50 Oeſterreih H “ Offenheit
vierten Claſſe 300 fl. In den Provinzen mit drei Gehaltsſtufen beträgt die jährliche
Beſoldung 600 fl., 500 fl. und 400 fl. =-- Die Beſoldungen an den Bürgerſchulen ſind
mit 600 bis 800 fl. feſtgeſeßt. Jeder Leiter (Oberlehrer oder Director) der Scule
hat Anſpruch auf ein Freiquartier und erhält außerdem noch eine Functionäzulage , die
jährlich 50 bis 300 fl. beträgt. Die Unterlehrer beziehen im Allgemeinen 60 bis 70%%/o
der Lehrergehalte, Außerdem beziehen Lehrer wie Unterlehrer Dienſtalter3zulagen. Die Lehrexr-
ſchaft erhebt ihren Gehalt aus der Bezirk8ſc das Schulweſen des Bezirke3 beſtritten werden. Küſterdienſte zu verrichten iſt dem Lehrer
unterſagt. =“ Sämmtliche definitiv angeſtellten Lehrex und mit dem Lehrbefähigungszeugniſſe
verſehene Unterlehrer , ſowie die Wittwen und Waiſen derſelben ſind penſionsberechtigt.
Wer no< nicht zehn Jahre gedi nt hat, erhält bei einer Emeritirung nur eine Abſerti-
gung in der Höhe ſeincs andertbalbjührigen Jahre8gehaltes. Bei elf bis fünfzehn Jahren
Dienſtz.it bezieht ex ein Drättel ſeines Gehaltes al8 Penſion. Wer über fünfzehn Dienſtjahre
nachweijen kann, hat Anſpruch auf drei Achtel und mit jedem weiter zurückgelegten Quin=
quennium auf ein fernere8 Achtel, mit dem beendeten vierzigſten Dienſtjahre auf das
ganze Gehalt. Zum Penſionsfond haben die Mitglieder zehn Procent ihres erſien Jahre3-
gehaltes beizutragen , überdies jährlich zwei Procent ihres Gehaltes. = Die Wittwen und
Waiſen haben nur dann einen Verſorgung3anſpruch, wenn der verſtorbene Gatte und Vater
ſelbſt zu einem Ruhegenuſſe berechtigt gewejen wäre. Cine Wittwe, deren Mann noch
nicht zehn Dienſtjahre vollendet hatte, erhält eine Abfertigung, und zwar ein Viertel des
Jahres8gehaltes ihres Mannes. Wenn der Mann über zehn Jahre gedient hatte, erhält -
die Witwe ein Drittel des von ihrem Gatten bezogenen Jahresgehaltes. Für die Waiſen
find bis zum zwanzigſten Leben8johre Erziehungäöbeiträge in den Landes3geſehen normirt,
So tüchtig gegenwärtig in Oeſierreich an der Hebung der Volksbildung gearbeitet wird,
das öſterreichiſche Volksſchulweſen krankt doch an zwei gewaltigen und nur langjam zu
beſeit' genden Uebeln : An dem in vielen Gegenden vorkommenden ſchlechten Schulbejuche und
an der Ueberfüllung der Schulclaſſen. Selbſt in mehrclaſſigen Schulen trifft man in einer
Claſſe 80, 100 und mehr Schüler. Das öſterreichiſche Volksſchulwejen befindet ſich in
einem gewaltigen Gährung8= und Entwickelungsproceſje, und de8halb müſſen wir hier ver-
zichten, neuere ſtatiſtiſche Daten zu geben, da dieſe ohnehin ſchon in den nächſten Monaten
veraltet ſein würden. Wir beſchränken uns darauf, anzuführen, daß Deſterreich vor dem
Inslebentreten der neuen Schulgeſeze 14,000 Volksſchulen hatte, die von 2,215,000 Kin-
dern beſucht und an welchen 33,300 Lehrkräfte thätig waren. Literatur: „Die Grün=
dung der öſterreichiſchen Bolksſchule durc Maria Thereſia“, von A. Helfert, Prag, Verlag
von F. Temsky; „Syſtem der öſterreichiſchen Volksſchule“, von A. Helfert, Prag, Verlag
von F. Tem8ky; „Taſchenausgabe der Reich8geſeße für das Kaiſerthum Oeſterreich“, Nr. 2,
3 und 15, Prag, Verlag von H. Mercy; „Jahresbericht des k. k. Miniſteriums für
Cultus und Unterricht für 1870", Wien, Verlag der k. k. Staatsdruckerei.
Oſſenheit iſt diejenige Eigenſchaft eines Weſens, vermöge deren es ſein Inneres Anderen
fund thut oder mittheilt. Berechtigt iſt die Offenheit nur inſoweit, als ſie „eine Theil-
äußerung der vereininnigen Liebe“ iſt. Eine Ausartung der Offenheit iſt die Shwaßhaftig-
keit und Flatſcherei, beziehentlich Angeberei. Der Gegenſaß zur Offenheit iſt : Verſtecktheit,
Verſchloſſenheit , Neigung zur Verheimlichung und Hehlerei, oft ohne daß ein vernünſtiger
Grund vorliegt; ſie ſind bedenklich, weil leicht zu allerlei Unſittlichkeit führend. „Verſc heit“ dagegen gilt mit Recht als eine Tugend. Jmmer die rechte Mitte zu finden, an der
rechten Stelle offen und hingebend, ſowie zurückhaltend und vorſichtig zu jein, iſt ein weſent=
liher Theil der Sittlichkeit und Lebenskunſt. Geſunde und gutartige Kinder neigen von
ſelbſt zur Offenheit, und man hüte ſich wohl, dieſen äc Die Zurechtweiſung geſchehe in der ſchonendſten, zarteſten Weije. Der Klatjcherei und An-
geberei trete der Erzieher aufs Nachpdrülichſte als einer Gemeinheit entgegen. Doch mache
er da8 Anzeigen von wirklich wichtigen Dingen, 3. B. unſittlichen Handlungen (Diebſtahl,
Betrug, ja ſchon „Kaupelei") zur unbedingten Pflicht. Die Verſteätheit und Verſchloſſen-
heit der Rinder, ein krankhafter, unkindlicher Zug, wird, wenn überhaupt, nur durch ents=-
gegenfommende Liebe de3 Erzieher 8 gemildert und überwunden. Exlaß der Strafe bei völlig

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