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Geduld, 129
Wie die Geduld ſich da findet, wo Gottvertrauen iſt, ſv trifft man die
Ungeduld da, wo das Selbſtvertrauen nud die Empfindlichkeit vorherrſchen.
Der Erzieher wird es ſich daher j efje angelegen ſein loſen, die Schwachen zu tragen, die Unwiſſenden zu
jchonen, daſſelbe unverdrofſjen und öſter zu wiederholen und zu bedenken,
wie viel Nachſicht er jelbſt von Seite Gottes“ bedürfe. Er zeige ſich ruhig
und ſanft, bis er genau weiß, warum ein Kind zu ſpät in die Schule ge-
kommen iſt, jeine HansSaufgabe nicht gemacht hat oder auf die geſtellte
Frage nicht antworten kann. Namentlich jüngeren Lehrern, welche der
Eifer leicht ungeſtim macht und zur Ungeduld ſortreißt, iſt dieje Regel zu
empfehlen. Die Schwachköpfigen ſind für den Lehrer ſtets ein Schulkreuz;
was kann er aber mit diejem Kreuze Beſſeres anfangen, als es mit Gleich-
muth und Gottergebonheit zu tragen ? Was können-die Schwachen für ihre
Talentloſigkeit 2? Und was haben fie nothwendig, wenn äus dem Cinen
Talent etwas werden ſoll , das ſie empfangen haben? Sie haben noth-
wendig , daß der Lehrer Geduld mit ihnen trage, d. h. daß er nicht er-
müde, ihnen das oft Geſagte noc< einmal zu ſagen, das ſchon Erkllärte
noh einmal zu erklären, das deutlich Gemachte noh deutlicher zu machen.
Durc< Geduld verſchafft man ſich auc< bei ſc während ſie ſich gegen Donner und Bliß verſchließen. Doch darf jeine
würdige Ruhe , die er bei allem Widerwärtigen zeigt, was im Unterricht
und in der Erziehung vorkommt , nicht die Nuhe der Gleichgültigkeit oder
Judolenz ſein, ſondern es niuß den Kindern dabei deutlich werden, daß fie
um Gottes willen geübt werde ; ſie muß vor ihnen als eine gend erſcheinen, deren Segen ihnen zu gute kommt. Haben ſie dies aus
unzweidentigen Zeichen erſehen, dann wird ihnen die Geduld des Lehrers
als etwa3 Heiliges erſcheinen, woſür ſie ihm und Gott Dank ſchuldig ſind.
Auch liegt hierin das beſte Mittel, die Kinder ſelbſt zur Geduld zu ex-
ziehen. Doch wiſſen wir wohl, daß es leichter iſt, zur Geduld zuzuſprechen,
als ſie zu leiſten. Wir wollen daher an der Pflicht nicht vorübergehen,
die uns dieſes Wiſſen auflegt, ohne daß wir dem Lehrer einige zuver»
läßige Mittel bezeichnen, durc<; die ihm die Uebung der Geduld erleich-
jert wird. 1) Er bedenke oft, wie billig es ſei, daß er mit den Schwach-
heiten der Kinder Geduld trage, da Gott eine ſo große und immerwäh-
rende Geduld auch mit ihm habe. Dabei ſtelle er ſich die Geduld vor
Augen, welche Jeſus mit den Schwächen ſeiner Jünger und in ſeinem Lei-
den bewieſen hat. 2) Wird er jich bei diejer Crwägung ſemer eigenen
Schwäche bewußt, die ihn an der Uebung der Geduld hindern möchte, dann
bitte er um Geduld und ſie wird ihm gegeben werden; aber er bitte zu-
gleich, daß ſeine Geduld nicht ſelbſt zur Schwäche werde, ſondern ſo viel
Eifer damit verbunden bleibe, als nothwendig iſt, um zu ſtrafen, wo es die
Pflicht gebietet. Die Strafe ſchließt die Geduld nicht aus, da ſie ohne
alle Heftigkeit oder. Leidenſchaft vollzogen werden kann. 3) Er halte dar-
auf, die Geduld als einen glorreichen Erweis und Ausdruc> des Chrijten-
glaubens vor den Kindern darzuſtellen und halte ſie zu dieſer Tugend
bei jeder Gelegenheit an; indem er ſie in der Geduld- unterweiſt, wird er
ſelbſt Geduld lernen. 4) Er überſehe nicht, daß die Geduld die Wurzel
einer Menge anderer mit ihr innerlihſt zuſammenhängender Tugenden
iſt, z. B. der Beſonnenheit, der Gerechtigkeit, Sanftmuth 2c. (j. Hirſ Moral Bd. 111.) 5) Er halte ſich oft vor Augen, daß ihm die Ungeduld
nichts nüße , daß. ſie ihm ſeine Pflichtübung nur erſchwere ſtatt erleichtere,
und daß er damit die Fehler der Schüler nicht beſſere ; er macht ſie nur
verſ weiſungen verſhmähen. Zwar koſtet die Geduld viele Selbſtbeherrichung;
Encyclopädie des Unterrichtö="und Erziehungsweſen, I], - 9

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