Bengniß 1 - Zinsrechnung 338.
mancher. Schüler iſt das Leſen Überſpannter Romane, welche die jugendliche Seele mit“
allerlei phantaſtiſchen Idealen erfüllen und gegen die nüchterne Wirklichkeit, das proſaiſche
Schulleben gleichgiltig machen. Beim Hange zur Zerſtreutheit iſt der Grund ſorgfältig -
aufzuſuchen. War es Nomanleſen, ſo trete der Lehrer mit den Aeltern des Zöglinges in
Verbindung und ſtelle leßteren im Nothfalle das Schädliche ſolcher Leſerei vor. Das ein-
fachſte Gegenmittel iſt vie Empfehlung und Verleihung gediegener Werke, die das jugend=
liche Gemüth ebenſo ſehr anziehen. Das iſt ein Hauptgrund, daß jede Schule eine, wenn
auch kleine, doch auserlejene Bücherſammlung haben müßte.
Zeugniß, |. Shulzeugniß.
Ziehe bezeichnet gemeiniglich die Ernährung und Aufziehung eines fremden Kindes
gegen Bezahlung. Obgleich der Ziehvater und die Ziehmutter bei ECmpfangnahme des Kindes
die allgemeine Verpflichtung übernahmen , für die geſammte , alſo körperliche und geiſtige
Pflege des in Ziehe genommenen Kindes Sorge zu tragen, ſo ſteht doch in der Negel
das, wa3 die geiſtige Entwickelung anlangt, nur in einem ſehr untergeordneten Verhält-
niſſe zu dem, was in körperlicher Hinſicht geſchieht. Ein Ziehkind iſt meiſt ein bedauern8-
werthes Geſchöpf, denn wo Erziehung ein Werk des Geldgewinne3 , der Speculation iſt,
da fehlen alle Eigenſchaften , welche eine gute Erziehung kennzeichnen. Nur von gewiſſen-
lojen Aeltern oder in ſolchen Fällen werden daher Kinder in Ziehe gegeben werden , in
welchen die Aeltern geſtorben (Waiſenerziehung) oder nicht zu ermitteln ſind (Findelkinder-
erziehung) oder in welchen den Aeltern die nöthigen Eigenſchaften zur Kindererziehung ab-
gehen. In Frankreich , beſonder3 in den Zirkeln großer Städte , in welchen Genußſucht
und Bequemlichkeitsliebe ſo Überhand genommen haben , daß die Mütter die Freuden der
Geſellſhaft ihren Mutterpflichten vorziehen , werden ſelbſt aus wohlhabenden und hochge=
ſtellten Familien die Kinder entfernt und bis zu einem gewiſſen Lebensalter in Ziehe ge
geben. Dieſe Ziehe erfolgt entweder in Familien oder in größeren Inſtituten. Die erſtere
Art iſt der leßteren entſchieden vorzuziehen und kann, wenn die Ziehmutter ſich ihrer über=
nommenen Pflichten voll bewußt iſt und ihnen mit einem mütterlichen Herzen voll Liebe
nachfommt, die Erziehung in der eigenen Familie noch am Eheſten erſehen. Die Controle
über die Behandlung der Ziehkinder ſteht in erſter Linie den betreffenden Aeltern des
Kindes, in weitergehenden Fällen dem Vormunde , der Heimath8gemeinde und in oberſter
Inſtanz dem Staate zu. (Weiteres ſiche unter Erziehungsrec Zichkind, ſ. Ziehe.
Zinsrechnung. Hat Jemand eine Summe Gelde8, welche er zur Beſtreitung ſeiner
Bepürfniſſe ni Bedürfniſſe auſzubewahren , ſondern er wird mit der Geldſumme =- Capital =- wieder
Geld zu erwerben ſuchen. Legt er das Geld nicht ſelbſt in Geſchäften oder Grund, Boden,
überhaupt in Dingen an, welche ihm Nußen bringen, ſo leiht er es Anderen, die es eine
gewiſſe vereinbarte Zeit in ihrem Intereſſe verwenden, dem Eigenthümer der Summe aber
eine Leihgebühr = Zinſen -- geben. Die Zinſen werden nach pro cent (Pct., ?/o) beſtimmt ;
Dd. h. es wird angegeben, wie viel für je 1 Hundert Thaler, Gulden 2c. Thaler, Gulden
an Leihgebühr jährlich entrichtet wird. Dex Procentſaß hat keine Benennung, ſondern be=
zieht ſich, wenigſtens bei uns in Deutſchland auf die Benennung des Capitales. Eigentlich
iſt es eine beſondere Art und Weiſe, das Verhältniß des Capitale8 zu den Zinſen auszu=-
drücken, nämlich die, bei welcher das Glied des Verhältniſſes, welche8 das Capital vertritt,
ſiets durch die Zahl 100 dargeſtellt iſt. Die 100 iſt ja eine Zahl, mit welcher ſich ſehr
bequem rechnen läßt. Da uns nun durch ein Verhältniß geſagt wird , wie viel Mal ſo
groß eine Zahl iſt als eine andere, ſo wiſſen wir, wenn uns der Procentſaß gegeben iſt,
ſtet3 ; wie viel Mal jo groß das Capital iſt als die einjährigen Zinſen, oder wie viel
Mal jo groß die einjährigen Zinſen als da8 Capital ſind, oder den wie vielſten Theil
ſie davon ausmachen. So iſt bei 1 Pct. das Verhältniß von Capital : Zins == 100 : 1,
d. h. das Capital iſt 100 Mal ſo groß als die einjährigen Zinſen oder die einjährigen
Zinſen ſind !/100 des Capitales ; bei 4 Bet. iſt das Verhältniß wie 100 : 4, d. h. das
Capital iſt 19%4 Mal die Zinſen und die Zinſen ſind 4100 Mal das Capital 2c. Die
Zahl 100 iſt uns aber auch ſo genau bekannt, daß wir ſie raſch zerlegen und unter

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