Blödſinn, == Bonifgcius, | 970
pian ſie mjt Liebe und Sanftmuth behandelt. Doch pat man ſich zu hüten,
vaß blöde Kinder nicht in das Gegentheil , in Frechheit , umſhlagen ; man
varf ihnen eben nicht mehr Giüe zeigen und kein größeres Selbſtvertrauen
einpflanzen, als nothwendig iſt, um ihnen jede ungegründete Furcht zy be-
nehmen. |
VBlödſiun. Schulze erklärt den Blödſinn als eine Schwäche dex zu
- flaxen Erkenntnijſen erſorderlihen Thätigkeiten des Geiſtes, verbunden mit
einem Unvermögen, ſich für etwas zu intereſſiren, und mit einem ſo j Wollen , daß deſſen Ausführung ſhon durc< kleine Hinderniſſe gehemmt
wird. Benexke definirt den Blödſinn als diejenige Seelenkrankheit, welche
aus einer geringen Kräftigkeit der Urvermögen entſpringt, und den Gegen-
jaß von der Verrüdung (fixen Jdee) bildet. (Beiträge zu einer vein wiſſen-
ſchaftlichen Bearbeitung der Seelenkrankheitskunde. S. 49 1. ff. y. 186 ff.)
(68 laſſen ſic< aber beide Begriffe dadurch verbinden, daß wir den Blödſinn
eine auf natürlicher Geiſtes |I bei dem Menſc der niedern Stufe des blos animaliſchen Lebens zu ſtehen ſcheint. In die-
jem Begriffe (]. Binder'3s Real - Encyclopädie) beſteht nux der Irrthum,
daß dem Blödſinnigen die höhern geiſtigen Kräfte abgeſprochen werden,
während ſie ſich doch nur in einem Zuſtande äußerſter Schwachheit befin-
den. Gingen ſie dem Menſchen ganz ab, ſv könnte der Blödſinn nie ge-
heilt werden, was doch ſchon geſchehen iſt. Der Blödſinn gibt ſich äußer-
li< durch ſchlaſſe Haltung des Leibes, täppigen, unſichern und ſ Gang, ſtieren Bli, gedunſenes Ausſehen, läppiſches, ſc deutliches Sprechen over durc< krankhafte Erſcheinungen kund. Man hat
verſchiedene Stuſen von Blödſinn angenommen, indem man die Dummheit
und Stumpfſinnigkeit als die beiden erſten bezeichnete, denen dann als dritte
Stufe der eigentliche Blödſinn (Jdioti8Smus, Anoia, Stupiditas) folgte. Nicht
bei allen damit behafteten Individuen tritt der Blödſinn in gleicher Stärke
und Art auf; bei einzelnen offenbart ſich dieſe Geiſteskrankheit dur< Eigen-
thümlichfeiten, die man bei andern nicht wahrnimmt; diejer ſpricht viel,
heſonders mit ſich ſelbſt, während aus jenem kaum ein Wort hervorzubringen
iſt; da trifft man mehr Menſhenſcheu und Mißtrauen , dort größere Hin-
neigung zum Verkehre mit den Menſchen , oder da mehr Neugierde, dort
mehr Gedächtniß. Auf dieſe Eigenthümlichkeiten und Reſte geiſtiger Kraft
wird man ſorgfältig achten müſſen, wenn man auf die Heilung des Blöd-
ſinne8 ausgeht; denn an ſie allein läßt ſich dieſelbe anknüpfen. Erreicht
dabei der Erzieher auch nur ein geringes Reſultat, jo liegt varin immerhin
ein Troſt für ihn und für den Unglülihen. I< habe einen Blödſinnigen
unter den Kindern meiner eigenen Schule gehabt, der e8 dann doch zum
Leſen einſilbiger Wörter brachte und mehrere Sprüche und Gebete aus-
wendig lernte. Doch kann ich nicht verhehlen , daß, wenn ein blödſinniges
: Kind in eine Volksſchule aufgenommen werden will , die Mühe , die der
- Lehrer damit hat, nicht gering anzuſ - len Behandlung auch die übrigen S ziehen und ſelbſt mit den Eltern über ein gleichheitliches Verfahren und
über das Zuſammenwirken zu Einem Zwede ſich zu verſtändigen hat.
Vonifaeins wurde um 600 in England in dem Städtchen Kirton ge-
boren. Eigentlich hieß er Winfried ; den Namen Bonifacius, der Wohl-
thäter, gab ihm Baypſt Gregor I1., als er denſelben am 30. November 723
in Rom zum Biſchoſe der Teutſchen weihte. Jm Kloſter Erceſter bis zum
dreizehnten Jahre ynd dann im Kloſter Nutc

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