Oldenburg 3 Oppoſitionsgeit 1.
| offenem Geſtändniſſe wirkt bisweilen Wunder. Die Offenheit des Lehrers kommt nament-
lich in Betracht, wenn er ſich geirrt oder einem Zöglinge Unrecht gethan hat; von jedem “
rechten Pädagogen iſt in dieſen Fällen ſicher zu erwarten, daß er ſeinen Irrthum, bezüglich
ſein Unrecht vor der Claſſe ganz offen eingeſteht. Die Beſorgniß, daß dadurc< der „Reſpect“
des Lehrer3 leide, iſt ganz grundlos, im Gegentheil: Die Achtung vor und die Liebe zu
demjelben wird auf dieje Weiſe nur erhöht.
Oldenburg. Dur das Geſeß von 1855 wurde das evangeliſche Erziehungs - und
Pnterrichtäweſen dem Oberſchuleollegium zu Oldenburg und das katholiſche einer gleichen
Behörde zu Vechta untergeben. In jedem Collegium muß wenigſtens 1 Geiſtlicher und
1 Schulmann ſißen. Jede Schulgemeinde (Schulacht) wählt einen Schulvorſtand, in welchem
der 1, Lehrer des Ortes Siß und Stimme hat. Der Geiſtliche iſt Localſchulinſpector.
Aller 3 Jahre iſt jede Schule durch den Kreisſchulinſpector (1868 bekleideten im prote-
fantiſchen Landes8theile 5 Pfarrer, 1 Schuldirector und 6 Volksſhullehrer dieſes Amt)
und in je 6 Zahren durch ein Mitglied des Oberſchuleollegiums zu viſitiren (Speciale
und Generalſchulviſitation). Schulpflichtigkeit vom 6. bis 14. Jahre. Bei Steigung der Schüler»
zahl um je 100 iſt eine neue Claſſe einzurichten. In der ein= wie zweiclaſſigen Volksſchule
hat jeder Schüler 30 wöchentliche Unterrichtöſtunden. Turnen und weiblicher Handarbeit3-
unterricht iſt obligatoriſch. Der jährliche Maximalſchulbeitrag iſt 25 Sgr. Beſondere
Armenſchulen zu errichten, verbietet das Staat8grundgeſeß. =- Das Großherzogthum hat
1 evangelijches Seminar in der Landes8hauptſtadt mit 60 Zöglingen in 3 Claſſen und
1 fatholiſches zu Vechta. In jenem werden die Seminariſten nach Abſolvirung der 2 Anfangs
dajjen 2 Jahre als Hülfslehrer verwendet und beſuchen dann erſt die 1. Claſſe. Haupt-
lehrer (Lehrer einer ungetheilten und der 1. Lehrer einer mehrclaſſigen Schule) erhalten
neben freier Wohnung mit Garten in Schulachten mit weniger al8 25 Familien 125--150 Thlr.,
mit 25--50 Familien 150-175 Thlr. und mit über 50 Familien 175-200 Thlr.;
definitiv angeſtellte Nebenlehrer 125 und proviſoriſche 115 Thlr., und Hülfslehrer, wenn
fie Schulamts8candidaten ſind, 105 und wenn noch Seminariſten , 95 Thlr... Nach
10 Dienſtjahren beträgt das Gehalt auf der Geeſt 200 Thlr., in der Marſch und in
Städten 250 Thlr. , nach 15 Dienſtjahren 250 und 300 Thlr. und nach 20 Dienſt-
jahren 300 und 350 Thlr. In Pfarrorten wird das Kirchendienſteinkommen von über
80 und in anderen Orten von über 25 Thlr. in die Beſoldung eingerechnet. Die Alter3-
zulagen, ſowie auch die Penſionen werden aus der Staatscaſſe gezahlt. Leßtere betragen
bei 10 Dien ſtjahren 40/0 des Gehaltes, ſteigen bis zum 30. Dienſtjahre um je 1/2 %/0
und von da an je 1%0, Dazu kommen bi8 zu 400 Thlr. Einkommen noch 10/0 und
bis 1000 Thlr. 5%%0 desfelben. Ueber 90%0 kann die Benſion nicht betragen. Mit dem
70. Lebenöjahre kann die Penſionirung ohne Angabe eine3 Grundes gefordert werden.
Lehrerwittwen erhalten außer dem Unterſtüßungsbeitrage aus ver Beamtenwittwencaſſe aus
der Schullehrer-Wittwen = und Waiſencaſſe 25 Thlr. jährliche Unterſtüßung. = 1864 gab.
es 281 evangeliſche Volksſchulen mit ebenſoviel Haupt- und 100 Nebenlehrern und 119
fatholijc Fürſtenthum Lübe> 68 Lehrer an 58 und im Fürſtenthum Birkenfeld 104 Lehrer an 82
Schulen.
Onanie, ſ. Selbſtbefle>ung.
Oppoſitionsgeiſt. Opponiren heißt widerſtreben , widerſprechen , Widerſtand leiſten.
Die Oppoſition kann ſich demnach auf dreierlei Weiſe äußern, im inneren Streben und
Wollen, im Reden und auch im Handeln. Die erſtere Art bezeichnet man wohl auch zu-
weilen al8 paſſiven Widerſtand, dem gegenüber man von den beiden leßzteren Aeußerungen
al3 von einem activen Widerſtande veden könnte. Wenn auch nicht geleugnet werden kann,
daß die Oppoſition im geſellſhaftlichen und ſtaatlichen Leben ihre guten Seiten hat, jo darf
doch der Erzieher daraus nicht die Folgerung ableiten, daß auch er Oppoſition bei ſeinen
- Zöglingen dulden, ja wohl gar begünſtigen müſſe. Die Erziehungsſtätte iſt vielmehr ein
Ort, wo zum willigen, ſtrengen Gehorſam angeleitet und das Opponiren mit allen zu-
ſtändigen Mitteln entfernt werden muß. In den früheſten Kinderjahren fritt „die eigent-

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