312 Weinen | - Weltgeſchichte
lich für den Unterricht in dieſen Arbeiten anſeßt, kaum eine Begünſtigung der von Jean
Paul dem weiblichen Geſchlehte nachgeſagten übergroßen „Seßſucht, oder Sikſamkeit". be-
fürchten, zum Anderen aber läßt ſich für die Berechtigung dieſer Arbeiten beim Unterricht«
der Mädchen, ganz abgeſehen von ihrer Nüßlichkeit, ſelbſt ein phyſiologiſcher Grund geltent
machen, nämlid) der, daß in der dem weiblichen Körper eigenen, raſcher vonſtatten gehende!
Innervation (d, ij. Zufluß de3 Nexvenfluidums8, der Nervenkraft zum MusSkel) bei verhält:
nißmäßig geringerer Energie der Muskelcontraetion eine vorzügliche Beanlagung des weib
lichen Geſchlechtes zu feineren Handarbeiten ſich ausſpricht, die natürlich bei der Bildun(
der Mädchen nicht unbeachtet gelaſſen werden darf. Dagegen ſind aber jene Paragraphe1
der Levana auch reich an Winken ſowohl hinſichtlich gewiſſer Fehler , welche die Mädche!
im weiblichen Handarbeitsunterrichte oft wirklich zeigen, al8 auch betrefſ8 der Erziehung de
Mädchen überhaupt, und darum ſeien ſie dem denkenden Pädagogen zum Nachleſen em
pfohlen.
Weinen, Weinen iſt die gewöhnlichſte Aeußerung der dem Menſchen innewohnende
ſ überſtrömende freudige Erregungen Thränen, doch ſeltener al8 die Empfindungen der Un
luſt, bei Kindern wohl niemals. Immer iſt das Weinen ein Zeichen von Ohnmacht un
Schwäche, e3 erſcheint daher im Leben des Kindes vornehmlich, im Leben der Erwachſene
ſeltener 3; es iſt der geringſte Grad von Activität und läßt ſich faſt noch zu den Arte
des paſſiven Widerſtandes gegen vorhandenes Mißgeſchi> rechnen. E38 iſt ferner ein
Folge vorherrſchenden Gefühlsleben8 und ſtarker Reizbarkeit, es erſcheint daher im Lebe
des Weibes häufiger als in dem des Manne38 und bei ruhigen, ſtarken, vernünftig denken
den Geiſtern faſt niemal3. Das Weinen der Kinder in den erſten Jahren iſt meiſt di
Folge körperlicher Schmerzen, oft auch der Unbehaglichkeit, worein ſie enges Wickeln, Schnüre
oder Unreinlichkeit verſeßt. Da ihnen die Fähigkeit noc< abgeht, ihre Untluſtgeſüh
dur< Worte mitzutheilen, ſo iſt und bleibt das Weinen das einzige Mittel, ſie der Un
gebung gegenüber zu äußern. C38 wäre daher thöricht, ſolches Weinen auf anderem Wec
als durch Abhülfe der vorhandenen Uebelſtände beſeitigen zu wollen. Das Weinen je!
ſim jedoch auch noch fort bis auf ſpätere Jahre und in dieſer Periode iſt es, ſoſern €
nicht als Folge überwältigenden Sc einer anderen Seite anzuſehen. Hier iſt es zumeiſt das Zeichen von zu großer Empfini
jamkeit, Eigenſinn, Widerſpruchsgeiſt und Troß, im anderen Falle von Feigheit und Phlegm(
und e8 muß bekämpft werden. Jm erſteren Falle hilft nicht ſofortiges Schelten, Slage
oder Zureden und Nachſehen , wodurch nur für den Augenbli> geholfen oder das Ueb
gar ürger gemacht wird, jondern e8 empfiehlt ſich, das weinende Kind ſo lange zu en
fernen, bis e8 ruhig geworden iſt oder wegzugehen und den Schreier ſich ſelbſt zu übe:
laſſen. Daß ſich das Kind dabei Schaden zufügen könne, iſt nicht zu befürchten. O
führt das Ausweinen zur Ermüdung und zum Einſchlafen und endet mit heiterem E
wachen, Zn dem Falle, daß das Weinen ein Zeichen von Phlegma und Feigheit iſt, wi
bei das Kind den ſchmerzbereitenden Gegenſtand nicht entfernen mag, frage man zunäch
mit ruhigem aber beſtimmtem Tone nac dem Grunde de3 Weinen8. Iſt die Antwo
erfolgt, jo leite man das Kind weiſe zur Selbſthülfe und zum ruhigen Nachdenken an m
jei anfangs jelbſt bei der Beſeitigung de8 Uebels in Gemeinſchaft mit dem Kinde thäti
erfläre aber gleichzeitig, daß einſeitiges Weinen ohne dieſe Thätigkeit etwas Unwürdige
Tadeln3werthes und Strafbares ſei und dulde eine weitere Fortſezung de8 Weinens nil
wende jogar, wenn vernünftige Anweiſungen nichts fruchten, das leßte Mittel, die körpe
liche Züchtigung an. =- Noch ſei erwähat, daß e8 tyranniſche Grauſamkeit iſt, alle8 Wein
aus dem Kindesleben verbannen zu wollen. Es giebt Lehrer und Erzieher , die ſtraf,
empfindlic) und jc hinnehme. Solche Forderungen enthalten unmenſchliche Härte. (Weiteres ſiehe unt
„Schreien“, auch: NRouſſeau?8 „Emil“, im Reviſion8werke, 12 Thlr. ; Villaume, „Ueb
das Weinen und Schreien“, Reviſion8werk, 2 Thlr.)
Weltgeſchichte. Für eine deutſche Volkſchule bleibt die Hauptaufgabe des Geſchicht
unterrichtes die Vermittelung der Kenntniß der vaterländiſchen Geſchichte , dies ſchon ai

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