318 Wiſſenſchaft . WMWittwencaſſen, Wittwenpenſion
„Princip“ der Wiſſenſ die Eine Grunderkenntniß ſein, welche von allen tieferen Denkern in der „Gotte3erfenntniß“
gefunden, bez, anerkannt wird. Die älteſten Forſcher begannen mit ihrem Princip (d. 4.
eben Anfang), ſo Thales von Milet: „Waſſer iſt der Anfang (das Princip) aller Dinge.“
Doh hat ſich allmählich die Erkenntniß Bahn gebrochen, daß man nicht mit dem Princip
beginnen dürfe, daß eine Vorbereitung auf eine Einführung zum Princip nothwendig ſei,
odder, mit anderen Worten ausgedrückt, daß die Wiſſenſchaft außer dem mit vem Princip
beginnenden abſteigenden (deductiven, ſynthetiſchen) Theile noch einen aufſteigenden (induc-
tiven, analytiſchen) Theil haben müſſe. Der Anfang des lekteren iſt von Sokrates, Cor-
teſius , Kant, Fichte, Krauſe übereinſtimmend äl8 die Sclbſterkenntniß des J worden. Die vollkommenjte Ansbildung des auſſteigenden Theiles iſt bi8 jeht bei Krauſe
zu ſinden („Der emporleitende Theil der Philoſophie“, zweite Auflage, Prag, Tempsky 1869,
2 Thir. ; in kürzerer Faſſung: „Die erneute Vernunftkritik", ebendaſelbſt, 1868, 2 Thlr.).
„Zm ſtrengen Sinne kann es nur Eine Wiſſenſchaft geben: Was man ſonſt wohl „eine“
Wiſſenſchaft nennt, iſt uur ein Theil, ein Glied des Ganzen , eine Theil= oder Einzel-
wiſſenſchaft. Die Eine Wiſſenſchaft iſt zugleich der Geſammtüberbli> oder die Zuſammen=-
faſſung aller einzelnen Wiſſenſchaften ; die ſogenannte Encyklopädie der Wiſſenſchaft,
bez. der Wiſſenſchaften (j. Hegel?s „Encyklopädie der Wiſſenſchaft“; Krauſe'8 „Grundwahr-
heiten“, Göttingen 1829 und „Erkenntnißlehre“, ebend. 1836). Die einzelnen Wiſſenſchaften
ſind ihrem Gegenſtande (Objecte) nach: 1) Weſen wiſſenſchaften (materiale Wiſſenſchaften),
Gotte8wiſſenj] haft (Theologie), Naturwiſſenſchaft (Phyſik im weiteſten Sinne), Geiſteswiſſen-
jhajt (Pjychologie) und Menſchheitswiſſenſchaft (Anthropologie); over 2) Weſenheits-
wiſſen] lehre (Moral), Rechtsſehre oder Wiſſenſchaft (Jurisprudenz), Religionslehre, Schönheit3lehre
(Aeſthetik), Erziehungslehre (Pädagogik). Jede Weſenheit8wiſſenſchaft iſt immer zugleich ein
Theil einer oder mehrerer Weſenwiſſenſchaften ; z. B. die Aeſthetik handelt von der Schön-
heit Gottes, der Natur des Geiſte3 und der Menſchheit, einſchließlich der menſchlichen ſchönen
Funſt.“ Der Erkenntnißquelle nach ſind die Wiſſenſchaften 1) reine Vernunftwiſſenſchaften,
apriorijhe , philoſophiſche und mathematiſche Wiſſenſchaften. 2) Erfahrungs8wiſſenſchaften
(empirijche Wiſſenſchaften), 3) Aus beiden vereinte Wiſſenſchaften : angewandte philoſophiſche
Wijjenſchaften und philoſophiſch durchdrungene Erfahrungswiſſenſchaften. Die Erkenntniß
jedes Gegenſtandes kann und ſoll aus allen Erkenntnißquellen geſchöpft werden : E3 giebt
eine rein-philojophijche, eine erfahrung8mäßige und eine aus Beiden vereinte (harmoniſche)
Menj bilder (Ideale) ſind Sache der reinen Vernunftwiſſenſchaft oder Philoſophie, die ange-
wandten Jdeen und Jdeale, die ſogenannten Muſterbegriffe und Muſterbilder Sache der
vereinten (harmonijchen) Wiſſenſchaft. Die leßteren jedoch ſind in der Erziehung wie in
jeder Kunſt das Wichtigſte und Fruchtbarſte, aber auch das Schwierigſte. Es verſteht ſich
eigentlich ganz von ſelbſt, daß die ſtrenge Wiſſenſchaft nicht in die Volk8ſchule gehört. In
den höheren Schulen kann und ſoll ein Anfang dazu gemacht werden : Die Univerſitäten
und höheren Fachſchulen (Polytechnicum, Akademien) ſind Pflegeſtätten der ſtrengen Wiſſen-
jchajt. Doch iſt der wiſſenſchaftliche Sinn des Lehrer8 eine Grundbedingung alles, auch
de3 elementarſten Unterrichtes, und das Seminar ſoll daher dieſen Sinn wecken und pflegen.
Wittwencaſſen, Wittwenpenſion. Wenn auch, wie unter Penſion8weſen nachgewieſen
worden iſt, dem Lehrer für ſeine Perſon ein gegründetes Recht auf Penſion zuſteht, ſo
läßt ſich doM der Anſpruch auf Verſorgung ſeiner Hinterlaſſenen keinesweges auf Rechts-,
jondern nur auf Billigkeitögründe ſtüßen. Die wichtigſten dieſer Gründe , die zur Errich-
tung von Lehrerwittwencaſſen geführt haben, dürften ſein: Die geringe Beſoldung, die ein
Sparen nicht erlaubt; der Umſtand, daß der Lehrer die Erfüllung der Amtspflicht ſtets
den Rücfichten auf ſein und der Seinen Wohl voranſtellen muß; die Erkenntniß , daß
niederdrüdende Sorgen das Wirken des Lehrer8 in der Schule ſehr beeinträchtigen müſſen.
Endlich) hat auch wohl die Nothwendigkeit, die Verarmten zu verſorgen, mit dahin gewirkt,
daß man, um das Anſehen des Lehrerſtandes nicht zu ſehr zu ſchädigen, zu Einrichtungen
griſſ, die die Wittwen und Waiſen nicht zu Gegenſtänden des öffentlichen Mitleides werden

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