16 Fprtbildung des Lehrers.
ein Lehrer mehr zu wiſſen, als in dieſem, und gerade in ihnen iſt ex ant
weiteſten zurücf , und ihrer hat ex zu ciner recht weitgreiſenden und ge-
deihlichen Wirkſamkeit bejonder8 vonnöthen. Die Lehrbücher von Martin,
Wiluers, Deharbe, Schuſter, Meßmers und Hanebergs Geſchichte der Oſ-
ſenbarung , Möhlers Symbolik, Nippels Schönheit ver- katholiſchen Kirche,
Hepps und Stiefelhagens kirchengeſchichtliche Lebensbilder, Rohrbachers
Kirchengeſchichte werden jene gründliche Belehrung vermitteln und der
Fortbildung jehr förderlich ſein. 2) Der Lehrer muß ſih Rehenſ von dem Geleſenen geben. Er muß in den Ideengang , in den ZuU-
jammenhang der Gedanken eines Buches eindringen. Hat er ein Buch ge-
lejen, jo werfe ex einen Bli> darauf zurüc>, ſammle im Geiſte deſen Kexn-
jähe und recapituliye das, was ihm am Lehrreichſten und Brauchbarſten
Iheint. Dadurch wird er einen. nenen Abdru des geleſenen Buches in
verfürztem Maßſtabe in jeiner Seele veranſtalten und durch die Lectüre
deſjeliben in ſeiner Fortbildung wahrhaft gefördert ſein, beſonders dann,
wenn er 3) mit der Feder in der Hand geleſen hat. Garve jagt:
„Wenn du UÜeſeſt, 19 ſondere den Gedanfen vom Ausdrue ab ; nimm ihm
jeinen Puß und unterbrich zuweilen das Vergnügen, womit bei jedein Men-
ichen die Neugierde das Weiterſtreben verknüpft, fo lange, bis du dir mit ein
paar Worten das denken kannſt, was der Verfaſſer vielleicht auf
Seiten geſagt hat; vieſe paar Worte ſchreibe nieder; ſie ſind alsdann
dein, ſowie der Gedanke, den ſie ausdrü>en. Große Bücher können auf
dieſe Art in Blätter verwandelt werden, die für uns mehr werth ſind ais
die Bücher, und die uu38 ſhon der Fähigkeit, ſelbit Leſen5werthes zu ſchrei-
ben , näher bringen.“ Ein theologiſcher Profeſſor von europäiſhem Ruf
ſagte uns einſt, daß er foinen Stil und Gedanfenreichthum durch nichts 1v jehr
verbeſjert habe, als durc< das Leſen mit der Feder in dex Hand. Darum
ſagt Baco von Verulam ganz richtig: „Leſen gibt Juhalt, Schrei-
hen aher Genanigkeit.“ 4) Endlich gibt Kellner (pädagogiſche Mitihei-
lungen) noch den Rath, ſich nicht durch ein Mehreres nebeneinander,
nicht durch Vielexloi zu zerſplittern und zu zerſtreuen, ſondern vielmehr das
Hintereinander dom Nebeneinander vorzuziehen und demnach ſich dem Werke,
was man einmal angefangen hat, ganz hinzugeben und dieſes erſt voll-
ſtändig zu dur iet. Dieſer Rath kann, ſo einfach er iſt, immer nicht genug wiederholt
werden , je mehr gerade in der jehigen Zeit die Zeitungs- und Zeitſchriſ-
toen-Literalur , ſowie das Romanenwejen auf Verflachung und Zerſtreuung
hindrängt und das Leſen zu einem flüchtigen Zeitverireib herabdrü>t , bei
welchen ſich leiver der Menſch noch einbilden kann, etwas Rechtes gethan
zu haben. Auch in Betreff der pädagogiſchen Zeitſchriften, deren eine [v
große Menge erſcheinen, würde ich Lehrern und Lehrerconſerenzen ſtets die
jorgfältigſte Auswahl und Beſchränkung anrxathey. Sie bejördern zwar
die Kenntniß des Zeitgeiſtes und der Fortſchritte in der Zeit, allein ſie
zerſpliitern auch die Thätigkeit und verwirren die Anſichten, weil jim gar
oft in ihnen die widerſprechendſten Meinungen zuſammendrängen.“ Daß
ein ſolches Leſen, wie es hier verlangt wird, ein ſtudirenves, fortbildendes
Leſen genannt werden könne, dürſte nicht beſtritten werden wollen. =- An die
Lectüre ſchließt ſich als drittes Fortbildungsmittel die Uebung in fünjt-
leriſchen und landwirthſhaftlichen Dingen an. Der Lehrer joll
ſich in der Muſik und im Zeichnen weiter bilden. An Gelegenheit da-
a dürfte es ihm in unſerer Zeit nicht fehlen. Doch darf nicht überſehen
werden, daß beide künſtleriſche Fertigkeiten nur daun fortbilvend wirken,
wenn ſie ſich au die Geſeke halten, welche oben für eine bildende Lectüve
aufgeſtellt worden ſind. Sie müſſen 1) als Fortbildungsmittel angeſehen

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.