- Präſenfalionoreht Predigtnachſchreiben Ms
"haben, denen es ganz zu Fleiſch und Blut geworden iſt, ein kurzes Veberlegen deſſen, - .
was man treiben will, oft genügen wird, iſt ebenfalls ſelbſtverſtändlich. Doch möge ſim
- Jeder Lehrer hüten, zu zeitig ſich dieſe Bequemlichkeit zu geſtatten. Wohl mag er uoh
oft genug von früher her den Gegenſtand und die Art ſeiner Behandlung inne haben, er
wird troßdem gut thun, ſic vor der Stunde noch einmal zu überlegen, ob an die Stelle
der früheren Art der Behandlung nicht eine neue und zwar beſſere treten könnte. Der
Lehrer, der nicht vor der Zeit einroſten, nicht ſtet8 in denſelben Geleiſen wandeln will,
muß ſich für jede einzelne Stunde vorbereiten. Ob mündlich oder ſchriftlich? das mag
in ſpäteren Zeiten ſeiner Wirkſamkeit ziemlich gleichgiltig ſein, für die erſten Zeiten der-
jeſben, wo ihm überſichtliche Gliederung des Stoffes und die Form der Darbietung des8=
jefben noch nicht geläufig genug ſind, iſt die ſchriftliche Vorbereitung unerläßlich, und wie
Ihon angedeutet, muß dieſelbe in einzelnen Fällen eine ganz ſpecielle ſein und ſich auch
auſ die Einzelheiten der Form erſtre>en. Man würde in den Schulen ſchlechten Frage-
ſtellungen u. dgl. viel ſeltener begegnen, wenn die angehenden Lehrer gewiſſenhafte ſchrift-
liche Vorbereitung ſich auferlegten. Bei anzuſtellenden Wiederholungen glauben Viele der
Vorbereitung am Wenigſten zu bedürfen und doch iſt ſie gerade für dieſe recht ſehr noth-
wendig. Wenn die Wiederholung ſich nicht auf mechaniſches Einpauken beſchränken will,
wenn ſie dazu beitragen foll, daß das Gelernte dem Schüler ein geiſtiges Eigenthum
werde, mit dem er nach Willkür ſchalten kann, daß der Schüler das Gelernte auf ge-
„gebene Fälle nach Belieben anwenden lerne, ſo muß der Lehrer ſhon bei der Wiederholung
das Gelernte unter verſchiedene Geſicht3punkte ordnen, er muß das Gelernte bald von
dieſer, bald von jener Seite betrachten laſſen; das wird aber ohne vorhergegangene Ueber-
legung nicht wohl möglich ſein. Geographiſche Wiederholungen können 3. B. bald an
Gebirge, bald an Flüſſe angeknüpft werden, geſchichtliche an geographiſche, ein Zeitraum
der Geſchichte kann im Anſchluſſe bald an die eine, bald an die andere Perſönlichkeit -
wiederholt werden, es kann das eine Mal Friedrich Barbaroſſa, das andere Mal Heinrich)
der Zöwe in den Vordergrund gerückt werden u. ſ. w. Durch derartige Wiederholungen
wird dem Gelernten die Beweglichkeit, dem Schüler die freie Benußung der Gedanken ge-
ſichert.
Pröſentationsrecßt. Das Präſenſation3recht iſt der weſentlichſte Theil des Beſeßzungs-
rechtes der Gemeinden und der Privatcollatoren und beſteht darin, daß der Collator den
jür eine zu beſehende Stelle Ausgewählten ſchriftlich bei der mit der Anſtellung beauf=
tragten Behörde anzeigt und deſſen Anſtellung beantragt. Verſäumt der Collatox die dazu
beſtimmte geſeßliche Friſt (1 */2 bis 2 Monate, ſelten mehr), ſo verliert er für dieſen Fall
das Recht zur Beſeßung der Stelle, welches dann an die Behörde übergeht. Das Wei-
tere |. Beſtätigung.
Das Predigtnachſchreiben , welches jeht ſo ziemlich aus den Schulen verſchwunden
jein dürfte , wurde vielfach als ein Mittel angeſehen, um einer Predigt ordentlich folgen
und ſich über den Haupt= und Geſammtinhalt derſelben Rechenſchaft geben zu lernen. Allein
gewichtige Gründe ſprechen gegen dieſe Einrichtung. Vor allen Dingen beſißen die Schüler
der Volksſchule nicht den Grad geiſtiger Fähigkeit und mechaniſcher Schreibfähigkeit , der
erforderlich ijt, um eine Predigt im Auszuge, geſ Predigthefte der Schüler ſtroßten denn auch allermeiſtens von Widerſinnigkeiten und Un-
tlarheiten, von mangelhaſten Saßconſiructionen und orthographiſchen Fehlern und auf den
erjten Bli& war zu erkennen, daß der gehoffte Gewinn gleich Null ſein müſſe). Dazu
kommt, daß die Schwierigkeit des Nachſchreibens noch dadurch erhöht wird, daß die Siße
der Schüler in der Kirche mit nur ganz wenigen Ausnahmen gar nicht zum Schreiben
eingerichtet und oſtmals obendrein noch an einem Orte angebracht ſind , wo ſelbſt beim
beſten Willen der Prediger ſchwer zu verſtehen iſt. Die weitere Folge dieſe3 Uebelſtandes
iſt ein gegenſeitiges Fragen und Voneinanderabſchreiben ſeiten der Schüler, wobei e8 ohne
Muthwillen und Unarten ſelten abgeht. Eher noch als da38 unmittelbare Nachſchreiben der
Predigt in der Kirche dürfte das Auſſchreiben der Predigt zu Hauſe -- was aber bei den
meiſten Schülern nur ein Aufzeichnen einzelner Gedanken , welche beſonder3 angeſprochen
haben , beſtehen wird -- ſich rechtfertigen laſſen , obgleich wir ſelbſt davon uns nicht gar

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