“ Hatnrell | Haturalienſanmlung 35
berechtigten Erſcheinungsformen zu fördern, als die des deutſchen Volkes, Dieſe3 Volkes
jprichwörtlich gewordene Treue, ſein lebhafte3 Gerechtigkeit8gefühl, das in jedem Menſchen,
auch in dem Gegner, das Achtung3werthe zu achten. lehrt, ſein gründlicher Forſcherſinn,
der auc< die entfernteſten Erſcheinungen zu anſchaulicher Klarheit zu erheben ſich beſtrebt,
der Alles, auch das ſcheinbar am Fernſten Liegende ſich zu aſſimiliren verſteht, der die
Natur aller Zonen, den Geiſt aſler Völker, den Gehalt aller Literaturen ergründet =- das
ſind vornehmlich die Züge de8 veutſchen Volk8 befähigen. Aber eine Gefahr liegt hierbei nahe, die nämlich, daß der Deutſche in ſeinem
Beſirxeben, Weltkunde und Weltliebe bei ſich zu fördern, die Kunde der Heimath vernach-
läſſigt und damit auch der Heimathliebe den Boden unter den Füßen entzieht, Das
Weltbewußiſein iſt eine Gefahr für das Nationalbewußtſein , wenn das Leßiere nicht die
Grundlage geweſen iſt, auf der das Erſtere erwachſen. Wie leicht der Deutſche fremden
Einſlüſſen zugänglich iſt, wie leicht er ſich ihnen in einer Weiſe hingiebt, welche die Ent-
wittelung der eigenen ſchäßen3werthen Seiten ſeines National wie leicht dieſe Hingabe in eine verderbliche Nachahmungsſucht ausartet, beweiſt die deutſche
Geſchichte in vielen Zeiträumen. Sache der Erziehung wird e3 alſo ſein müſſen, die Aus=
artung jonſt ungefährlicher und ſogar höchſt ſchäßen3werther Eigenſchaften des deutſchen
Geiſtes zu hindern. Ueber die der Volkäſchule zu ſolchen Einwirkungen zu Gebote ſtehenden
Mittel |. Geſc gemeinen aber iſt zu ſagen, daß kein Weg geeigneter ſein wird, als der Weg durch die
geiſtigen Beſihthümer de8 Volkes. Was3 das deutſche Volk ſelbſt geſchaffen, was ebenſo
jehr ein Ausſluß ſeines Geiſtes, wie ſeines Gemüthes iſt, das ſoll das deutſche Volk auch
mit Geiſt und Gemüth erfaſſen. Iſt das. erreicht, ſo bedarf es künſtlicher Mittel zur Be=
lebung de8 Nationalgefühles nicht.
Naturell iſt ein etwas unbeſtimmter Begriff, welcher ſich namentlich mit „JIndividua-
lität“ und „Temperament“ berührt, theilweis dect (ſ. d.). Individualität iſt jedoch der
weitere Begriff: zu derſelben gehört ſchließlich auch das Erarbeitete, das Anerzogene, das
Nachgeahmte und Nachgemachte. Naturell iſt aber nur die von Geburt oder von Natur
vorhandene Seite, bezüglich Grundlage der Individualität. Das Naturell kann ſchnell oder
langſam, fkräſtig oder ſchwach, glücklich oder unglücklich ſein. Jmmer aber entzieht ſich das
Naturell an fich, eben al38 ein Gegebenes, der ſittlichen Beurtheilung, dem Lobe oder dem
Tadel, Freilich kann und ſoll der gereifte Menſch bis zu einem gewiſſen Grade auch ſeines
Naturell3 Herr und Meiſter werden, und ſchon die früheſte Erziehung hat darauf hin zu
arbeiten. Das langſame Naturell iſt ſoviel als möglich munterer zu machen, das überſchnelle
zu zügeln und zu mäßigen u, |. w. Das Naturell iſt, ſoweit dies thunlich, mit zu berüc-
ſichtigen (f. Neigung) und in das individuelle Ideal oder Muſterbild des Erzieher3 von
jJeinem Zöglinge mitaufzunehmen.
Naturalienſammlung. Ohne dieſe iſt ein zeitgemäßer Unterricht in der Naturgeſchichte
geradezu unmöglich ; daher ſollte man überall, wo eine ſolche noch nicht vorhanden, ſelbſt
in der kleinſten Dorfſchule , darauf bedacht ſein, ſie anzulegen. Für Schulen, denen das
Glück zu Theil geworden, einen beſonderen Fond dazu verwenden zu können, dürften wohl
ſolgende Grundſäße zu empfehlen ſein: Man ſchaffe zuerſt das Nöthigſte und Wichtigſte
an, ehe man zu dem Entbehrlichen ſchreitet. Da man einen Gegenſtand nur dann wirklich
kennen lernt, wenn man ihn ſelbſt betrachtet, ſo muß man ſein Hauptaugenmerk auf die
Herbeiſchaffung natürlicher Exemplare richten und erſt in zweiter Linie auf die von Bild»
werfen und Modellen. Man lege den Plan gemäß der Aufgabe der Volksſchule an, welche
darin beſteht, zunächſt nur in die Natur der Umgebung einzuführen und das Ausländiſche
nur im Anſchluſſe an das Vaterländiſche zu behandeln, ſei alſo beſtrebt, in der Schul-
jammlung ein möglichſt vollkommenes Bild von den Vorkommniſſen in der Natur der Um-
gegend zu jſchaſſen und dastelbe zu einem Ortömuſeum zu erweitern, was dann leicht ge-
ſchehen kann, wenn man verſteht, das Intereſſe der Erwachſenen für dieſen Gegenſtand an-
zuregen und zu befeſtigen, wobei als erprobtes Mittel gilt, die Namen der Geber auf den
Etiketten zu bemerken. Daß man dabei auf Ordnung und möglichſte Schonung der Gegen-
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