuſprechen. Zu dieſen auf die Arbeit ſelbſt bezüglichen Unterweiſungen

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