74 VDmmalins = =< (öPeiiſabih:
feit bezeichnet , wenn er außer dem Stoffe: aucßg die Methoden und Formen für die Er=
theilung de3 Unterrichtes bi8 in'8 Kleinſte vorſchreibt und jede, auch die begründetſte Ab-
weichung von der gegebenen Inſtruction als einen groben Verſtoß gegen die Pflicht der
- Gewiſſenhaftigkeit rügt, Jo iſt ex unbeſtritten ein Pedant vom reinſten Waſſer. Wenn ein
Lehrer ſeinen Schülern ſür alle einzelne Unterricht83zweige die bis auf den Punkt genau
geregelten Wege angiebt und fordert, daß ſie nur auf dieſen, von ihm vorgezeichneten Wegen
zum Ziele gelangen dürfen, wenn er Alles einfach nl3 falfc< bezeichnet, wa38 nicht ganz
genau ſeinem Gedankengange ſich anpaßt, die Schüler lieber auf großen Umwegen zu einer
gewünſchten Antwort hingängelt, als daß ex ihnen die Berfolgung eigener Gedankenreihen
geſtattet, jo gehört er zu der Zahl der Bedanten. C38 kann ja ſelbſtverſtändlich in der
Schule ohne eine ſtrenge Regelmäßigkeit im Aeußeren und ebenſo beim Denken und Ur-
Heilen nicht gehen, e8 müſſen den Unmündigen zunächſt die Mittel und Wege zum Ziele
ſtreng vorgeſchrieben werden, aber ſobald die Regel verdaut iſt, muß eine freiere Anwendung
und größere Selbſtändigkeit geſtattet werden. Am Wenigſten iſt daher die Pedanterie an
den höheren und Gelehrtenſhulen zu entſchuldigen. Die ſchlimmen Folgen einer pedantiſchen
Behandlung der Jugend ſind ſehr tieſgreiſend. Hier wirkt ſie Aengſtlichkeit bis zum Mecha-
m8mus8, lächerliche Langſamkeit im Handeln, Unbeholfenheit in ſchwierigen und überraſchen=
den Fällen, dort Stolz, Eitelkeit und feſtgewurzelte Vorurtheile gegen alles Neue und Fremde.
Kräſtigere Naturen reizt die Pedanterie wohl auch zur oſſenen Widerſeßlichkeit. Jedenfalls
aber iſt fie ein Haupthinderniß aller Liberalität der Denkung3art, eines geſunden und viel-
ſeitigen Urtheiles, des Wiße8, des guten Geſchmacdes, der Freiheit im Handeln und des
praktiſchen Taktes. Am Sicherſten wahrt fich der Lehrer vor der Pedanterie durch eine
gründliche, allſeitige Bildung des Geiſtes, durch ſelbſtändigen, von aller Auztoritätsbefangen-
heit freien Gebrauch ſeiner Vernunft, und vornehmlich auch durc< Abſchüttelung der in
den Lehrerbildungsanſtalten noc< jo vielfach herrſchenden Buchſtabenklauberei ; denn „der
Buchſtabe tödtet, aber der Geiſt iſt's, der lebendig macht.“
Pennalismus iſt die aus dem Corporationsgeiſte entſpringende Unterdrückung jüngerer
Schüler von Seiten älterer. Jm Extrem erſcheint dieje Unſitte im 17. Jahrhunderte auf
den Univerſitäten, wo die „Füchſe“ geradezu jo mißhandelt, jo „geſchunden“ wurden, daß
ſich die Obrigkeiten genöthigt ſahen, mit allen ihnen zu Gebote ſtehenden Mitteln gegen
diejelbe einzuſchreiten, während ſhon früher bei den Bacchanten dieje Einrichtung , jedoch
niht in dieſer Ausbildung, bemerkt wurde. In ſpäteren Zeiten trat der Bennalismus
immer milder auf, in jehiger erſcheint er zu Chren unſerer Zeit in ganz verblaßter Ge-
ſtalt, Geltend machte er ſich auch von jeher beſonder3 in Internaten, z. B. in Gymnaſien,
in Seminarien, indem die „Oberen“ die „Unteren“ vexirten und zu allerlei Dienſtleiſtungen
(Kleiderreinigen , Stiefelpußen, Büchertragen) zwangen. Jn ganz anderer Form tritt er in
der Bolksſchule auf, bejonder8 da, wo mehrere Jahrgänge in einer Claſſe vereinigt find.
Hier tritt oft die größere Kraft älterer Schüler gegen jüngere auf, wenn e8 gilt, Ciwas
zu verſchweigen oder die jüngeren in ein Unternehmen, zu dem ſie keine Luſt haben , zu
ziehen. = Daß gegen ſolche Auswüchſe mit aller Entſchiedenheit angekämpft werde, um
ſie völlig auszurotten , befiehlt eine geſunde Pädagogik, die aber nicht verkennt, daß der
PBennalismus in geläuterter Geſtalt beſonder8 in Internaten (3. B. Wahl von Arbeits,
Waſch-, Schlaſſaal=, Tijchinſpeckoren u. ſ. w., denen ſich die Untergebenen zu fügen haben)
ſeine guten Früchte tragen muß.
VBenſabuch. Das Penſabuch, in dem entweder wöchentlich over auch, wie in manchen
Sculen gebräuchlich, täglich die mit den Schülern behandelten Penſen, wohl auch die dem
häuslichen Fleiße gebotenen Aufgaben eingetragen iwerden, werden von nicht wenig Lehrern
als eine unnüße Laſt empfunden, und man begegnet oft der Meinung, das Penſabuch ſei
nur vorhanden, um den inſpicirenden Director oder Sculinſpector über das Behandelte
zu orientiren. Gleichwohl hat da8 Buch auch ſeine pädagogiſche Bedeutung, wenn es der
Lehrer betrachtet als eine Controle, die er ſich ſelbſt bezüglich ſeiner Thätigkeit auſerlegt.
Der Lehrer wird, wenn ex zuweilen fleißige und gewiſſenhafte Umſchau im Penſabuche
hält, doch vielleicht ſelbſt eine oder die andere Lücke entdecken, die ihm no bleibt, ex wird leichter im Stande ſein, fich klar zu machen, ob er den rechten Schritt

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