72 Pädagogiſche Erfahrung 2 Parallelclaſſen
die Lehrerſchaft die pädagogiſche Preſſe gewonnen. Gegenwärtig ſtehen mehrere- deutſche
Länder, wie Preußen, Sachſen vor Reformen der Sculgeſehgebung, andere haben ſie hinter
ſich , Gotha, Anhalt u. ſj. w. Näheres darüber, ſowie über die Entwickelung des Schul-
weſens in den einzelnen Staaten ſiehe die lehtere behandelnden Specialartikel, Außerhalb
Deutſ 1870--1871, eifrig an Verbeſſerung des Unterrichtes gearbeitet, ſo in Rußland, Frank-
reich, England 11.- A, Je größer der Wettſtreit der Nationen auf dieſem friedlichen Ge=
biete wird, deſto Crfreunlicheres wird eine zufünftige Geſchichte der Pädagogik in 'hre
Blätter einzuzeichnen haben.
Pavugogiſche Erfahrung, ſ. Erfahrung.
Padagogiſches Seminar. Weniger als für die Volksſchullehrer hat der Staat für
die Lehrer an höheren Anſtalten, als Gymnaſien und Realſchulen geſorgt, inſofern er mehr
auf deren wiſſenj]chaftliche, als praktiſche Bildung bedacht iſt und leßtere vorzug8weiſe „dem
Probejahre“ und der Privatgelegenheit überläßt. Da dies, wie das bloße Hören von Vor-
lejungen über Pädagogik nicht al8 genügend anerkannt werden kann, da die Zahl der
höheren Schulen ſich täglich mehrt, dieſe feſte Formen und Ziele erhalten haben und eben-
jo wichtig für den Staat ſind, als die Volksſchule, ſo ſollte er ſein Augenmerk? auf
die Gründung, beziehentlich Vermehrung von pädagogiſchen Seminarien richten, unter denen
wir nicht etwa eine Schule verſtehen , in der einige Lectionen gehalten werden , ſondern
eine Anſtalt, die, wenn möglich, nach Beendigung de8 akademiſchen Curſu8, in verſchiedenen
Sectionen die Jahre dauernde allgemein pädagogiſche und die methodiſch praktiſche Durch=
bildung der fünftigen Lehrer der Sprachen, der Naturwiſſenſhaften, der Mathematik u. ſ. w.
bietet. Die Univerſität8zeit ſollte nur dem Studium dienen. Freilich müßte der Staat
dann auch, da die Lernzeit vermehrt, alſo mit größeren Koſten verfnüpſt würde, für Sti-
pendien und vermehrte Aufbeſſerung der Gehalte ſorgen. So lange dies nicht durchgängig
der Fall iſt, wird man ſich meiſt nur auf die theoretiſche Ausbildung in der Pädagogik,
auf Vorführung von Muſterlectionen und“ wenige Uebungen im Lehren beſchränken müſſen,
der Praxis im Amte das Uebrige überlaſſend.
Padagogium., Unter Pädagogien verſteht man meiſt Gymnaſien, welche nicht nur
Unterrichts -, jondern zugleich Erziehung8anſtalten ſein ſollen und daher mit einem Alum-
nat verbunden ſind , während man hier und da auch lolche Anſtalten mit diejem Namen
belegt, denen die Oberclaſſen des Gymnaſiums ſehlen, 3. B. „Progymnaſien.
Parnbel. „Sie iſt eine Darſtellung eines Vorganges aus der Natur oder vem Menſchen-
leben, mit dem Zwecke, eine dem geiſtlichen Leben angehörige Wahrheit zu veranſchaulichen.“
Die Form der Darſtellung kann ebenſo wohl die gebundene, wie die ungebundene Rede
jein, Für die Volksſchule iſt ſie ſehr geeignet. Sie entſpricht ebenſo ſehr der Forderung
der Anſchaulichkeit, wie dem poetiſch angeregten und nach Poeſie dürſtenden Sinne der
„Zugend. (Vgl. hierüber auch das unter „Fabel“ Geſagte.) Doch ſeht die Parabel, wie
jchon die Parabeln Chriſti zeigen, eine größere Reife der Schüler voraus, als die Fabel.
Außer den Parabein von Herder (Palmblätter), Krummacher, Agnes Franz und G. H. v. Schubert
möchten Volks8ſchullehrern auch die leider lange nicht genug gewürdigten Barabeln Chriſlian Scri-
ver'8 in „Gotthold's vierhundert zufälligen Andachten" zu empfehlen ſein. Eine für die Jugend
berechnete Auswahl aus denſelben bietet : Stährlin, „Jugendſpiegel aus Gotthold zufälligen
Andachten", (Stuttgart 1862. 3 Sgr.) Der Parabel verwandt iſt die Paramythie,
welche die betreffende Wahrheit an erdichteten Vorgängen, die in der Sphäre mythiſcher
Wejen (Götter, Genien, Engel 2c.) verlegt werden, veranſchaulicht. Al8 Dichter von Pa-
ramythien glänzen wiederum Herder und Krummacher.
Parall eſrlajſen find Claſſen einer Schule, welche auf gleichem Standpunkte ſtehen,
aber von zwei verſchiedenen Lehrern und entweder in zwei verſchiedenen Zimmern oder zu
verſchiedenen Zeiten unterrichtet werden. Sie finden fich nur bei ſehr ſlark beſuchten Schulen.
Bei Errichtung von Parallelelaſſen bietet ſich als nächſter Grund der Cintheilung der Schüler
die Trennung der Geſchlechter. Wo dieſe nicht ausreicht, dürfte zunächſt eine Veränderung
de38 Claſſenſyſtemes (ſtait des Drei=, das Vier=, Fünf= oder Achtelaſſenſyſtem) den Vor-
zug vor Einrichtung von Parallelclaſſen verdienen. Als zweiten Eintheilung8grund hat man

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