Heid nn Heigung = a
- freundlich geſinnten Perſonen und iſt in den wenigſten Fällen nur etwas an und für ſich
Verwerſliches. Dennoc< muß der Erzieher auf die im Jugendalter beſonders häufig auf-
tretende Neckerei jein Augenmerk richten. Kommt ſie während des Spiele38 vor und bleibt
fie in Maß haltenden Schranken, ſo mag man ſich wohl geberden, als gewahre man
Nicht8 davon, allein tritt ſie in der Zeit auf, die ernſter Beſchäftigung gewidmet iſt, z. B.
während der Schulzeit, jo unterſage man ſie in jedem Falle im Hinbli> auf die unaus-
bleiblichen Störungen des Unterrichtes und de8 Fortſchrittes. Dasſelbe Verfahren beobachte
man, wenn die Neckerei aus . den Schranken der Mäßigung heraustritt. Dies geſchieht,
wenn ſie kein Ende kennt, wenn ſie ſich immer auf ein und dieſelbe Perſon, auf Gebrech-
liche oder nur auf Solche richtet, die zur Gegenwehr nicht geſchaffen ſind nnd wenn ſie
ausartet in Beſchimpfung, Verſpottung oder thätliche Verunglimpfung. Leicht könnte al3-
dann bei allzu großer Nachſicht aus der? Ne>er ein Quäler und Schadenfroher werden
und ſeinem Gemüthe ſich überhaupt ein Zug beimiſchen, welcher ihn bi8 in's ſpätere Leben
für friedlichen, geſelligen Verkehr und für Freundſchaft untauglich macht. Viel kann der
Lehrer zur Verhütung der Neckereien in der Schule durch ſein perſönliches Benehmen thun.
Wer nie jelbſt ne>t, wer nie die Umſtände , die Anlaß zu Necereien geben können , ge-
flijſentlich hervorhebt, nie über wahrgenommene Neereien bei gut gelaunter Stimmung
durc< Lachen ſeinen Beifall ':zu erkennen giebt, wer kein Freund ſogenannter „Spißnamen“
für jeine Schüler iſt, dex wird auch bei ſeinen Zöglingen die Neckerei nie in beläſtigender
Weiſe hervortreten ſehen. Hat aber ja einmal, wa8 auch in der beſtgeleiteten Anſtalt vor-
kommen kann, Necerei den einen oder anderen Schwachen entmuthigt, ſo iſt e8 Pflicht
des Erzieher8, durch möglichſte Hervorhebung der Vorzüge jenes Beleidigten das trübe
Bild zu verwiſchen ; iſt ein Empfindlicher den Sticheleien ſeiner Mitſchüler gegenüber rath-
lo8 , jo hat ihn der Lehrer darauf hinzuweiſen , daß Widerſtand die Neckluſt nur erhöht,
hingegen ruhiges, anſcheinend ignorirende8 Ertragen in kürzeſter Zeit von allen derartigen
Angriffen am Sicherſten befreit.
Neid, |. Mißgunſt.
Neigung iſt Richtung des Gefühles, welche theils bejahig (Zuneigung), theils ver=-
neinig (Abneigung, ſ. d.), theils Beides vereinigt iſt. Neigung ohne weiteren Beiſaß
iſt in der Regel als Zuneigung zu verſtehen. Die Neigung ſollte weſengemäß ſein, d. h.
die Zuneigung ſollte ſich nur auf das Gute richten, die Abneigung nur auf das Böſe
(jj. Mitgefühl). Das Vermiſchte (theilweiſe Gute und theilweije Böſe) ſollte mit Zu-
neigung zu dem Guten daran, mit Abneigung von dem Böſen daran empfunden werden.
Was jedoch das Gute und was das Böſe ſei, ſoll, wenn irgend möglich, rein, d. h. un-
abhängig vom Gefühle und von der Neigung erkannt werden. Dies haben bereits die
Stoiker erkannt, aber ſie irrten inſofern, als ſie die Neigung grundſäßlich verdammten,
was rigoriſtiſch , abſtract, unpraktiſch und abſchreend iſt. Der richtige Grundſaß lautet :
Nicht8 bloß aus Neigung, nur um der Neigung willen zu thun, aber wo möglich Alles
mit Neigung. Die unterſte ſittliche Stufe iſt, nur nach Neigung zu handeln, ſei e8 gut
oder böſe ; die zweite nur das Gute zu thun, lediglich aus Pflichtbewußtſein, ohne Nei-
gung, ja wider die Neigung; die dritte, nur das Gute zu thun aus Pflichtbewußtſein,
aber mit Neigung. Die zweite Stufe, die der Stoiker und Kant8 , iſt zwar erhaben im
Vergleiche zu der erſten, dem Standpunkte de8 ſinnlichen Neigung8menſchen, aber tiefer als
die dritte Stufe, die de8 rechten Chriſtenthrms , Schiller's und Krauſes ; leßtere vereinigt
Erhabenheit mit Schönheit, Anmuth und Liebenswürdigkeit. Daran muß freilich auf alle
Fälle feſigehalten werden, daß im Nothfalle das Gute auch ohne, ſelbſt wider Neigung
gethan werde. Darin liegt vor' Allem das Erziehende und Stählende eines beſtimmten
Beruſes, 3. B. des Lehrerberufes, daß nicht auf die Neigung gewartet werden darf, daß
friſch drauf 108 gehandelt werden muß. Bei harmoniſchen Naturen wird das Gefühl der
erlangten Erkenntniß bald nachfolgen und mit derſelben übereinſtimmen. Der Erzieher
ſtrebe darnach, ſeinen Beruf nicht nur im Ganzen, ſondern auch nah allen einzelnen
Zweigen und Seiten hin mit Neigung auszufüllen ; er ſtrebe ferner darnach, mit allen ſitt-
lichen Mitteln ſich die Neigung des Zöglinges zu erwerben, was übrigens durch Schwäche
niemals, wohl aber durch Liehe im Verein mit unparteiiſcher Strenge und 3

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