54 Organiſation der-Scule und des Unterrichtes -
richtet, reſp, beſchäftigt (ungetheilte Schule), oder e8 exhalten in mehreren Stunden
2 Claſſen, bald Ober- und Mittel=, bald Mittel = und Unterclaſſe, aber nur ſelten ,oder
auch nie alle 3 Claſſen Unterricht und zwar in der Weiſe, daß Vormittag3 Ober= und
Mittelclaſſe und Nachmittags Mittel= und Unterclaſſe vereinigt ſind, oder daß Vormittags
die 5 oberen Jahrgänge, Nachmittags die 3 unteren, Mittwoch8 und Sonnabends dagegen
ſämmtliche Finder zugegen find (getheilte Schule). Für die getheilte Schule plaidirt be-
jonder3 E. Th. Golhſch in ſeinem Buche „Einrichtungs = und Lehrplan für Doxfſchulen, "
Auch 8. M. Seyffahrt ſpricht ſich ſehr entſchieden dafür aus. Al8 Gründe gegen die un-
getheilte Dorfſ Erforderniſſe für einen gedeihlichen Unterricht, iſt bei gleichzeitiger Unterrichtung von Kindern
jo verjehiedener Alter3= und Bildungsſtufen ſehr ſchwer ; 2) eine Schulzeit von 26 bis 30
Stunden wöchentlich iſt für ſech8= bis achtjährige Kinder geſundheit3ſchädlich und beraubt ſie
ihrer geiſtigen Friſche; 3) die Fortſchritte können darum nur langſame ſein. Die Verehrer
der ungetheilten Volksſchule (Kellner, Gräfe) machen dagegen geltend, dieſelbe ſei der ge-
theilten vorzuziehen, aus Gründen der Sittlichkeit =: die Kinder würden an den ſchul-
freien Vor= oder Nachmittagen Straßenunfug treiben oder von den Aeltern zu geſundheits=
widrigen Arbeiten verwendet werden =- und aus Gründen der Pädagogik , als: 1) weil
es unmöglich jei, in jo wenig Stunden das Ziel eines zeitgemäßen Lehrplanes zu erreichen;
2) weil die Kinder in ungetheilten Schulen durch zwekmäßige Beſchäftigung, durch Ueben
und Thun ſich ihre Kenntniſſe erarbeiten müßten und infolge deſſen in ven Fertigkeiten
des Lejens8 , Schreiben3 und Rechnens meiſt mehr leiſteten, als die Schüler in getheilten
Schulen; 3) weil der erziehliche Cinfluß der an Jahren und an Geſchlecht verſchiedenen
Kinder bei guter Disciplin außerordentlich fördernd auf die geiſtige Entwieelung der Kin=
der einwirke; 4) weil bei getheiltem Unterrichte dem Lehrer mit etwa 36 wöchentlichen
Unterrichtsſtunden eine größere Laſt aufgebürdet werden müßte, als ex auf die Dauer tragen
könne, oder die Unterricht8zeit für die einzelnen Claſſen müſſe gar zu ſehr verkürzt werden.“
Kehr macht denn nun in ſeiner „Praxis der Volksſchule“ den Borſchlag , die Vortheile
der getheilten und ungetheilten Schule in der Weiſe zu combiniren, daß der Lehrer jich
Vormittags nur mit den 5 oberen Jahrgängen beſchäftigt und die Kinder der 3 unteren
nur 1 bis 2 Stunden behufs Anfertigung der ſogenannten häuslichen Arbeiten in die Schule
kommen ließe, und daß er al8dann Nachmittags ſich nur mit den 3 unteren Jahrgängen
beſchäſtige und die oberen 5 nur zum Zwecke der Einübung in der Schule habe. Lehr-
und Stundenpläne für Schulen mit nur einem Lehrer finden fich in Gräfe's „Deutſcher
Volksſ's8 „Wegweiſer für Volksſchuſlehrer“
und in Kehr?8 „Praxis der Volksſchule." -- Wenn in einem Orte für die gejammte Schul-
jugend nur 2 Lehrer vorhanden ſind, ſind drei verſchiedene Einrichtungen möglich : Ent-
weder jedes Geſchlecht bildet eine beſondere Schule =- was freilich ganz unpraktiſch und
unpäödagogiſch ſein würde =-, oder beide Geſchlechter werden zuſammen unterrichtet , und
dann können 2 oder 3 völlig getrennte Claſſen eingerichtet werden. Sind in einem Orte
drei Lehrer, jo können zwei für die Knaben und einer für die Mädchen beſtimmt werden,
oder es wird eine gemiſchte Clementarclaſſe gebildet, an welche ſich eine Oberclaſſe für
Knaben und eine Oberclaſſe für Mädchen anſchließen , oder endlich man vereinigt die Ge-
j müößigſte iſt. Da, wo 4 Lehrer vorhanden find, dürfte es am Einfachſten und Ratürlich-
ſien ſein, eine gemiſchte Unter- und eine eben ſolche Mittelclaſſe einzurichten und dieſen eine
Oberclaſſe für Fnaben und eine ſolche für Mädchen anzufügen. Die äußere Schulorgani-
ation für Orte mit mehr als 4 Lehrern richtet fich zu ſehr nach den localen Verhältniſſen,
jo daß ſich nicht einmal beſtimmte allgemeine Normen dafür geben laſſen. Schwierig iſt
die Organiſation des YVolksſchulweſen3 mittlerer und großer Städte, weil es ſich hier ge=
wöhnlich nicht nur um die Eintheilung einer Schule in Claſſen handelt, ſondern zugleich
auch um die Einrichtung mehrerer Schulgattungen (höhere und niedere Bürgerſchule). Was
nun die übrigen Punkte der Schulorganiſation betrifft, ſo fiche unter : „Lehrer“, „Lehrer-
wahl“, „Lehrplan“, wo beſonder8 von der Organiſation des Unterrichtes mit gehandelt
wird, „Scullocal“, „Lehrmittel“, „Schulbehörden“ und „Schulaufſicht.“

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