= Orthographie 0 Pik 37
- papiernen Papſt macht, den äußeren Kirc unwejentlichſten Dinge, für nothwendig zur Seligkeit hält und in jeder kleinen Lehrab-
weichung einen Abfall von Chriſto wittert, =- iſt die Orthodoxie ein Glaube, der ſeinen
Grund einzig und allein in dem „geoffenbarten Worte Gottes“ hat, in den Nebendingen
zwiſchen Bibel und Wiſſenſchaft gern vermittelnd auftritt und daneben in der Veredelung
des Herzen und des Willens ſeinen wahren Werth findet. Die Orthodoxie iſt das wahre
Chriſtenthum in der von den Reformatoren geſchaffenen Form. Die liberale Partei hält
in der Regel ſchlechtweg jeden Orthodoxen für einen Orthodoxiſten. Richtig iſt, daß die
meiſten Orthodoxen in ihren Lehrvorträgen auf Kanzel und Katheder mehr oder weniger
auch etwas Orthodoxiſtiſches haben. =- Auf dem Gebiete der Erziehung iſt der Orthodoxi8mus
von den gefährlichſten Folgen. Die Spikßfindigkeiten , die er im Unterrichte wie Funda-
mentallehren behandelt, die Peinlichfeit , mit der er jede Abweichung vom Buchſtaben der
Kirchenlehre als große Sünde rügt, und die Herrſchſucht, mit welcher er jede freie Be-
wegung des Denkens hemmt, führen unfehlbar dahin, die Zöglinge dem wahren Chriſten-
Hhume zu entfremden und alle Religiöſität in ihnen zu ertödten.
Orthographie, [. Rechtſ Ortskunde, d. h. der Theil der politiſchen Geographie , welcher ſich ſpeciell mit der
DBeſc nicht zum mechaniſchen Gedächtnißwerke werden ſoll, nur mit ſorgfältigſter Au8wahl und
weijer Beſchränkung betrieben werden. Im engeren Vaterlande müſſen die Schüler unter
den Städten , Marktfleken und Dörfern Beſcheid wiſſen, je weiter aber die beirachteten
Länder von der Heimath entfernt liegen, deſto ſparſamer ſei man mit Aufzählung von
Ortsnamen. Die Schüler haben ſich die Namen derjenigen Orte einzuprägen, die ſich
auszeihnen durch ihre Größe (Haupt- und Reſidenzſtädte), als wichtige Handel8=, Jnduſtrie-
und Haſenorte, als Schauplaß denkwürdiger Begebenheiten , Geburt8- und Sterbeoyrte be=-
rühmter Männer u. dgl, Es bietet ſich hier überhaupt viel Gelegenheit, Hiſtoriſches, Tech-
nijhes , Biographiſches u. ſ. w. herbeizuziehen und organiſch zu verknüpfen , nur wähle
man mit Rücſficht auf die Faſſungskraft der Schüler ſorgfältig aus und hüte ſich vor
Ueberbürdung derſelben mit zu vielerlei Dingen. Die Einwohnerzahlen ſeien nur runde
Zahlen , wozu ſchon die in die Karten eingetragenen Orts8bezeichnungen veranlaſſen. Für
den Unterricht empfehlen ſich Wandkarten mit wenig Ortsbezeichnungen , bei welchen keine
Namen ſtehen ſollen; auch laſſe man beim Kartenzeichnen die Orts8zeichen ohne Namen
eintragen. Man fann die zu merkenden Orte nach Ländern, Strömen , Meeren u. dgl.
ordnen laſſen und darauf bezügliche Aufgaben ſtellen. Gute Beſchreibungen aus Reiſe-
werten , Abbildungen und, wo es die Umſtände geſtatten , ſtereoſkopiſche Anſichten dürften
jehr zu empfehlen ſein.
Ortsſchulinſpector, ſ. Inſpection.
Overberg , Bernhard Heinrich, als katholiſcher. Pädagog gern neben Seiler genannt,
geb. 1754 im Ounabrückiſchen , ſtudirte zu Münſter, wurde Dorfkaplan, und, da er ſich
als NReligionslehrer hervorthat, als Lehrer, ſpäter als Regens an der Normalſchule (biſchöfl.
Seminar) nach Münſter berufen. 1816 ernannte ihn die preußiſche Regirung zum Con-
ſiſtorialrath und als ſolcher ſtarb er 1826. Seine „Anweiſung zu einem zweckmäßigen
Schulunterrichte im Hochſtift Münſter 1793" (7. Aufl. 1835) zeichnet ſich durch humanen
Geiſt , praktiſche Auffaſſung und populäre Form aus. Beſonder8 auf den NReligion3unter-
richt wirkte Overberg reformirend ein ; als Freund und Meiſter der Katechetik war ihm
das unverſtandene Auswendiglernen des Katechiömu8 zuwider , er nannte e3 ſehr richtig
1) eine große, 2) eine unnüße, 3) eine ſchädliche Plagerei.
VB.
Puadagogik oder Erziehungskunde iſt die Wiſſenſchaft von den Regeln und Geſeßen für die
Thätigkeit zur Erziehung des Menſchen. Sie ſcheidet ſich in theoretiſche und praktiſche
Pädagogik. Die theoretiſche Pädagogik befaßt fich mit dem Aufſfuchen und Ordnen der
Grundſäße und Regeln für das Geſchäft der Erziehung ; man kann dieſelbe auch vorzugs=

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