99 Orgelſpi H Orthodoxie -
Orgelſpiel. Inſofern der Lehrer Organiſt iſt, liegt ihm die Ausübung der Kunſt
des Orgelſpielen8 beim Gotte8dienſte ob, und es iſt dieſer Beruf nächſt dem eigentlichen
Sculdienſte jedenfalls ſein wichtigſter. Das Orgelſpiel als Kunſt iſt, wie das Spiel 'an-
derer Inſtrumente, ebenfalls zu hohem Virtuoſenthum geſteigert worden 3; wenn auch leider
die Blüthezeit desſelben ſchon in der Vergangenheit zu ſuchen iſt. Hat mun der Leh-
rer durc< Talent und Fleiß die Fähigkeit zu bedeutenden techniſchen Leiſtungen erlangt, -
ſo erfordert doh der nächſte Zweck ſeines Spieles, welcher in der Leitung des Gemeinde
Geſange3 und in der Erwekung andachtsvoller Stimmung beſteht, vor Allem ein würdiges,
einfaches und dem Weſen ſeines Inſtrumentes ſowie des Gotte8hauſes entſprechendes
Orgelſpiel. Um dieſer keine8wegs leichten Aufgabe zu genügen, ſind folgende Anforderungen
an ihn zu ſtellen: 1) Genaue Kenntniß ſeines Inſtrumentes. Durch dieſe wird ex, äußerlich
betrachtet, befähigt, dasſelbe vor Schaden zu bewahren und bei eingetretenen Störungen
Jelbſt helfende Hand anzulegen. Auf geiſtigem Gebiete aber erlangt ex durc die Mittel, durch die Kunſt des Regiſtriren38 die reichen Schönheiten der Orgel zur Gel-
tung zu bringen und dieſelben der Stimmung de8 Tage8 gemäß zu verwenden. Mit
jolcher Kenntniß muß ſich aber 2) ausreichende techniſche und muſikaliſche Bildung und edelſter
Geſchmack verbinden. Wenngleich eine auf dem Clavier erlangte gute techniſche Ausbildung
auc) dem Orgelſpiel als Grundlage dient, ſo erfordert doch die ſtrenge Bindung auf der
Orgel, der damit in Verbindung ſtehende abweichende Fingerſaß , ſowie das hinzutretende .
in ſeiner techniſchen Ausführung ganz neue Pedalſpiel beſondere ſorgfältige Pebung , und
dieſe niht nur behuſs der Crlangung, ſondern gerade auf dieſem Inſtrumente auch behufs
der Bewahrung des oft mühevoll Erworbenen. Dem Weſen der Orgel entſpricht nur ein
jtylvolles Spiel, welches von dem modernen Clavierſpiele in jeder Hinſicht weit verſchieden iſt,
und deſſen Grund nur in gediegener muſikaliſ Ic ganiſt der Vertreter der heiligen Kunſt im heiligen Hauſe iſt, und daß er für die Gemeinde
ſpielt, fönnen allein vor unwürdig = weltlichem oder nichts8ſagendem Spiele bewahren. Die
Thätigkeit des Organiſten während des Gotte3dienſtes8 theilt ſich in Präludium , Choral-
ſpiel, Zwiſchenſpiele und Poſtludium (ſ. d.). Literätur ]. unter Orgel.
Originalitat, originell, So ſchön die urſprüngliche Bedeutung de8 Wortes Ori-
ginalität „einzige Ureigenthümlichkeit" iſt, wird es doch häufig geradezu als Schimpf-
wort gebraucht. Cin „Original“ iſt ſoviel al8 ein Sonderling, ein närriſcher Kerl, ein
komiſcher Kauz. In dieſem Sinne originell zu ſein, iſt für den Erzieher ein doppelter
Vorwurf, da er ja den Zöglingen mit guten, nachahmungs8werthen Beiſpielen vorangehen
joll. Die ſogenannten Originale unter den Lehrern (beſonder38 auf Gymnaſien) find aller-
ding8 ſchon ſehr im Ausſterben begriffen : Der freigeſellige Umgang aller Stände mit ein-
ander erj das abſichtliche Haſchen na hat der Erzieher an ſich ebenſo ſehr zu meiden, al8 an den Zöglingen auf jede Weiſe,
beſonder3 durch gelinden Spott zu bekämpfen. =- Originell im guten Sinne, d. h. ganz
einzig, wird jeder wahrhaft gute Lehrer ſein, vorzüglich in Anſehung des Lehr- und
Umgangs8tones, Der ächte Erziehungskünftler kann in dieſer Hinſicht gar nicht individuell
erreicht, erjeht oder übertroffen werden, wie das die Dankbarkeit der Schüler zu allen
Zeiten anerkannt hat. -- Wirkliche Originalität (guter Art) von einem Schüler zu ver=
langen, z. B. in deutſchen Arbeiten, wäre unbillig und überſpannt. Die Keime und An-
jäße jedo< zu ächter Originalität im Denken, Sprechen, Zeichnen u. ſ. w. zu erkennen
und innerhalb der rechten Grenzen zu pflegen, iſt eine heilige Pflicht für den Erzieher
umd zugleich ein Genuß. Nur der Pedant wird griesgrämlich aller Originalität entgegen=
trejien, aber vergebens !
Orthodoxie, ein am Häufigſten in der proteſtantiſchen Kirche vorkommender Begriff,
iſt der Glaube an das Evangelium von Chriſto, wie e8 von den Apoſteln dargeſtellt und
in den ſymboliſchen Büchern erläutert worden iſt. Die Orthovoxie iſt nicht mit dem Or-
thodozi8mus zu verwechſeln, Während das leßtere (ſchon von Leſſing gebrauchte) Wort
diejenige franthafte Erſcheinung bezeichnet, welche aus den ſymboliſchen Schriften einen

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